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INTERVIEW UND FOTOS: ZARATUSTRA VÁZQUEZ

Das Nacional Monte de Piedad wurde 1775 gegründet und befindet sich im Herzen des Finanzviertels von Mexiko-Stadt. Laut José Luis Arregín, dem Pfandleiher, funktioniert dieses aufgemotzte Leihhaus folgendermaßen: Abgebrannte Kunden verpfänden ihr Zeug und bekommen dafür die Hälfte des eigentlichen Werts bar auf die Hand. Wenn die Besitzer das geliehene Geld nicht rechtzeitig zurückzahlen, werden die Objekte verkauft und dem Besitzer wird die Hälfte der Verkaufssumme zugeschickt. Allerdings kenne ich viele Leute (die zugegebenermaßen ziemlich viel Marihuana rauchen), die behaupten, dass sie nie etwas für ihre Sachen bekommen haben.

Vice: Hallo. Hast du irgendwelche interessanten Geschichten für uns?
José Luis Arregín:
Einmal kam ein Typ, der die Asche seines Vaters brachte und sagte, dass seine Mutter gerade gestorben sei und er das Geld bräuchte. Also trug der Gutachter die Urne als „Sanduhr ohne Fuß“ ein.

Bist du schon mal beschissen worden?
Nein, denn unser Team ist darauf vorbereitet. Wir haben aber oft Kunden, die betrogen wurden. Einmal kam ein Kunde, um eine Rolex zu verpfänden—er hatte eine Rechnung dabei, laut der er 10.000 Dollar dafür bezahlt hatte. Wir sagten ihm, dass es eine Fälschung sei und er begann durchzudrehen und alle anzuschreien, aber wir konnten ihn schließlich überzeugen, dass man ihn beschissen hatte.

Hat schon einmal jemand versucht, ein Lebewesen zu verpfänden?
Vor einiger Zeit kam ein Typ mit einem Löwen vorbei.

Hat er den Löwen an einer Leine reingeführt oder brachte er nur ein Foto mit?
Er hatte ihn in seinem Bus mitgebracht. Ich glaube, dem Löwen ging es gut, aber wir wollten natürlich nichts damit zu tun haben.

Der arme Mann. Er hatte sich sicher darauf verlassen, dass ihr ihm helfen könnt.
Wir helfen ja auch! Wir haben einen Laden an der Küste und da kam einmal ein Bootsmann vorbei, mit einem Haifischkiefer, dem man Gitarrenseiten zwischen die Zähne gespannt hatte, unterm Arm. Das hatte einen tollen Klang. Er sagte, dass er große finanzielle Schwierigkeiten hätte und dass dies das Einzige von Wert sei, das er habe. Der Gutachter war gerührt und nahm es als „Harfe“ an.




INTERVIEW UND FOTOS: JUSTIN MULCAHY

Leihhäuser sind für den Briten seit jeher ein gern genutztes Mittel, um eine schwere Woche oder starke Heroinsucht zu überstehen. Sie sollen angeblich gerade einen Aufschwung erleben. Wir haben mit der stellvertretenden Direktorin von H&T Paddington Daisy Esguerra darüber gesprochen, wie es so ist, die persönlichen Besitztümer der gesellschaftlich Benachteiligten zu verticken.

Vice: Hallo. Beschreib mir doch bitte, wie eure Läden funktionieren.
Daisy Esguerra: Wir vergeben auf Schmuck Kredite, die dessen Wert entsprechen. Zum Beispiel verpfänden die Leute Sachen im Wert von 100 Euro und wir bieten acht Prozent Zinsen.

Hat die schlechte Wirtschaftslage einen Einfluss auf das Geschäft?
Es kommen tatsächlich mehr Kunden und eine größere Bandbreite an Nationalitäten. Es kommen auch viele Krankenschwestern und andere Krankenhausangestellte, und Leute, die etwas Geld brauchen, bis Zahltag ist.

Wie oft kommen Kunden mit verheulten Augen herein und sind am Boden zerstört, weil sie etwas abgeben müssen?
Die meisten neuen Kunden sind verunsichert, wenn sie ihr Eigentum hier lassen müssen. Das Verhalten ist von Kunde zu Kunde unterschiedlich. Manche Leute kommen her und sind furchtbar unglücklich, andere wiederum werden wütend. Das Beste ist, einfach zuzuhören. Die Leute kommen rein und erzählen mir ihre ganze Lebensgeschichten. Aber wenn jemand Streit sucht, ist es besser, sich nicht darauf einzulassen.

Du hast dich noch nie in Streit verwickeln lassen?
Ich versuche, es zu vermeiden. Einmal kam eine Kundin mit ihrem Sozialarbeiter her. Sie hieß Daisy und hatte, glaube ich, mentale Probleme. Ihr Gesicht war mit Lippenstift verschmiert und es stellte sich heraus, dass sie ein hartes Leben hinter sich hatte und Witwe war. Sie wollte einen Ring verpfänden und ich dachte, den würde sie nie abbekommen. Wir mussten uns mit Wasser und Seife daran zu schaffen machen und als der Ring schließlich abging, klebte an der Innenseite eine fette Hautschicht. Inzwischen ist sie eine regelmäßige Kundin und auch wenn sie etwas angeschlagen ist, hat sie eine positive Einstellung und kann sich gut ausdrücken. Man kann sich seine Kunden nicht aussuchen.


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