NEWSLETTER



DOS & DON'TS

This either belongs to a Young Adult author whose work combines ghost stories with military technothrillers or a rich, Mediterranean manchild whose DNA combines four or five Y chromosomes with the gene for being really stupid. Comments/Enlarge | See all


Oh, now look what you’ve gone and done. You’ve made me put you in the DOs for pissing up against a dumpster like a little stray cat. You’re in biiiiig trouble, young lady. Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

GO TIGERS! - PART 3
Tamilinnen sind die härtesten Mädchen der...
HEADBANGING BEI DEN ABORIGINES
Wadeye ist das größte Metal-Mekka auf der...
RENNIE ELLIS: 1940–2003 - PART 2
Rennies komplettes Werk, darunter viele z...
VOMIT
Fotos Mit Freundlicher Genehmigung von La...





FORTSCHRITTSVERWEIGERUNG 2.0

Teenage Panzerkorps (Der TPK) arbeiten konzeptlos aus Prinzip

Illustration: Daniel Graf

Der TPK sind der Beweis dafür, dass die Kulturgeschichte der letzten fünfzig Jahre dazu führte, dass das künstlerische Konzept einer Band völlig überbewertet wird. Zwei der Typen leben in Deutschland, die anderen beiden in den USA. Durch Glenn Donaldson, der hier als Edmund Xavier auftritt, gibt es eine lose Assoziation zum Jewelled Antler Collective, prinzipiell sind sie aber völlig ungebunden. Wenn sie sich alle vier, aus welchen Gründen auch immer, am gleichen Ort befinden, helfen sie sich ein paar weiche Drogen ein, drücken den Aufnahmeknopf, improvisieren ein paar Lieder und veröffentlichen das Ergebnis auf selbstgestalteten Tonträgern. Sie streicheln damit die tiefsitzenden Analyse-Instinkte ihrer Gemeinde, die darüber debattiert, ob es sich bei diesen Drone-geschwängerten Früh-Post-Punk-Imitaten um The Fall-Referenzen, eine Aufarbeitung der frühen Factory-Jahre oder den Versuch handelt, sich in die noch nicht bearbeitete Nische zwischen Cabaret Voltaire und Savage Republic zu setzen. Sie gehen nicht auf Tour, proben nicht, verschleiern ihre Identität mit Pseudonymen, existieren als Entität eigentlich nur im virtuellen Raum und geben im Großen und Ganzen einen Scheiß. Glücklicherweise sind sie Freunde der Online-Kommunikation, denn ansonsten wäre der Artikel hier schon zu Ende.

Vice: Da die Informationsdichte über euch nicht gerade hoch ist, erzählt doch mal kurz die bisherige Geschichte der Band.

Edmund Xavier (Gitarre, Elektronik):
Es be­gann mit ein paar improvisierten Punksongs, die wir 2001 in meinem Keller in San Francisco auf Tape aufnahmen. Bunker Wolf, unser Sänger, kam aus Aachen nach San Francisco und trieb sich auf Punkrock-Shows rum.

Boy True (Bass): Die Idee zu dem Namen bekam ich, als ich eines Tages an ein paar Grafiken arbeitete und so vor mich hin kritzelte. Einen Monat später hörten wir uns das Demo von Bunks alter Band, The BJs, an und seine Stimme passte total zu unserem Sound. Also haben wir einfach ein paar Songs aufgenommen, als er das nächste Mal bei uns in Kalifornien war.

Edmund Xavier: Boy True zog vor fünf Jahren nach Berlin und seitdem machen wir einfach Musik, wenn die beiden hier alle paar Jahre Urlaub machen. Wir trinken und rauchen viel und versuchen, so was wie Songwriting möglichst zu vermeiden.

Bunker Wolf (Vocals): Xavier und Boy True hatten vorher bereits zusammen Musik aufgenommen und veröffentlicht, suchten aber für etwas besonders Abgefahrenes noch einen Shouter und da ich vor Ort war, über ein wenig Gesangserfahrung verfügte und anscheinend in das von Boy und Xavier anvisierte Image der Band passte, war ich engagiert. Ein paar Tage später trafen wir uns dann zusammen mit Catholic Pat (Drums) in Xaviers Homestudio und spielten innerhalb von wenigen Stunden unsere erste Aufnahme ein, die Gleich heilt gleich-CD, die Jahre später auszugsweise als 7" wiederveröffentlicht wurde.

Zwei Jahre später wiederholten wir das Ganze und heraus kam die Nations are insane-CD. Im Frühjahr 2005 dann das gleiche Spiel noch mal in Oakland in Kalifornien und fertig war die Harmful Emotions-LP. Die Aufnahmen haben übrigens insgesamt drei Stunden gedauert. Dann kam noch die Games for Slaves-LP, die die anderen Jungs aber ohne mich 2007 in San Francisco aufgenommen haben—ich habe meine Vocals später separat in Berlin aufgenommen. Das ist die ganze Geschichte.

Wie versteht ihr euch selbst als Band in einer Zeit, in der das logischste Selbstverständnis einer Band ist, auf Tour zu gehen?

Xavier:
Ich bin mir nicht sicher, ob wir überhaupt eine Band sind.

True: Wir sind eine Fake-Band und werden möglicherweise niemals auf Tour gehen. Meiner Meinung nach reicht es, gute Cover-Artworks und ordentliche Songtitel zu haben.

Bunker: Das ist ganz einfach. Wir sind der Ansicht, dass sich eine Band nicht ausschließlich über Plattenverkäufe oder Endlos-Touren definieren sollte. Wir wollen zeigen, dass es fernab von dieser ganzen Mainstream-Scheiße, die sogar mittlerweile die Punk-Szene unterwandern konnte, ein wirklicher musikalischer Untergrund existiert, der auch ohne teuerstes technisches Equipment und ewige Studio­aufenthalte gute und vor allem unabhängige Musik produzieren kann.

Das bedeutet, dass diese quasi-Band nicht viel Zeit beansprucht. Was macht ihr ansonsten?

True:
Ich zeichne viel, hänge mit meinem Sohn rum. Dann mache ich noch solo Musik.

Xavier: Wir haben Jobs, damit wir in der Freizeit Musik machen können, keine große Sache.

Bunker: Ich wohne in Aachen und singe außerdem noch in einer „traditionellen“ old school Punkband, den Nazi Dogs. Ansonsten lebe ich einfach ein intensives, wie man so schön sagt: unkonventionelles Leben, außerhalb dessen, was von der Allgemeinheit als „normal“ oder „erstrebenswert“ erachtet wird.

Wenn Proben und eine klassische Bandkultur wegfallen, wie bleibt ihr in Verbindung?

True:
Wir schreiben uns E-Mails. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir in irgendeiner Weise an der Band arbeiten würden. Wir arbeiten in dem Moment an den Songs, in dem wir auf ‚Record‘ drücken.

Bunker: Viele Ideen sind in unseren Köpfen bereits vorhanden, ob bewusst oder unbewusst. Wenn wir uns treffen, werden sie einfach nur noch dokumentiert. Bei mir selber ist es so, dass ich mit ein paar Textfragmenten im Kopf in die Aufnahme-Session gehe, dass der Großteil der Texte dann aber dort aus dem Unterbewusstsein kommt.

Xavier: Punk oder Postpunk zu spielen, ist für uns so ähnlich, wie für andere den Blues zu spielen. Wir sind damit aufgewachsen, das ist alles ziemlich intuitiv. Ich gebe mir allerdings schon Mühe, später unsere Tapes zu bearbeiten, Spuren hinzuzufügen, den Mix zu verbessern. Aber offensichtlich klingt es am Ende trotzdem noch beschissen.

Fühlt ihr euch dieser Postpunk-Tradition denn stilistisch tatsächlich verpflichtet?

True:
Ich bin mir gar nicht so sicher, was diese Postpunk-Sache angeht. Ich finde, wir klingen eher wie The Woundz oder Ribzy oder andere alte San Francisco-Bands. Letztendlich klingen wir wie ein Haufen Typen, die versuchen, miteinander mitzuhalten, während die Aufnahme läuft.

Ihr kultiviert offensichtlich einen archaischen Sound. Hängt das auch damit zusammen, dass ihr moderner Aufnahmetechnologie eher skeptisch gegenübersteht?

Bunker:
Schwierige Frage. Ich denke, man sollte verfügbare Technologien zur Opti­mierung seines Sounds nutzen, allerdings nicht um jeden Preis. Es kommt schließlich nicht darauf an, einen möglichst glatten, massenkompatiblen Sound zu erzeugen. Wenn allerdings technische Mittel zur Verfügung stehen, um die von uns gewünschte Soundästhetik zu erreichen, dann nutzen wir die natürlich auch.

Xavier: Die Rohfassungen der Songs werden auf Vierspur-Kassette aufgenommen, aber wir bearbeiten die Ergebnisse mit einem Rechner. Ich stehe schon auf digitales Recording und abgehobenes Studioequipment. Ich würde das auch sofort benutzen, wenn ich es mir leisten könnte. Ich selber benutze hauptsächlich kostenlose Software.

True: Bei mir ist es so, dass ich mit zunehmendem Alter Aufnahmestudios immer mehr verabscheue. Das hat aber nichts mit Techno­logie an sich zu tun, eher mit der Umgebung eines Studios. Ich mag den Sound von Kassetten, deswegen nehmen wir auf dem Medium auf. Und auch wenn wir die Songs später digital bearbeiten, würde ich nie auf die Idee kommen, einen Rechner für die Artworks zu verwenden. Obwohl so ein Farbkopierer wohl schon mit irgendeinem Prozessor arbeitet, oder? Naja, wen interessiert’s ...

Bunker, was sind die Anregungen für deine Texte?

Bunker:
Wie gesagt, vieles passiert unterbewusst oder spontan. Es ist eine Mischung aus unterdrückten Erinnerungen, Reflexionen des Alltags und tief sitzenden Gefühlen. Ich sehe mich in gewisser Weise in der Tradition der Dadaisten, verstehe mich aber natürlich auch als Teil der ursprünglichen Punk-Bewegung, mit all ihren Widersprüchen und radikalen Aussagen. Es geht allerdings nicht um Slogans oder irgendwelche Manifeste, die Texte sind schon subtiler als klassische Punk-Lyrics. Ich habe auf der neuen LP u.a. auch zwei Texte von Friedrich Nietzsche vertont, es handelt sich dabei um Gedichte, die ich seit Langem wegen ihrer Radikalität und Zeitlosigkeit bewundere.

Zwei wiederkehrende Motive auf dem aktuellen Album sind ‚Unterdrückung‘ und ‚Langeweile‘. Letztendlich auch sehr Punk- und Postpunk-typische Themen. Was würdet ihr sagen, wurden die Formen von Langeweile und Unterdrückung in den letzten Jahrzehnten sublimiert oder nur noch offensichtlicher?

True:
Die Leute unterdrücken sich doch alle selbst. Daran wird sich nie etwas ändern.

Xavier: Ich finde, diese Frage ist unterdrückend und langweilig.

Bunker: Ich würde sagen, die Dynamik der Unterdrückung, auf die du in deiner Frage anspielst, ist im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte verfeinert worden. Den Menschen wird über die Medien ein Lebensideal suggeriert, das in seiner letzten Konsequenz das genuin Menschliche abtötet und das vor allem zu Abstumpfung und Rationalisierung führt. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine Frage der Perspektive. Wenn du dich für diese Problematik interessierst und nach den Zusammenhängen suchst, dann werden sie auch offensichtlich.

Ein anderes Thema scheint Selbstbestimmung zu sein. Ihr sprecht auf der Platte von einem „Gegenmittel“. Also einer Alternative zur Realität. Was genau ist damit gemeint?

True:
Keep your dreams burnin’!

Bunker: Das Gegenmittel gegen den Wahnsinn der Realität ist das bedingungslose und vollständige Ausleben der eigenen Individualität.

Hat jemand von euch schon mal einen Panzer gesteuert oder in der Armee gedient?

True:
Nein, noch nie. Aber mein Nachbar fuhr in einem Panther gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Der alte Junge hat ordentlich Granatsplitter abbekommen. Er sagte einmal zu mir: Sollten sie jemals versuchen, dich einzuziehen, dreh dich um 180 Grad und lauf so schnell, wie du kannst.

Bunker: Kein Kommentar.

Xavier: Ich bevorzuge es zu laufen oder den Bus zu nehmen. Scheiß auf die Armee!

AR
Teenage Panzerkorps LP Games for Slaves ist bei Siltbreeze erschienen.
www.myspace.com/teenagepanzerkorpsrules



< Seite Zurück

COMMENTS