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DOS & DON'TS
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WIE VERFILMT MAN EIN SAUFSPEKTAKEL?Wenn Trinken Kunst und Kunst ein Vorwand zum Trinken istVON FELIX NICKLASExzessives Trinken, gepaart mit Kunst, gehörte schon immer zur Kultur dieser abgewrackten Stadt. Der beste Beweis dafür ist das Film-Dokument „Berlin Drinking Battle“ von Rolf S. Wolkenstein und Wolfgang Hogekamp, das beide 1989, am Vorabend des Mauerfalls, aufnahmen. Offenbar haben sie es damals, lange vor dem Zeitalter der Digicam, irgendwie hinbekommen, ihre Abstürze auf Video zu dokumentierenstatt in der Presse als Flatrate-Schnapsleichen zu enden. Wir wollten wissen, wie, und haben uns deswegen mit Rolf S. Wolkenstein zu einem nüchternen Gespräch über Schnaps und die Welt des Films in den 80ern getroffen. Vice: Wie hat man sich die damalige Filmszene in Berlin vorzustellen? Rolf S. Wolkenstein: Als ich anfing, hier zu studieren, herrschte in den Hochschulen noch dieser Muff der Hippies und Alt-68er. Alles musste irgendwie im Kollektiv gedreht werden, irgendeinen Bezug haben, dialektisch und so weiter und sofort. Das haben wir Jungen, die damals dort anfingen, natürlich abgelehnt. Also machten wir unser eigenes Ding. Etwas, das wir auch machen mussten, da eh nie ein Dozent anwesend war. Also war man darauf angewiesen, eigene, andere Erfahrungen mit dem Medium Film zu sammeln. OK, wie kommt man dann dazu, seine Kamera in eine Kneipe zu schleppen? Das ganze Ding wurde von einem Barkeeper in einer Kneipe namens Mittenwalder organisiert. Das war die Stammkneipe zu sehr, sehr später Stunde. Die Idee entstand wahrscheinlich auch betrunken, aber alles war komplett durchkonzipiert und ziemlich modern aufgezogen für damals. Da schrieb sogar irgendjemand am Abend vorher extra ein kleines Programm, entweder auf einem Atari oder Amiga, das dann digital die getrunkenen Schnäpse gezählt hat. Und wie liefen die Dreharbeiten an diesem Abend ab? Ich persönlich wusste erst eine Stunde vorher, dass ich das filmen würde. Mein Freund Wolfgang, der den Film produziert hat, kam zu mir und erzählte mir davon. Er war dann auch derjenige, der gewonnen hat. Die Leute zahlten 20 DM Startgebühr, und dann war man im Spiel. Es waren knapp vierzehn Teilnehmer und bis zum 30. Tequila haben eine ganze Menge Leute durchgehalten. So ungefähr die Hälfte würde ich sagen. Wolfgang wurde dann mit 40 Tequila Sieger, der zweite schaffte 39 und da gab es noch den anderen Typen, der sich im Film auf jemanden übergeben will, der hat 38 geschafft. Gedreht habe ich aber leider nur ungefähr eineinviertel Stunden einer ganzen Nacht. OK, wie nimmst du den Film heute, Jahre danach, wahr? Als ein Zeitbild. Ich kam zu einer Zeit in Berlin an, die man heute wohl Post-Punk nennt. Allein, wie wir angezogen waren, wie wir gequatscht haben, was für einen Unsinn wir gemacht haben. Weil man im Wahn lebte und den manchmal sogar noch organisierte. Nur hat sich meiner Ansicht nach diese Trink- und Lebenskultur heutzutage ins Negative gewandelt. An diesem Abend wurde ganz schön viel weggeschüttet, oder? Soll euer Film zeigen, wie geil es ist, sich wegzusaufen? Ha, ich selbst habe ja nie Alkohol getrunken, deswegen kann ich das schwer beantworten. Berlin war damals diese künstliche Großstadt inmitten der DDR, die nur durch Infusion am Leben erhalten werden konnte. Das färbte auch auf die Leute ab, auch auf deren Trinkkultur. Trotzdem war es meiner Ansicht nach etwas anderes als dieses Flatrate-Saufen heutzutage. ![]()
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