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Von Ryan McGinley





SPIKE JONZE


INTERVIEW: SHANE SMITH
PORTRÄTS: TERRY RICHARDSON



In den fünf Jahren, die wir Spike Jones inzwischen kennen, hat er noch nie nicht an seiner Filmadaption von Maurice Sendaks klassischem Kinderbuch Wo die wilden Kerle wohnen gearbeitet. Es ist für Spike zu einer lebensverzehrenden, seelendurchforstenden, tage- und nächtelangen, seit einer halben Dekade andauernden Aufgabe geworden, diesen Film so zu erschaffen, dass er seiner eigenen speziellen Vorstellung davon entspricht—und dabei zuzusehen, wie das Projekt wächst und gedeiht, ist extrem inspirierend. Und jetzt ist Wo die wilden Kerle wohnen gleich einem wunderschönen Baby, dessen Kopf sich aus dem Inneren des Schoßes seiner Mutter hervorzuschieben beginnt—oder einer saftigen, reifen Tomate, die ihre Ranke gen Boden zieht—endlich kurz davor, in die Welt hinauszubersten. Es ist ein Film, der mit nichts, was wir bisher gesehen haben, zu vergleichen ist und wir können es kaum erwarten zu sehen, wie das breite Kinopublikum auf ihn reagiert.

Der Gründer von Vice, Shane Smith, fuhr diesen Sommer nach London, um Spike zu besuchen, der dort gerade damit beschäftigt war, die Arbeit an den visuellen Effekten des Films zu beenden. Shane war auf dem Weg nach Afrika, wo er einen Film für VBS.TV drehen wollte und quälte sich mit den Nebenwirkungen einer riesigen Dosis des Anti-Malariamittels, das er eingenommen hatte, herum. Bevor er sich mit Spike traf, durfte er eine exklusive Vorschau von Wo die wilden Kerle wohnen sehen. Danach warf er sich Spike auf kürzestem Weg in die Arme und fing, von Gefühlen überwältigt, erst mal an zu weinen. Und dann saßen die beiden zusammen in Shanes Hotelzimmer und redeten über alles—Spikes neuer Film, das Leben, die Liebe.

Vice: Ich habe gerade deinen neuen Film gesehen. Er heißt Wo die wilden Kerle wohnen ...
Spike Jonze:
Ah ja ... [lacht]

Ich hab natürlich als Kind das Buch gelesen und erinnere mich an alle Charaktere, die darin vorkommen. Aber ich konnte mich nicht an die Einzelheiten erinnern. Benutzt Max im Buch auch ein Boot?
Ja, das tut er. Die Grundelemente kommen alle aus dem Buch. Aber was mir am Wichtigsten war: den Geist und den Ton des Buchs zu treffen. Oder zumindest, wie ich sie empfand ...

Du hast es als Kind also auch gelesen?
Na klar.

Und es war eins deiner Lieblingsbücher?
Ja, definitiv.

Hast du lange darüber nachgedacht, einen Film daraus zu machen?
Nein, weil es eins von diesen Dingen ist, die man liebt, aber an die man nicht selber ran will. Ich wusste nicht, wie ich ihm etwas hinzufügen sollte, ohne es damit zu zerstören. Ich habe Maurice Sendak über die letzten 14 Jahre kennengelernt und mit ihm gelegentlich darüber geredet. Er fragte mich dann oft, ob ich es nicht machen wollte, und ich dachte darüber nach und überlegte.

Moment, Moment. Er hat dich also gefragt, ob du es machen möchtest?
Er war seit 20 Jahren damit beschäftigt, einen Film daraus zu machen.

Weißt du, wer den Film noch so machen wollte?
Ich weiß nicht, ob jemand wirklich je ernsthaft überlegt hat, es zu machen. Aber er hat mit ziemlich vielen verschiedenen Leuten darüber gesprochen.

Das muss doch toll gewesen sein, von ihm persönlich darauf angesprochen zu werden.
Oh ja. Ich liebe ihn und seine Bücher. Und weil ich sie seit so einem jungen Alter liebe—In der Nachtküche und Wo die wilden Kerle wohnen und Pierre—sind diese Bilder alle so ...

Präsent in deinem Kopf?
Genau. Wenn man etwas von so einem frühen Alter an liebt, liebt man es auf sehr tiefe Art, weil die Bilder ganz weit unten in einem drin stecken. Und wenn man wächst, wächst man um sie herum und sie sind dann einfach noch tiefer in einem drin.

Manchmal macht es mich wütend, wenn jemand meine Lieblingsfilme nimmt und sie neu verfilmt, oder ein tolles Buch nimmt und einen Film daraus macht. Das Risiko ist sehr groß, dass das Original falsch interpretiert wird. Hat dir das Sorgen bereitet?
Definitiv. Nicht nur, dass ich es anderen Leuten nicht verderben wollte, ich wollte es mir selbst nicht verderben. Also wollte ich es anfangs nicht machen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich es angehen könnte.

Und eines Tages machte es dann klick?
Na ja, es war wahrscheinlich als Maurice sich zum dritten Mal mit mir darüber unterhielt. Er schickte mir ein Drehbuch, beziehungsweise einen Entwurf für ein Drehbuch.

Das hat er also selbst geschrieben?
Nein, nicht Maurice selbst. Er hatte über die Jahre mit verschiedenen Autoren und Regisseuren gearbeitet und verschiedene Versionen ausprobiert. Ich las diesen Entwurf und er war nicht schlecht. Aber ich konnte mir plötzlich vorstellen, wie toll es eigentlich sein könnte und war plötzlich ganz aufgeregt. Es war eine ganz einfache Idee—die Atmosphäre des Buches zu nehmen, und die Idee, wer Max ist und wer die Wilden Kerle sind, weiterzuspinnen. Und meine Idee war, dass die Wilden Kerle eigentlich wilde Emotionen sind. So einfach war das, aber das reichte aus, damit ich wusste, dass ich diese Idee weiterverfolgen und dem Buch dabei trotzdem gerecht werden konnte. Ich glaube, dass als Kind—für mich zumindest—die wilden Emotionen das waren, was einem am meisten Angst machte.

Ist ein wenig von deiner eigenen Kindheit in dem Film gelandet? Steckt ein Stück von dir in Max?
Ja, klar. Ich meine, sogar bei Sachen von mir, die ich nicht selbst geschrieben habe, steckt ein Stück von mir drin. Sogar die Filme, die ich mit Charlie [Kaufmann] gemacht habe—sogar in denen stecke ich irgendwie drin.

Du hast das Drehbuch zusammen mit Dave Eggers geschrieben. Wie lange habt ihr beide daran gesessen?
Ich habe erst mal alleine so an die sechs Monate daran gearbeitet. Da ging es nur darum, Stichpunkte zu notieren, frei zu assoziieren, sich die Charaktere und Ideen und Themen und Dialoge auszudenken—ohne einen Plan zu haben, wie sich das alles mal zusammenfügen könnte. Dann fing ich an, mit Dave zu arbeiten und brachte ihm diese ganzen Notizen und packte sie auf den Tisch und wir fingen mit Seite eins an und arbeiteten uns von da aus vor. Ich würde sagen, dass wir für die erste Fassung ab diesem Punkt so an die vier Monate brauchten. Ich zog nach San Francisco und wir arbeiteten jeden Tag daran.








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