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MEINE TOP 10 DER KUNSTFILMEVON RYAN McGINLEY ![]() EYE TO EYE Regie: Isabel Hegner 1989 1989 fragte Isabel Hegner Robert Mapplethorpe, ob sie einen Dokumentarfilm über ihn machen könnte. Er war damals schon sehr krank und schlug vor, stattdessen ein interview mit seinem langjährigen Liebhaber und Model Jack Walls zu führen. Jack ist in vielen von Mapplethorpes Bildern zu sehener ist der Typ auf dem Bild mit der Knarre und der Erektion. Jack ist sehr witzig und hat viele tiefsinnige Dinge zu sagen. Er schlendert durch Manhattan und blättert dann durch Mapplethorpes Buch Certain People, wobei er über alle ablästert und witzige Geschichten erzählt, zum Beispiel, dass Mapplethorpes Telefonnummer einfach im öffentlichen Telefonbuch stand und ihn deshalb ständig Leute anriefen, um sich fotografieren zu lassen. Jack sagt, dass Mapplethorpe sie zu sich einlud, wenn sie auch nur ein bisschen so klangen, als wären sie schwarz! Das wichtigste Zitat aus dem Film ist für mich, wenn Jack darüber redet, wie er damit klar kommt, sich nackt fotografieren zu lassen und sagt: „Ich trenne mich komplett von dem Bild ab und danach ist es einfach nur ein Bild von einem Schwanz und einer Knarre.“ Als Fotograf habe ich festgestellt, dass Fotos nach einer Weile anfangen, ein Eigenleben zu entwickeln und dann nicht mehr ein Bild von einem Freund oder einem Lover sind. Sie sind dann einfach nur noch Bilder. UNTITLED (FALL ’95) Regie: Alex Bag 1995 Das ist DER Film, der in jeder Vorlesung über experimentelle Videokunst gezeigt wird. Es ist fast eine Art Unterrichtsfilm. Bag porträtiert hier eine typische Studentin an der New York School of Visual Arts. Die acht videotagebuchartigen Segmente verfolgen die Bemühungen einer Kunststudentin, ihre Erfahrungen an der Kunsthochschule in der „big city“ zu verarbeiten. Sie ist nervig und überheblich, aber gleichzeitig so naiv, dass sie einem fast leid tut. Man sieht schon von weitem, wie sie unausweichlich auf die Desillusionierung zusteuert. Zwischen diesen videotagebuchartigen Geständnissen gibt es andere Stücke, in denen Bag über alle möglichen Dinge ablästert. Sie macht einen überheblichen Künstler nach, wie er eine Vorlesung gibt, macht sich über ein Mädchen aus einer Telefonsexreklame lustig und über zwei Londoner Verkäuferinnen, die sich über ihre Punkband unterhalten und über eine Ronald McDonald-Puppe, die versucht, eine Hello Kitty-Puppe aufzureißen. Es ist wie ein Sketch aus der Saturday Night Live Show, nur auf Artsnobs gemünzt. Bag nimmt ihre Opfer wirklich genau unter die Lupe und ist gnadenlos in ihrem Spott. KENNY & CO. Regie: Don Coscarelli 1976 Das ist kein Kunstfilm, könnte aber ebenso gut einer sein. Ich sah ihn, als ich fünf oder sechs Jahre alt war. Er hat eigentlich keine richtige Handlung, es sind einfach vier Tage im Leben von ein paar Zwölfjährigen, die sich auf Halloween vorbereiten. Der Film dreht sich um Knallbonbons, Streiche, selbstgemachte Halloweenkostüme, Schulhoftyrannen, die erste Verknalltheit, selbstgebaute Böller in Mülltonnen und darum, auf Eisenbahnschienen lang zu rennen und brennende Papiertüten mit Hundescheiße vor Haustüren zu deponieren. Er bringt das Gefühl, jung zu sein, auf den Punkt. Außerdem wurden ein paar der Szenen mit einer Streulinse aufgenommen, wodurch die Bilder verschwommen wirken (als hätte jemand Vaseline auf die Linse geschmiert)sodass es ganz besonders 70er-Jahre-mäßig aussieht. LOVE BITES Regie: Claudia Hielman 1995 Den habe ich von einem obsessiven Morrissey-Sammler bekommen. Der Film ist so eine Rarität, dass er noch nicht mal erscheint, wenn man ihn bei Google eingibt. Es ist ein Dokumentarfilm über Morrissey-Fans, die ihm während der Boxers Tournee quer durch England folgen. Es geht darin um all die Dinge, die während einer Tournee so passieren, aus der Perspektive der Fans erzählt. Ich habe natürlich eine ganz gute Vorstellung, wovon sie sprechen, weil ich Morrissey ja auch auf der ganzen Welt hinterhergefahren bin, um ihn zu fotografieren. Sie reden darüber, wie es ist, während des Konzerts auf die Bühne zu springen, und wie sehr sich alle im Publikum dann immer freuen, dass es jemand geschafft hat. „Wir werden immer da sein, wir werden verdammt noch mal einfach immer da sein, es ist jetzt einfach zu spät“, sagt ein anderer Fan und das kann ich bestätigen. Auf diese Konzerte zu gehen ist wie eine Sucht. HAIR SHOES LOVE AND HONESTY Regie: Mike Mills 1998 Irgendwann 1998 spazierte ich in New York in die Alleged Gallery auf der Spring Street und dieser Film lief auf ein paar Monitoren mit Kopfhörern. Ich setzte die Kopfhörer auf und hörte zu, wie all diese unterschiedlichen Leute ernsthaft und eingehend über die Themen Haare, Schuhe, Liebe und Ehrlichkeit sprachenund es war so gut, dass ich fast losheulte. Die Leute redeten über Herzschmerz, Höhen und Tiefen, darüber, seinem Liebsten gegenüber ehrlich zu sein; Haartransplantate, schicke Schuhe, selbstlose Liebe und Männer mit Glatze. Es ist, wie sich ein privates Videotagebuch anzusehen, und alle sind so selbstsicher in dem, was sie sagen. Der Film ist in Mills’ typischem zurückhaltenden Stil gedreht. Das Einzige, was sich verändert, ist die Hintergrundfarbe, wenn die Leute das Thema wechseln. Es ist sehr subtil und wunderschön
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