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DOS & DON'TS
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KOOS VAN DEN AKKERINTERVIEW: MEREDITH CRAIG DE PIETRO FOTOS: CHRIS SHONTING STYLING: Annette Lamothe-Ramos, FOTO-ASSISTENZ: Matt McGinley, MAKE-UP: Emi Kaneko, HAARE: Brandy McDonald, MODELS: Katrina, Rouza, Melissa at Elite; Bettine at Muse
Wenn jemand rüberkommt und uns den Namen „Bill Cosby“ ins Ohr flüstert, fällt uns als Erstes das ein: Pullover mit extrem verwirrenden, grafischen Mustern. Cosby ist vor allem erst mal der Mann mit den Pullovern, und wenn du das anders siehst, kannst du einfach nicht richtig kucken. Es ist nicht ganz leicht, zu einem Konsens zu gelangen, ob Cosbys Pullover nun scheußlich, attraktiv oder das Produkt visionärer mutierter Aliens mit Stricknadeln als Finger und einer Nähmaschine als Kopf sind. Eins ist sicher: Wer auch immer diese Teile designt hat, ist ein Genie.
Zweieinhalb Jahrzehnte später rennt die ganze Welt in superengen Jeans, Henry Kissinger-Brillen und pinkfarbenen Gürteltaschen rum und durchforstet Second-Hand-Läden nach den abscheulichsten Pullovern, die man irgend finden kann. Aber die lange und facettenreiche Geschichte des originalen „hässlichen Pullovers“ kennt keiner. Außer uns, denn Koos ist unser neuer bester Freund. Vice: Wie kam es denn dazu, dass Cosby einer deiner Pullover ins Auge fiel? Koos: Ich hatte eine Kundin, die mit Bill Cosby befreundet war und eines Tages kam sie zu mir und sagte: „Ich brauche ein Geschenk für Bill. Könntest du ihm einen Pullover machen?“ Ich sagte, dass es mir ein Vergnügen wäre. Also hab ich ihm einen gemacht, und sie hat ihn mit auf das Set in Brooklyn genommen. Er mochte ihn sehr. Und zu diesem Zeitpunkt warst du schon seit Jahren als Designer unterwegs. Du hattest eine Lehre bei Dior gemacht und ein Geschäft in New York aufgebaut. Der Cosby-Pullover kam tatsächlich erst recht spät in meiner Karriere. Es war alles ganz nett, aber niemand wusste, dass es ein Koos war. Es war einfach ein Pullover. Es gehörte zum Programm. Und ich habe ihm auch nie so viel Beachtung geschenkt, oder gedacht, dass das meine Karriere beschleunigen würde. Und jetzt machen auf einmal alle auf Koos. Neulich kuckte ich in die Vogue und die war voll damit! Diese ganzen Sachen, die ich seit Jahren mache. Es wird jetzt alles akzeptiert. Aber ich habe nie besonders versucht, der Presse zu gefallen. Die Presse hat dich ignoriert? Na ja, es gab da nicht plötzlich Interviews, bei denen man mich gefragt hatte: „Und wie ist das mit den Cosby-Pullovern?“ Das passierte erst viel später. Schau dir all die Designer an, die du beeinflusst hast. Das muss doch irgendwie beruhigend sein. Oh, ich bin begeistert! Absolut begeistert! Vor Kurzem war auf dem Cover von Women’s Wear Daily ein Kleid mit all diesen bedruckten Schleifen drauf. Ich wusste, dass das Original davon von mir war. Deine Popularität scheint tatsächlich zyklisch anzuschwellen. Das erste Mal, dass das passierte, war vor ca. vier Jahren, als Nicolas Ghesquière von Balenciaga in der New York Times sagte, dass er von Koos inspiriert wäre. Das hab ich gelesen! Er wusste überhaupt nicht, wer ich warob ich tot oder lebendig war, Frau oder Mann. Er hatte meine Sachen in einer Garage in L.A. in ein paar für den Flohmarkt bestimmten Tüten gefunden. Waren seine Sachen schmeichelhaft? Er hat meine Arbeit auf die entzückendste und wundervollste Art interpretiert und ich fand die Sachen einfach toll. Sind dir deine Fans treu geblieben? Die Leute gehen mit ihren Pullover ausgesprochen fürsorglich um. Wir restaurieren Sachen, die 30, 40 Jahre alt sind. Wenn eine Frau dicker geworden ist, und dies und das. Normalerweise setzt man einen Flicken drauf, aber das hier sind Museumsstücke. Ist das, was du machst, Couture? Nein! Es ist nicht Couture. Couture ist, wenn man stundenlang an den Leuten rumbastelt. Couture ist, wenn man die Maße von jemandem nimmt, und er oder sie vor dem Spiegel steht. Dafür fehlt mir die Geduld. Es ist auf eine andere Art Couture. Was einen Koos ausmacht, ist das, was auf der Oberfläche passiert. Das klingt, als hättest du ziemliche Vorbehalte gegen Couture. Wisst ihr, wenn ich heute diese Sachen sehe, in den Ländern, mit denen wir im Krieg sind, wo die Leute in Djellabas herumlaufen, denk ich nur: Fuck! Das ist einfach das Tollste, was man tragen kann. Keiner braucht diesen ganzen zurechtgesteckten Scheiß, den wir hier verkaufen. Einfach ein großes, schönes Hemd. Trotzdem scheinen dir einzigartige Kleidungsstücke wichtig zu sein. Aber natürlich! Pullover waren in den 80er-Jahren sehr viel beliebter, als sie es heute sind. Damals kostete ein Pullover 600 Dollar. Wie viele hast du über die Jahre für ihn zusammengenäht? Es müssen an die zwei Dutzend gewesen sein. Ich habe keine Ahnung. Es waren genug, um einen wichtigen Teil der Show auszumachen. Auf jeden Fall! Wann denkst du, wurde der „Cosby Sweater“ daraus? Als das Programm so ungefähr zwei Jahre lief, wurde bekannt, dass Koos Cosbys Pullover macht. Danach muss das Geschäft sicher ordentlich angezogen haben. Wie hast du das alles geschafft? Ich habe Zwölfstundentage. Ich fange um sechs Uhr morgens an und bleibe bis sechs Uhr abends hier. Das ist nicht schlecht für jemanden, dessen Altersgenossen alle schon in Rente sind. Du bist jeden Tag hier und arbeitest mit den jungen Leuten an den Designs? Ich arbeite immerzu mit jungen Leuten. Ich hasse Leute in meinem Alter. Mit denen habe ich nichts gemeinsam. Glaub mir, ich kämpfe genauso hart um meinen Platz wie ihr. Das hält einen jung und bei Laune. Und eines Tages werde ich dann hoffentlich tot umfallen. Das wäre schön. Sag doch so was nicht! Ich hab schon alles gemacht. Ich brauch nicht mehr viel Zeit. Gibt es irgendwas, worauf du besonders stolz bist? Ich finde die Tatsache an sich toll, dass ich immer noch hier bin. Die Tatsache, dass ich es hier zu Erfolg gebracht habe, ist echt fantastisch für einen kleinen Typen aus Holland. Als ich bei Dior war, hab ich mir zum Beispiel den Arsch abgearbeitet, und die Leute haben mich trotzdem als Hinterwäldler angesehen: „Du bist aus Holland! Du hast keine Ahnung!“ Aber immerhin, eine Lehrstelle bei Dior ... Na ja, ich habe immer meine Probleme mit Frauen. Nachts machte ich zusätzlich Sachen für meine Kunden, um Geld zu verdienen. Ich musste meine Miete bezahlen, denn ich hatte keinen, der mir von zu Hause Geld schickte. Also hatten mich die Frauen dort auf dem Kieker. Damit fing unser gegenseitiger Hass an. Ich bin ein misshandelter Mann. Aber sieh nur, was du alles geschafft hasttrotz dieser alten Ziegen! Ich habe ein reiches Leben. Ich habe um mich herum eine Welt geschaffen, mit der ich sehr glücklich bin. Ich hoffe, dass sie mich vermissen, wenn ich sterbe. Also bereust du nichts und bist auch keinem mehr böse? Natürlich gibt es Momente der Bitterkeit. Manchmal denke ich: „Fuck! Ich stecke in einem Hinterzimmer auf der 35. Straße! Was zum Teufel? Ich bin 70 Jahre alt und ich hab kein Geld.“ Aber ich habe meine Gesundheit und ich habe tolle Erinnerungen. Das ist die Hauptsache. Meinst du, dass du je in Rente gehen wirst? Nein! Natürlich nicht, Dummerchen! Die Rente ist die Hölle. Keine Chance! Aber ich hab es leicht. Ich stehe hier rum und rühre keinen Finger. Wenn ich morgen plötzlich mitten am Tag ins Kino gehen will, tue ich es einfach. Wenn ich nach San Fransisco fahre, nehme ich mir zwei Monate frei. Ich kann machen, was ich will. Es ist einfach so, dass ich gerne hier bin und arbeite.
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