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Amanda Rosa Vice: Woher kommst du? Amanda: Ich komme aus einer total kleinen Stadt, die Gravataí heißt. Das ist in der Nähe von Porto Alegre, was ein echt schönes Fleckchen ist. Die Leute da haben alle ein sehr starkes politisches Bewusstsein. Es ist ein Teil von Brasilien, der nicht aussieht wie der Rest des Landes mit seinem Kolonialstil. Wovon lebst du? Ich bin Model. Ich habe mal fürs Fernsehen gearbeitet, aber das war einmal. Jetzt widme ich den Großteil meiner Zeit meiner Model-Agentur. Wie landet ein scharfes kleines Stück wie du in Mexiko? Zufall. Ich wollte eine Beziehung beenden aber wusste, dass es nicht so leicht sein würde, wie einfach nur zu sagen: „Du siehst scheiße aus, tschüss.“ Es waren die typischen Probleme: Wir teilten ein Auto, ein Konto, unsere Freunde und ich fühlte mich erdrückt. Also bat ich meine Agentur, mich so weit wie möglich wegzuschicken. Und wie läuft es so? Bist du hier glücklicher? Ich finde es großartig, dass ich mit einem Bus zu einer Pyramide fahren kanndas ist unglaublich. Ich habe vor, länger hier zu bleiben. Ist es eine Dritte-Welt-Stadt mit permanentem Stau? Vielleicht, aber es ist nichts im Vergleich zu São Paulo. Magst du den aktuellen Präsidenten, Luiz Inácio Lula da Silva? Eine Menge Leute hält ihn für ein Arschloch erster Klasse. Ich hasse ihn. Er hatte diese ganze „Helft den Armen“-Kampagne und im Endeffekt ist nichts passiert. Er konnte sich nicht gegen die Kongressleute und Senatoren durchsetzen, die verantwortlich waren. Lula hat nur aufgrund dieser Riesenkampagne gewonnen, die von irgendwelchen Schattenmännern finanziert wurde und ihn als „Mann des Volkes“ darstellte. So nach dem Motto: „Wählt mich, weil ich beim Arbeiten in einer Fabrik einen Finger verloren habe und es nur bis zur vierten Klasse gebracht hab.“ Er spricht nicht mal Englisch. Das ist total absurder ist ein echt beschränkter Mann. Bist du nicht ein bisschen streng mit ihm? Lass es mich so sagen: Ich hatte mal eine Mitbewohnerin, die schwanger war und sich entschloss, Brasilien zu verlassen und nach Mexiko zu gehen. Sie sagte, und das ist ein Zitat: „Ich will meinen Sohn nicht hier aufziehen. In Mexiko habe ich nicht dieses schreckliche Gefühl.“ Welches? Diese Angst vor allem. Einmal, als ich zu Besuch in Brasilien war, habe ich von einem Jungen gehört, der erschossen wurde, als er in einem Café etwas trinken war. Es ging so schnell, dass seine Freunde erst eine Stunde später merkten, dass er tot war. Von Januar bis jetzt gab es ungefähr 50 Schusswaffenopfer. Ein paar von meinen Freunden haben durch die permanenten Schießereien Einschusslöcher in ihren Häusern. INTERVIEW UND FOTOS: ZARATUSTRA VÁZQUEZ
Soraia Cristina da Costa Tynnauer Vice: Ist Brasilien wirklich voller junger, hübscher Menschen, die halbnackt herumlaufen und die ganze Zeit Sex haben? Soraia: Ja, aber das ist eher im Norden der Fall. In Österreich scheint die Sonne zwei Monate und in Brasilien acht, klar liegt da einfach mehr Sexuelles in der Luft. Und im Rest von Brasilien? Wenn du nach São Paulo gehst, wirst du keine Leute in Bikinis herumlaufen sehen, aber die Mädchen tragen die ganze Zeit Hackenschuhe und kurze Röcke. Du siehst Mädchen die abartig fett sind und in einem total kurzen Top und Minirock herumlaufen und denkst dir einfach nur: „Komm schon! Kuck mal in den Spiegel!“ Das ist aber nicht das Bild, das die Leute im Kopf haben. . Kann sie nicht einfach sexy sein, so wie sie ist? Es findet sich immer ein Typ, der so eine haben will. Es ist auf jeden Fall einfacher in Brasilien einen One-Night-Stand zu haben als hier. Vermisst du es, halbnackt in der Gegend herumzustolpern? Ja, auf jeden Fall. Wenn es warm wird, fange ich an, ohne Oberteilnur in Bikini und Shortsdurch Wien zu laufen. Die Leute starren dich an, wenn du so herumläufst. In Brasilien sind wir alle nackt und treiben es miteinander, obwohl es ein echt religiöses Land ist. Nervt dich dieser brasilianische Sex-Mythos? Eigentlich nicht, aber das kommt auf die Situation an. Ich war letzte Woche beim Arzt und er hat mich gebeten, mich auszuziehen. Er hat meinen Arsch angefasst und gefragt, wo ich herkomme, und dann meinte er: „Ohhhh, aus Brasilien“, während er meinen Arsch streichelte. Manchmal nervt es, aber in der Regel nehme ich es als Kompliment. Was war dein erster Eindruck von Wien? Es war wie eine Geisterstadt. Total still, grau und die Bäume ohne Blätter. Aber es war gleichzeitig total beeindruckend. Und die Wiener? Die wollen echt nicht mit einem sprechen! Einmal wollten wir eine alte Frau auf Straße etwas fragen und sie lief weg. Womit hattest du am Anfang die größten Schwierigkeiten? Die Leute bitten mich oft, nicht so laut zu sprechen. Außerdem musste ich lernen, pünktlich zu sein. Und erst das Wetter! Ich habe immer eine Winterdepression, wenn ich hier bin. Ich verstehe, warum die Leute hier so frustriert sind. Was können Österreicher von Brasilianern lernen? Entspannter zu sein und sich über das zu freuen, was sie haben. Die Leute hier haben zu viel. Das Sozialsystem ist toll, aber dadurch werden die Leute auch faul. Und andersrum? Andere Leute und ihre Sachen zu respektieren. Und was echte Freundschaft bedeutet. In Brasilien kannst du einem Freund nie vertrauen. Niemals. INTERVIEW: KEMI SUSANNE FATOBA FOTO: DAVID TYNNAUER
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