WATERBOARDING IS FOR PUSSIESEin repräsentativer Querschnitt durch die schmerzhafte Landschaft des Folterns
VON JULIANE LIEBERT UND FELIX NICKLAS
FOTOS: CHRISTOPH VOY
| Die folgende Szenen sehen zwar sehr verlockend aus, aber versucht bitte nicht, es nachzumachen. Es war ein wissenschaftliches Experiment mit ernsthafter Gefährdung, das deswegen auch unter ärztlicher Aufsicht stattfand. MACHT ES NICHT NACH! |
Als ich Felix kennenlernte, ahnte ich nicht, dass ich ihn drei Monate später mehrere Stunden mit einem 100.000-Volt-Elektroschocker foltern würde. Eigentlich hatte ich ja nie vorgehabt, überhaupt jemals jemanden zu foltern. Das war etwas, das fremde Menschen fremden Menschen an weit entfernten Orten antaten. Eines dieser Dinge, die zwar unablässlich bequatscht, aber im Prinzip mit jeder Neuauflage des Milgram-Experiments und jedem reißerischen Guantánamo-Special abstrakter wurden. Irgendwann reihte sich die Problematik in der öffentlichen Wahrnehmung irgendwo zwischen dem Artensterben und dem Ozonloch ein: als Normalität. Aber trotz allen Gelabers wurde nie wirklich klar, wie es nun eigentlich ist, wenn nicht irgendeinem Arsch im Fernsehen, sondern dir selbst der Arsch aufgerissen wird. Dabei gibt es Folter nicht erst seit gestern. Statt uns also auf irgendwelchen Homepartys waterboarden zu lassen, beschlossen Felix und ich, ein paar der historisch gängigsten Foltermethoden auszuprobieren. Wir ließen uns von einem Experten die Details (und Risiken) erklären und begaben uns in jene Abgründe der menschlichen Psyche, von denen uns erzählt worden war, auf deren Erfahrung wir jedoch im Nachhinein dankend verzichtet hätten..
BOX
Foltern funktioniert wie Pokern: Du musst entweder auf dem niedrigsten Level starten oder gleich alles einsetzen. Es bleibt dir überlassen, ob du es mehr oder weniger harmlos findest, stundenlang auf engstem Raum eingesperrt zu sein, ohne dich bewegen zu können, Arme und Beine an den Körper gefesselt. Zwangshaltungen zählen zu den Foltermethoden, die eigentlich immer und überall angewendet werden. Diese hier nennt sich auch „Sardinenbüchse“. Die eingeengte Position führt zu unerträglichen Schmerzen, deine Gelenke entzünden sich. Gefolterte Falung Gong-Anhänger wurden nach eigenen Angaben bis zu 80 Stunden bei sengender Hitze in Metallboxen eingeschlossen. Insofern fand ich, dass Felix sich ganz schön anstellte, als er nach ein paar Minuten anfing, wie wild im Inneren der Kiste um sich zu schlagen und rumzuheulen. Wir hatten doch noch nicht mal richtig angefangen.
| Felix: Am Anfang dachte ich noch, alles wäre cool und machbar und entspannt, denn die ersten Minuten in der Kiste waren wie ein Trip zurück in den Uterus meiner Mutter. Nur, dass meine Mutter während der Schwangerschaft eigentlich nicht schwer gesoffen hat. Ich lag also keuchend in diesem Perpetuum mobile der Qual, während ich mir selbst die Temperatur hochatmete und mir ausrechnete, wann ich wohl ersticken würde, bis die Schmerzen einsetzten und etwas Abwechslung in die Sache brachten. Der Auftakt waren infernalische Krämpfe in den Beinen, die durch meine Versuche, meine Position auch nur geringfügig zu verändern, zu weiteren Schmerzen führten. Ich hatte nie gedacht, dass mich einmal meine Zehen alleine dazu bringen würden, vor Pein zu schreien. Doch irgendwann verlor ich schließlich das Zeitgefühl und mit ihm ging meine Körperkontrolle flöten. Meine Glieder begannen unkontrolliert zu zucken und prügelten gegen die Wände der Kiste. Im Grunde verdrosch ich mich also selbst. |
| |