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Manuela Hiromi Kondo

Vice: Aus welchem Teil von Brasilien stammst du?

Manuela:
Ich bin als Tochter einer italienisch-brasilianisch-portugiesischen Mutter und eines japanischen Vaters in Piracicaba, einer kleinen Stadt auf dem Land im Südosten von Brasilien, zur Welt gekommen. Es ist sehr bekannt für seine Zuckerrohr-Säfte. Irgendwann sind wir nach São José dos Campos gezogen.

Wie war deine Kindheit in Brasilien?

Ich hatte alles, was ein Kind zum Glück braucht. Wir lebten ein einer riesigen Chacara in Piracicaba und hatten einen großen Deutschen Schäferhund. Meine Mutter ging mit uns schwimmen und ließ uns den ganzen Tag mit den anderen auf der Straße spielen.

Warum bist du dann weg?

Ich lebte immer in richtig kleinen Städten und in jeder gab es ein kleines Grüppchen Leute, die jede Nacht in die gleichen Clubs gingen und die gleiche schlechte Musik hörten. Mir war langweilig und ich wollte was total anderes.

Was vermisst du am meisten an Brasilien?

Meine Schwester und meine Freunde! Und die Läden, in die ich nach der Arbeit was trinken ging—zum Beispiel das Xereta, eine kleine Bar, in der immer alle Prostituierten und Alkoholiker von São José abhingen. Außerdem vermisse ich das Ibirapuera, einem massiven Park, den Oscar Niemeyer entworfen hat.

Essen Brasilianer auch so komisches Zeug wie wir in Japan?

Es gibt ein echt leckeres Gericht, das Feijoada heißt. Das sind schwarze Bohnen mit Schweineteilen und zwar allen, inklusive Zunge und Ohren. Sogar ein paar Kuhstücke kommen rein.

Klingt auf jeden Fall komisch. Wie sieht’s mit Spaß aus? Stimmt das brasilianische Klischee?

In Brasilien ging ich auf diese Rave-Trance-Partys, die auf einer Farm stattfanden. Ich verkleidete mich als E.T. oder etwas anderes Skandalöses. Meine Schwester und ich gingen lieber auf diese Partys als die Bälle, wo junge Leute Standard tanzen mussten.

Und im Vergleich zu Japan?

Es gibt keine bessere Partyszene als in Brasilien. Es gibt da die besten Afterpartys mit den abgedrehtesten Leuten, die nonstop tanzen. Manche Läden verlangen extrem viel Eintritt und drinnen sind die Getränke auch nicht billiger. In Japan sind die Getränke billig, auf den meisten Partys kennst du die DJs oder Veranstalter und kriegst einen Gästelistenplatz.

Das ist natürlich praktisch!

Und sicher. Wenn du mit deinem Drink auf die Tanzfläche gehst, denkst du, dass alles perfekt ist. Die Nächte in Tokio werden immer von einem Happy End gekrönt.

INTERVIEW: TOMOKAZU KOSUGA
FOTO: GUI MARTINEZ





Natalia Leite

Vice: Warum verlässt jemand die warmen Leute und Temperaturen deines Heimatlands, für diese Stadt voller Hundescheiße und Arschlöcher?

Natalia:
Ich bin vor ungefähr sechs Jahren aus São Paulo weggegangen, um in San Francisco Film zu studieren. Dann zog ich vor zwei Jahren nach New York. In San Francisco hast du nur die Wahl zwischen Porno oder experimentellem Arthouse. Also kam nur L.A. oder New York in Frage. Ich tendiere mehr Richtung Independent-Film und mag L.A. nicht so sehr und deshalb bin ich hierher gekommen.

Arbeitest du gerade an irgendetwas Interessantem?

Ich habe gerade einen Kurzfilm, der Dash heißt, gedreht. Es geht um eine Nacht im Leben eines Pärchens und setzt sich mit den Momenten auseinander, wenn du so lange mit jemandem zusammen bist, dass du die andere Person entweder verlassen oder töten musst und du über diesem Gefühl zu stehen versuchst. Er wird im Mai in New York laufen.

Was waren die ersten Unterschiede, die dir zwischen Brasilianern und Amerikanern auffielen?

Am meisten fiel mir auf, wie unterschiedlich die Leute interagieren. In Brasilien sind die Leute viel wärmer. Wenn du jemanden begrüßt, küsst du ihn auf die Wange, auch wenn du ihn nicht kennst. Es ist total unhöflich, wenn du das nicht machst. Hier kannst du zu einem Abendessen bei jemandem gehen und keiner sagt zu dir hallo. Da musste ich mich erst mal dran gewöhnen. Ich konnte nicht einschätzen, ob die Leute einfach nur unhöflich waren.

Erzähl uns von deinem Leben in São Paulo.

Ich lebte da, bis ich 18 wurde und ging sofort nach der Highschool da weg. Ich vermisse es sehr, aber ich wollte immer hier leben und finde, New York hat so viel Großartiges zu bieten. Ich bin froh, dass ich in Brasilien aufgewachsen bin, weil du da als junger Mensch viel mehr Freiheit genießt als in Amerika. Hier kannst du ja nicht mal trinken, wenn du nicht 21 bist und es gibt ständig irgendwelche Vorschriften. Ich war froh, dass ich die Erfahrungen schon gemacht hatte. Als ich ans College kam, waren da die ganzen jungen Leute, die endlich mal frei von ihren Eltern waren und total durchdrehten und sich ständig betrinken wollten.

Wer feiert die härteren Partys, New Yorker oder Brasilianer?

Auf jeden Fall Brasilianer. Keine Party fängt vor ein Uhr morgens an und du bist die ganze Nacht lang wach. Früher haben sie in manchen Clubs Frühstück serviert und du gingst einfach da hin, egal auf welcher Droge du warst. Die Leute da können ewig weiterfeiern.

INTERVIEW: ROCCO CASTORO
FOTO: LESLIE SATTERFIELD


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