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DOS & DON'TS
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WILLKOMMEN IN BRASILIENRio hat mich angeschissen
TEXT: SANTIAGO FERNANDEZ-STELLEY FOTO: THIAGO DA COSTA
Nach einer Woche Arbeit im strahlend neuen Vice-Büro in São Paolo machte ich mich mit der VBS-Crew auf den Weg nach Rio de Janeiro, wo ich einen Tag mit dem berühmtesten Arsch Brasiliens verbringen sollte, der Watermelon Woman. Zufrieden, wie gut alles gelaufen war, beschlossen wir, das Ganze mit einer Sauftour durch die Stadt abzurunden. Das war super, bis ich mich um drei Uhr morgens, gehörig einen in der Krone, von den anderen in der Bar verabschiedete und mich auf den Weg zurück ins Hotel machte, um mir eine Mütze Schlaf zu holen. Auf den 100 Metern, die ich am Strand von Copacabana bis zu unserem Hotel zurücklegen musste, wurde ich von einer Horde vorpubertärer Kinder belagert, die Geld und Zigaretten von mir wollten. Wie jede Stadt, die ich in Lateinamerika besucht habe, ist auch Rio voll von diesen Kids, die hier treffender Weise als piranhitas (Babypiranhas) bezeichnet werden. Das war also nichts Ungewöhnliches und ich machte mir keinerlei Sorgen um meine Sicherheit. Außerdem hatte ich sowieso kein Geld dabei, was ich ihnen sogleich demonstrierte, indem ich meine Hosentaschen nach außen drehte. Schließlich zogen die Biester Leine und stattdessen tauchte ein etwas älterer Krimineller auf, der mich fragte, ob er nicht vielleicht meine Schuhe polieren sollte. Ich versuchte ihn loszuwerden, aber er hörte nicht auf, auf meine Füße zu zeigen und zu versuchen, mich von seinen Diensten zu überzeugen. Schließlich blieb ich stehen und erklärte ihm, dass ich Turnschuhe trage, die sich nicht zum Polieren eignen. Erst da bemerkte ich, dass mein komplettes rechtes Bein voll flüssiger menschlicher Scheiße war, die mir vom Knie bis auf den unpolierten Turnschuh tropfte. Die kleinen Monster hatten mich offensichtlich für eine ausgeklügelte, teuflische und widerliche Schuhputzabzocke präpariert. Ich sagte dem Typen, er solle sich verpissen und drehte mich um, um wegzugehen. Daraufhin zog er binnen Sekunden eine Knarre aus seinem Schuhputzkoffer und drückte sie mir von hinten gegen den Schädel. Wenigstens hatte mir schon jemand die Hosen vollgeschissen. Das war wirklich praktisch. Also fing ich wieder mit der Hosentaschennummer an. Ich bemerkte, dass zwei der Stinker von eben zurückgekommen waren, die nun versuchten, mir einen ziemlich schrottigen Goldring vom Finger zu ziehen. Der war ein Souvenir von einem Ausflug an die Grenze zwischen China und Kasachstan und lediglich von ideellem Wert. Ich nahm ihn also ab und gab ihn den Jungs. Ein paar scheißedurchtränkte Schritte weiter erreichte ich das Hotel. Ich zog eine Spur menschlicher Soße quer über den Teppich hinter mir her, ging in mein Zimmer und verbrachte die folgenden drei Stunden damit, brasilianische Straßenkinderkacke von Hose und Schuhen zu kratzen. Am nächsten Morgen um neun sollte ich den berühmten Architekten Oscar Niemeyer interviewen und meine mit Scheiße bekleckerten Jeans waren das einzig vernünftige Kleidungsstück, dass ich mitgebracht hatte. Mit Flecken kann ich leben. Aber der Gestank war weder zu überdecken noch zu ertragen. Wie ein Vollidiot musste ich den 101-jährigen Herrn Niemeyer in meiner Badehose interviewenwie ihr auf dem Bild sehen könnt. Die Rotzbengel hatten mir nicht nur meinen billigen Souvenirring genommen, sondern mich außerdem meiner Würde beraubt. Vielen Dank Brasilien!
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