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IN DEN ABGRÜNDEN DES PRISON PIT

Ein Interview, von dem Johnny Ryan unbedingt wollte, dass wir es mit ihm machen

VON NICK GAZIN


Johnny Ryan ist der Typ, dessen Bilder zahlreiche Seiten dieses Magazins durchziehen. Neben seiner Arbeit als der hauseigene zeichnende Spast bei Vice ist er ein freier Mann mit seinen eigenen Hobbys und Projekten. Er fing zunächst an Comics für ein Minicomic-Heft/Zine zu zeichnen, bevor er bei Fantagraphics mit Angry Youth Comix seinen ersten großformatigen Deal landete. Nach vielen, vielen Jahren als Klugscheißer, hat er eine ziemliche Ansammlung eigener Arbeiten zustande gebracht, darunter Portajohnny, What’re You Looking At?!, The Comic Book Holocaust und viele andere erwähnenswerte Werke, die allesamt sehr, sehr witzig sind.

Johnny hat ein neues Buch, das in Kürze bei Fantagraphics erscheinen wird und Prison Pit heißt. Das ist sein erster offizieller Comic-Roman. Er handelt von einem Typen, den es in eine Parallelwelt namens „Prison Pit“, also in eine Gefängnisgrube, verschlägt, wo es dann zu langen, ausschweifenden Kampfszenen und anderen seltsamen und schönen Dingen kommt. Es ist nicht die übliche Aneinanderreihung von Widerlichkeiten, die wir aus seiner bisherigen Arbeit kennen und er hat das Zusammenspiel von schwarzweißen Formen auf eine neue Meisterebene gehoben. Also, wir raten jedem, dem das nicht komplett am Arsch vorbeigeht: Zieht los und kauft euch Prison Pit, wenn es rauskommt. Es ist lustig, hübsch anzusehen, krass und schockierend. Es ist ein großer neuer Schritt für Johnny Ryan, der eine Belohnung verdient hat, und zwar in Form von Bargeld direkt aus eurer Taschet.

Vice: Prison Pit ist super. Es hat deinen typischen Humor („Warum riecht hier alles nach verbranntem Sperma?“), aber das Tempo ist anders und die Arbeit zeugt von einem unfehlbaren grafischen Gespür.
Johnny Ryan:
Na ja, es gibt witzige Momente, aber eher auf die Art, wie es auch im Zauberer von Oz witzige Momente gibt. Oder wenn man Wrestling kuckt. Das sind keine ausdrücklichen Komödien, aber sie können trotzdem extrem komische Momente haben. Im Großen und Ganzen versuche ich, ernsthaft an die Sache ranzugehen, oder zumindest so ernsthaft, wie jemand wie ich das kann. Ich habe das Tempo zurückgenommen. In Angry Youth Comix habe ich immer versucht, so viel wie möglich in jede Seite zu quetschen. In Prison Pit habe ich das Ganze wesentlich langsamer angehen lassen. Ich habe auch statt meines üblichen Stils mit dem dicken Pinsel einen Stift genommen. Ich wollte, dass dieses Buch wirklich anders wird, als alles was ich bisher gemacht habe.

Hat dich der filmische Erzählstil beeinflusst, den man aus diesen kitschigen Mangas kennt, die du ja angeblich so liebst?
Ja, besonders von Berserk. Die Gewalt ist so übertrieben und die Monster sind so ekelhaft. Ich möchte versuchen, etwas Ähnliches zu erreichen. Ich wurde außerdem von ein paar der neuen alternativen Comic-Künstler wie CF oder Benjamin Marra oder Kazimir Strzepek beeinflusst, die diese seltsamen Fantasy-Abenteuergeschichten machen, aber ohne jede Ironie.

Bis letzte Woche hatte ich noch nie von Benjamin Marra gehört und jetzt taucht sein Name plötzlich ständig auf. Wer ist Ben Marra?
Benjaminmarra.com.

OK. Das ist das erste Mal, dass du einen richtigen Comic-Roman machst. Bist du einfach eines Morgens aufgewacht und hast gemerkt, dass du ein homosexueller Verräter bist, oder war das etwas, das langsam über dich kam?
Das Interview ist beendet!!!

Das Interview ist nicht beendet. Das ist dein erster echter Comic-Roman. Wann hast du beschlossen, einen zu machen?
Ich hatte Lust, etwas anderes zu machen. Ich glaube, mir wird schnell langweilig.

Ich habe dasselbe Problem, dass mir immer zu schnell langweilig wird. Die Leute sagen mir: „Ich wette dir wird nie langweilig“, obwohl ich in Wirklichkeit immer kurz davor bin, mich vor Langeweile umzubringen.
Warum sollte dir denn langweilig werden? Du hast doch diesen krassen Zirkusschnurrbart, den du die ganze Nacht streicheln kannst.

Mein Zirkusschnurrbart ist noch gar nichts im Vergleich zu meinem krassen Zirkuspenis. Da wir gerade von verrückten Pimmeln sprechen—in Prison Pit gibt es eine Seite, die komplett aus einem Bild von dem Penis der Hauptperson besteht, der stachelig ist und wie eine Keule aussieht. Hast du mal dieses Buch mit Pettibon-Zeichnungen gesehen, wo man nur die Schatten der Penisse sieht? Hattest du Pettibon vor Augen, als du an dem Bild gearbeitet hast?
Die Zeichnungen habe ich nie gesehen. Ich war, glaube ich, eher von Powr Mastrs beeinflusst.

Wirst du noch viele weitere Bände von Prison Pit herausbringen? War Angry Youth Comix nur eine Aufwärmübung für dein grandioses Opus Magnum?
Mein ganzes beschissenes Leben war eine Aufwärmübung für dieses beschissene Interview.

Was willst du von mir?! Ich hab dich schon zweimal interviewt und ich wusste schon alles, was ich wissen muss, bevor ich dir auch nur die erste Frage gestellt habe.
Du kanntest zum Beispiel Marra nicht, du Depp.

Ich kenne Marra immer noch nicht, weil du mir nichts über ihn sagst. Eine Webadresse lasse ich bestimmt nicht als Antwort durchgehen!
Also, wenn dich seine Arbeit interessiert, kannst du auf seine Website gehen und sie dir ankucken. Und außerdem war in der „Illustration Issue“ letztes Jahr eine Seite von seinen Sachen abgedruckt.

Inwieweit, würdest du sagen, ist dein Buch ein Superjail!-Abklatsch?
Eigentlich fast gar nicht. Es gibt keinen Willy-Wonka-Wächter oder Transgender-Gefängniswärter. Ich habe versucht, diesen Comic sehr schlicht zu halten—ohne Ironie. Es ist ziemlich weit von allem entfernt, das ich bisher gemacht habe.

Wie geht es dir im Moment so?
Erinnerst du dich noch, was ich über das Langweilen gesagt habe?

Nee, was hast du noch mal gesagt?
Wir sprachen über deinen Zirkuspenis.

Was hat deine Hauptfigur verbrochen, um in der Gefängnisgrube zu landen?
Steuerhinterziehung.

Er erinnert mich an Lobo und Snake Plissken aus Die Klapperschlange gemischt mit einer ordentlichen Dosis Ideenklau aus Superjail!. Hat er einen Namen?
Am Anfang habe ich ihn einfach Fuckface genannt. Nachdem ich mit der Hälfte der Geschichte fertig war, fand ich so einen bekloppten Garth Ennis-Comic, Fury, wo eine der Figuren Fuckface heißt, also habe ich seinen Namen in Cannibal Fuckface geändert.

Du magst Garth Ennis nicht? Hast du mal Preacher gelesen? Das müsste doch genau auf deiner Wellenlänge liegen.
Ich habe eins der Preacher-Bücher gelesen. Es war nicht meine Wellenlänge. Seine Wellenlänge und meine Wellenlänge sind von zwei verschiedenen Planeten.

Auf Garth Ennis’ Planet würdest du richtig gefickt werden.
Ist ja der Hammer, was du alles über Planeten weißt.

Ja, ich habe auch jahrelang Planetenkunde studiert. Ich kann stundenlang über Planeten erzählen ... ich kann zum Beispiel die kompletten Dialoge aus Planet der Affen auswendig.
Großer Gott. Ich fühle mich, als wäre ich zurück an der Planetenschule. Wenn du keine Fragen für mich hast, reden wir doch einfach mal über dich. Wie viel Zeit verbringst du jeden Tag damit deinen Schnurrbart zu pflegen?








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