NEWSLETTER



DOS & DON'TS

If I’d spent $10 billion on a jacket and $6 squillion on my face I’d expect to not look like Kaa from The Jungle Book in a tranny wig. Comments/Enlarge | See all


If long black trench coats were the sartorial warning sign for Columbine, what the fuck does a black-magic wizard-bunny getup portend? Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

FÜHLE DIE DUNKELHEIT - PART 2
Leben und Atmen im dreckigen Odessa
RECORDS
MENACE RUINE
Cult of Ruins
DANIEL RICHTER
The Blues
MITTELALTERLICHER SCHLEIM
Zwei Wochen Ekel





REVIEWS



PERFECT AS CATS

THE BISHOPS



16

FILIPPO MOSCATELLO






SOULJA BOY TELL ’EM
iSouljaBoyTellEm
Interscope
Hey, „Blogosphäre“, warum hasst ihr eigentlich Soulja Boy so sehr? Vielleicht, weil seine Texte so viel Sinn machen wie ein Das EFX-Cover von Beck? Vielleicht weil seine Beats klingen, als wären sie aus Fruit Loops? Muss er statt eines anspruchsvollen Konzeptalbums lieber ein paar beknackte Dance-Moves hinlegen, um das nächste große Ding nach „Achy Breaky Heart“ zu werden? Seid nicht so bitter, seid besser.

YAMAHA MAMA





WILEY
See Clear Now
Asylum
Das eigentlich Lustige an diesem Album ist, dass Wiley vor der Veröffentlichung im Forum des RWD Magazins lang und breit erklärte, warum es so schlecht geworden ist. Als ob wir ein Meisterwerk erwartet hätten. So talentiert er sein mag, Wiley ist nicht in der Lage, ein kohärentes Album zusammenzustellen. Einige Produktionen klingen wie ein Abklatsch von S Clubs Comeback-LP („See Clear Now“) und seine Texte schwanken zwischen Albernheit („So now they got neighbourhood watch/And my Rolex is a neighbourhood watch“) und Schwachsinn (er beschreibt sich, Lil Wayne und Jay-Z als „Märtyrer“). Trotzdem, der Typ ist der Alex „Hurricane“ Higgins des Grime. Vielleicht wird er am Ende pleite und verzweifelt sein, aber er ist und bleibt der Größte.

PRANCEHALL


THE WHITEST BOY ALIVE
Rules
Bubbles/Groove Attack
Ich habe bis heute nicht herausgefunden, wozu diese Musik gemacht ist, außer vielleicht für das Lockerungsyoga von avancierten Prenzlauer Berg-Ökoyuppies, die sich gerade Namen wie Eugen oder Kiara für ihren dritten Wurf ausdenken. Ist diese Mixtur aus Gutmenschen- und Muckertum, Weichspüler sowie Bacharach/Manilow-Gedenkübungen so erfolgreich, weil sie ein mehrheitsfähiges Weltfluchtgehege entwirft? Mir wird bei so viel ungetrübter Glückseligkeit immer schon nach zwei Liedern schlecht.

HOWMANILOWCANYOUGO?


V.A.
Strike 100
Shitkatapult
Über die Exklusivität der Situation, die hundertste Veröffentlichung zu feiern, ist man sich im Hause Shitkatapult natürlich bewusst. Heutzutage ist ja meistens schon die sechste Veröffentlichung eines Labels die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dem Anlass entsprechend hat sich Shitkatapult auch extra viel Mühe gegeben und extra viel unveröffentlichtes Material auf die extra schön verpackten zwei CDs verteilt.

STREIKBRECHER


JESSE ROSE
What Do You Do If You Don’t?
Dubsided
Tja, und what do you do if you do? Was, wenn ein Album so eingängig ist, dass man auf der Stelle durch die Straßen hüpfen und alten Omas in den Arsch kneifen will, nur um das Entsetzen in ihren Augen zu sehen? Sicher eine gute Sache.

ARLENE FRANCIS


MONGREL
Better than Heavy
PIAS

BEN KLOCK
One
Ostgut Ton
Mitunter erliegt man der Vorstellung, das Berghain diene einzig und allein als aufwendig eingerichteter Umschlagplatz für Drogen und Geschlechtskrankheiten. Ben Klocks Debütalbum erinnert uns daran, dass dort auch Musik gespielt wird, um die uns die ganze Welt beneidet. Das fühlt sich auf jeden Fall besser an, als ständig von der ganzen Welt ausgelacht zu werden. Es gibt generell nicht viel, das sich besser anfühlt als dieser Maschinensoul, der auf der Suche nach all-transzendierender Liebe durch einen Kondenswasser-feuchten, unbeleuchteten Bunker irrt.

HOUSE WOWEREIT


TUSSLE
Cream Cuts
Smalltown Supersound
Falls ihr das zu Hause ausprobieren wollt: Die Krautrockreste aus dem elterlichen Giftschrank mit viel Bass und Dub Grooves aufgießen, 2 cl Postpunk mit Crushed Ice zugeben, dann Alexis Taylor halbieren, die saftigere Hälfte auspressen, alles in den Shaker geben, schütteln, abfüllen, noch körperwarm servieren. Kein großes Kunstwerk, aber knallt schön.

BRIAN FLANAGAN


FILIPPO MOSCATELLO
Pagliaccio
Mood Music
Was lässt sich zu Pantomimen sagen? Ehrlich gesagt, ich verstehe überhaupt nicht, wieso die Idee, sein Gesicht mit Mehl zu bepulvern, sich einen Hut aufzusetzen und dann in der Öffentlichkeit so zu tun, als wäre man auf einem Sockel festgewachsen, auch nur die geringste Beachtung, geschweige denn Applaus verdient. Vergiss den heulenden Wichser auf dem Cover, die Platte ist ziemlich cool.

MARTIN GABEL

Sozialkritik in einem Song ist ja an sich keine schlechte Sache. Schon immer haben Musiker in subtiler Weise zeitgenössische Probleme adressiert, aber wenn irgend so ein Ghettorap-Typ daherkommt und meint, mal ganz unverblümt die Namen aller Parlamentsmitglieder aufzuzählen, dann kollabiert das Ganze irgendwie unter dem Gewicht seiner eigenen Albernheit.

TONY RANDALL





ACTION BEAT
The Noise Band from Bletchley
Truth Cult/Southern
Wozu braucht man eigentlich Musikakademien, Musikwissenschaft und Konzerthäuser, wenn ein loser Haufen spärlich bekleideter Wahnsinniger mit ein paar altersschwachen Instrumenten in der Lage ist, ohne große Proben und Absprachen ein leidenschaftliches, universelles und körperliches Spektakel wie dieses zu veranstalten? Und jetzt komm’ mir nicht mit Äpfeln und Birnen oder irgend so ’nem Scheiß ...

X FÜR EIN E


16
Bridges to Burn
Relapse/Rough Trade

MEDUSA
En Raga Sül
Monotonstudio/
Hawthorne Street
Für all die da draußen, denen Racebannon in letzter Zeit etwas zu sehr abgehoben sind mit ihren Drei-Sekunden-Tracks, ihren metaphysischen Amokläufen, tritt deren Nebenbeschäftigung Medusa ein paar Schritte zurück in Richtung Gotteslästerung, Black Sabbath aus der Entombed-Perspektive und „Today Is The Day durch den Schlamm gezogen“. Eine Ode an die niederen Instinkte, wie man sie seit Carnivore und Boris Beckers geheimen Tagebüchern selten gehört hat.

PEGASOSSI

Man hat mir gesagt, ich würde dieses Album lieben, wenn ich Helmet, Unsane, die Melvins und Eyehategod mag. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall. Gerade weil ich die genannten Bands sehr schätze, kommen mir diese Kollegen wie ein uninspirierter Abklatsch vor. Darüber sollten sich die ganzen Promofritzen mal Gedanken machen. Nur weil ich Eyehategod mag, mag ich noch lange keine Band, die krampfhaft versucht, so zu klingen wie Eyehategod aber dann auf halber Strecke den Schwanz einzieht. Vielleicht sollte man diese Platte eher jenen Leuten mal empfehlen, die denken „Sludge“ sei eine neue Eissorte von Ben&Jerrys.

CHIP MUNK





V.A.
Perfect as Cats: A Tribute to The Cure
Manimal/Cargo
Gibt es irgendetwas, das die Welt weniger braucht als ein weiteres The Cure-Tribute-Album? Eine Fußpilzepidemie vielleicht. Überraschenderweise ist dieser Katalog von Coverstücken aber der einzige, der gleichzeitig ausgesprochen respektvoll und vorbehaltlos mit den Quelltexten umgeht. So dass dir alle paar Minuten der gleiche Wonneschauer über den Rücken läuft, den du noch von damals kennst, als du deiner großen Schwester die Pornography und Disintegration-Alben klautest, nachdem sie mit ihrer Gruftiphase fertig war und begann, mit diesem Trottel von den Stadtwerken auszugehen.

DIAMONDS ARE FOREVER


TOBOGGAN
E Brutal
Sinnbus
Es wird ja oft behauptet, dass eine matriarchalisch dominierte Welt weniger Kriege, Ungerechtigkeit und Smog bedeuten würde. Wir werden wohl nie herausfinden, ob das stimmt. Auf kleinerer Ebene haben bereits die Ladys von Sleater Kinney oder L7 bewiesen, dass matriarchalisch dominierte Bands weniger Scheißmusik bedeuten. Bis irgendwann Tic Tac Toe und Fräulein Wunder kamen und die ganze Arbeit wieder zunichte machten. Die Mädels von Toboggan lassen sich nicht entmutigen und nehmen mit ihren wundervollen Meditationen über Sonic Youth und Blonde Redhead die alten Traditionen wieder auf. Sie sind tatsächlich so relaxed, dass sie sogar einen Typen mitspielen lassen.

MUTTER COURAGE


THE BISHOPS
For Now
Weekender Records/Indigo
Man kann Hunde so abrichten, dass sie beim Gassigehen nur an einer bestimmten Ecke auf einen bestimmten Zuruf hin ihre Haufen machen. Das Konzept lässt sich übertragen. Sagen wir, die Ecke heißt England: Stellt ein paar x-beliebige Typen hin, schreit „Britpop!“—und prompt fangen sie an, die immer gleiche Scheiße rauszupressen.

ADSON VON MILKA


PEPI GINSBERG
Red
Park The Van
Pepi Ginsberg ist die frisch entmuschelte Songwriterperle des Jahres. Zeitlose, dylanesque Songs. Sinister, erhebend, möchte fast sagen—berauschend. Im brüchigen Timbre ihres Sirenengesangs wird ahnbar, wie die Stunden, die Wochen, die Jahreszeiten wechseln. Wie Pepis Melodien—warmen Abendwinden gleich—Utopien des Ewigen einweben in die Vergänglichkeit aller Empfindung blablablabla—na los, besorgt euch das gefühlige Gesabber schon. Ihr könnt ja behaupten, ihr wollt es eurer Freundin schenken.

KURT GUTHOLZKY


WHITE LIES
To Lose my Life…
Universal
Wenn jene Band, die von der Musikpresse als die neuen Retter der populären Musik angekündigt wird, sich Songzeilen ausdenkt wie: „Let’s go home together and die at the same time“, dann realisiert man endlich, wieso man instinktiv all diese heißen neuen NME-Bands bashen möchte. Weil sie tatsächlich alle nicht mehr ganz sauber sind.

JOHN DALY


DANIELSON
Trying Hartz
Secretly Canadian/Cargo
Ich verneige mich voller Ehrfurcht vor Bruder Danielsson und dem Rest seiner Familie, die seit so vielen Jahren ihre liebevoll schrägen, spirituellen Gospelsongs kompromisslos in die Welt hinausquietschen. Als überzeugte Christen haben sie sich nie durch das weitgehende öffentliche Desinteresse aus der Ruhe bringen lassen, und diese Retrospektive ihrer frühen Arbeiten zeigt die wundersame Kraft, die in dieser Ruhe liegt. Wahrscheinlich gibt es doch einen Gott und nach einem harten Arbeitstag hört er diese Platte, um ein wenig runterzukommen.

BRUDER JAKOB


THE GHOST OF TOM JOAD
Matterhorn
Richard Mohlmann/Indigo

ANTONY AND THE JOHNSONS
The Crying Light
Beggars
Nach zwei Alben hat Antonys verschnittene Darstellungsform natürlich alle Überraschungseffekte eingebüßt. Die Mission muss und wird von nun an lauten, mit diesem friedvollen und abgründigen Liederbalsam den gesamten Planeten zu heilen. Interkulturell divergente Rezeptionsmuster und den gegenläufigen VÖ-Plan Bushidos eingerechnet, sowie Antonys Unsterblichkeit vorausgesetzt, könnte er in ca. 380 Alben am Ziel sein. Es liegt ein langer Weg vor dir, Bruder, aber wenn es einer schaffen kann, dann du!

HERBERT SCHÖNELEIER


BEN KWELLER
Changing Horses
ATO Records
Überraschungsfreies Alterna-Country-Album, das weder ein Klischee noch eine Möglichkeit auslässt, die Slide-Guitar in Anschlag zu bringen. Zugegeben, der Einsatz einer Slide-Guitar ist meistens sehr wirkungsvoll. In etwa wie ein Blowjob. Wenn dir allerdings einen Tag lang alle 30 Minuten ein Blowjob verabreicht wird, grenzt das relativ schnell an Folter.

NEIL JUNGCHEN


DAN AUERBACH
Keep It Hid
V2/Coop
Vielleicht lag es am fehlenden Bassisten, aber die Black Keys waren für mich immer nur eine halbe Band. Wieso jetzt aber eine weitere Division durch zwei, nämlich das Soloprojekt von Dan Auerbach, plötzlich klingt wie eine Multiplikation von Tom Waits und den Doors verstehe ich wirklich nicht, ich muss aber auch zugeben, dass ich damals im Matheunterricht auch schon bei der Addition mehrstelliger Zahlen ausgestiegen bin.

GRAF ZAHL


MALAJUBE
Labyrinthes
City Slang
Unsere kanadischen Froschfreunde von Malajube sind wieder da und bleiben die einzige Rockband, der wir es offiziell genehmigen, ihre Texte in französischer Sprache zu verfassen. Dies liegt daran, dass Französisch bei ihnen ausnahmsweise nicht klingt wie eine affektierte Fantasiesprache, die sich irgendwelche kleinen verwöhnten Schulmädchen ausgedacht haben, sondern wie die Sprache, in der einem nach dem Tod mitgeteilt wird, dass es für den Himmel leider nicht gereicht hat.

LE BIG MAC


URLAUB IN POLEN
Liquid
Strange Ways/Indigo
Ich weiß noch, da war ein Urlaub in Polen ein echter Survival-Horror-Trip. Das Klima war rau, die Menschen ruppig und man hatte ständig Angst, ein Messer in den Rücken gerammt zu bekommen. Mittlerweile hingegen, dem unaufhaltsamen Siegeszug der Globalisierung sei Dank, ist es in Warschau genauso bequem und langweilig wie in jeder anderen europäischen Großstadt. Statt wie früher ein menschenfeindliches Noisebrett gibt es nun also Technobeats und Indierock, aber immerhin kann man problemlos dazu tanzen, ohne gleich bewusstlos zu werden und in einem Wohnwagen wieder aufzuwachen.

STANISLAUS


SEBASTIEN GRAINGER & THE MOUNTAINS
s/t
Saddle Creek/Indigo
Nachdem Sebastien und Jesse ihre alte Band DFA79 auflösten, weil Jesse immer das Birkenhaarwasser alle machte, ohne neues zu kaufen, oder weiß der Geier, durfte man auf die Nachfolgeprojekte gespannt sein. Nach Veröffentlichung von Sebastiens Debüt muss man festhalten, dass so ziemlich alles besser gewesen wäre als dieser harmlose The Killers-Rip-off mit einer Spur Alibi-Distortion. Alles, außer vielleicht ein MSTRKRFT-Album.

MOUNTAIN HOAX

Der Schlagzeuger dieser Band sieht mittlerweile echt aus wie einer dieser Menschen, bei denen man im ersten Moment weiß: Der Typ hat entweder ernsthafte Probleme oder er ist ’ne richtig coole Sau. Ich könnte unmöglich ein Konzert spielen, wenn so ein Psycho hinter mir an den Drums sitzt, aus Angst, dass er mir gleich in den Nacken beißt oder in seiner Snare zwei Kilo Plastiksprengstoff versteckt hat. Aber irgendwie haben die andern beiden ihn unter Kontrolle gekriegt und trommeln kann der Mann, keine Frage.

QUEEN OF KINGS





FAUST
C’est Com... Com... Compliqué
Bureau B/Indigo
Mit Faust ist das so eine Sache. Die Band nervt allein schon wegen der Bands, die sich in ihrer öffentlichen Darstellung auf sie beziehen, aber eigentlich so viel mit ihr zu tun haben wie ein Feuermelder. Sie nervt auch wegen der Feuilletonschaumschläger, die sie zusammen mit Can für die Ursuppe aller qualifizierten Tonentäußerung halten. Warum können wir nicht alle mal runterkommen und zugeben, dass auf dem neuen Album zwei brauchbare Stücke sind und der Rest klingt, als hätte jemand ein Mikrofon in einen Kindergeburtstag gehalten?

WILLISTOPHELES


GNAW
This Face
Conspiracy/Southern
Die Einführung zu dieser Platte, sie sei das Resultat eines ein Jahr andauernden Soundexperiments, ist sicher etwas irreführend. Das Versuchsdesign dieser Khanate-, Burning Witch-, Ike Yard-Leute ist weniger auf die Klangsublimierung ausgelegt, auf die sich bestenfalls Glitchprofessoren einen runterholen können, als auf die Suche nach der Noise-Eskalation, die sich am ehesten anfühlt, als würde dir jemand ohne Vorwarnung ein stumpfes Brotmesser ins Rückenmark rammen. Operation gelungen, zu Folgeschäden fragen sie ihren Ohrenarzt und Psychotherapeuten.

A WHITER SHADE OF NOISE



< Seite Zurück

COMMENTS