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VICE MAIL


BLOOM FANCLUB
Liebes Vice,

Dinge, die ich an Harold Bloom mag:

1) Er hat so eine besonders fröhliche Art der Überheblichkeit und redet jeden mit „Schätzchen“ an.
2) Er wäre so SCHRECKLICH GERN Falstaff!
3) Er ist so wunderbar melodramatisch.
4) Er hat Sarah Palin GERADE gefährlich genannt. GERADE EBEN. Es ist echt toll.

Dinge, die ich an Harold Bloom nicht mag:

1) Er begeht die gleiche Sünde, für die er immer alle verdammt, auch James Wood, der ungefähr so verständlich und fade ist wie er.
2) Er ist ein Gesprächsthema für Dumpfbacken, die andere Kritiker/Theoretiker (ja, Bloom ist ein Theoretiker—die „Einflussangst“ ist stark von Freud beeinflusst) aus dem einfachen Grund hassen, weil sie diese nicht verstehen.
3) Ich hasse Leute, die das genaue Gegenteil tun und auf Harold Bloom sofort reagieren, indem sie mit literaturkritischen Begriffen um sich werfen, die sie nicht verstehen, um herauszustreichen, wie sie sich in dieser ganzen Theoriedebatte positionieren.
4) Ich hasse Anhänger von Harold Bloom, wie diesen hier. Wenn du an eine richtige Schule gegangen wärst, hätten sie dir gar nicht erst erlaubt, „Lyrik“ als Hauptfach zu nehmen, oder gar Literaturgeschichte als Kernstudium.

Kurz gesagt, Harold Bloom ist harmlos, und schlechte Wiederkäuer von Harold Bloom nerven einfach, „Schätzchen“.

Ansonsten solltet ihr alle mal Paul de Man lesen und auch wirklich verstehen, und erst dann wiederkommen und über irgendwelche „Ressentiments“ oder so was ablästern, wenn ihr wisst, wie ordentliche Kritik aussieht.

L2XE
Via Viceland.com

Weißt du, wenn du tatsächlich über all das rumjammerst, worüber du hier rumjammerst, um dann Paul de Man zu empfehlen, negierst du sofort alles, was du gesagt hast, weil es derselbe Scheiß, nur mit einem anderen beschissenen Mäntelchen, ist. Dekonstruktion? Metalinguistik? Das ist GENAU die Art langweiliger Hirnwichse, gegen die wir in diesem Bloom-Interview ins Feld ziehen. Mann, du musst echt der Hass sein, wenn man dich auf ’ner Party als Gesprächspartner erwischt.

Und, wenn du das Bloom-Interview tatsächlich mit eingeschaltetem Hirn gelesen hättest, wäre dir sicher aufgefallen, dass der Interviewer absolut eingesteht, nicht an einer tollen Schule gewesen zu sein, und wie scheiße es war, nicht an einer solchen tollen Schule gewesen zu sein. Das war der Sinn der ganzen Ansage. Versuch doch in Zukunft, bitte dem Text zu folgen.

PS: Du hast allerdings recht, Bloom ist total überheblich und melodramatisch, und das sind zwei der Gründe, warum wir ihn immer noch lieben.



WHAT THE FUCK
Hallo!

In einigen Plattenläden gibt es Figuren (ich glaub, die sind aus Hartplastik oder Ähnlichem) von diversen Musikgruppen. Ich bin auf der Suche nach Figuren von Depeche Mode, habe bislang aber nirgendwo Erfolg gehabt. Weiß jedoch, dass es sie gibt. Vielleicht habt ihr einen Tipp für mich, wo ich so etwas finden könnte?

Es wäre total klasse, wenn ihr mir eine kurze Info geben könntet. Vorab schon mal vielen Dank!!!

NICOLE BELLER
Berlin, Deutschland

Bei diesem Brief bin ich so perplex, dass mir echt keine schlaue Antwort einfällt. Du bist echt strange.


BANGKOK 101
Liebes Vice,

in knapp zehn Tagen werde ich einen dreiwöchigen Urlaub in Thailand antreten. Ich plane, mich dort weitgehend ungebunden und auf eigene Faust rumzutreiben. Einzige Fixpunkte sind Bangkok sowie der Aufenthalt in Kho Pangan zur Full Moon Party.

Ich will mich aber auch nicht vollständig unwissend in dieses Abenteuer stürzen und wollte daher fragen, ob es einen „Vice Guide to Thailand“ gibt. Ich bin mir sicher, dass ihr wüsstet, wo man die blutigsten Cockfights findet und dergleichen. Oder wo man so richtig dreckig feiern gehen kann. Wo finde ich zum Beispiel ein paar Underground-Partylocations? Und muss ich wirklich den Thai-Knast oder gar die Verurteilung zur Todesstrafe fürchten, wenn ich dort Drogen nehmen will?

Ja, das sind doch einige Fragen, die sich da vorm Aufbruch ins Ungewisse stellen. Es wäre nett, wenn ihr mir Auskunft erteilen könntet.

Liebe Grüße,

LISA
Per E-Mail

Egal, wo auf der Welt: Um was zu erleben, ist es unerlässlich, sich richtig die Kante zu geben und dann sturzbesoffen in eine Gegend zu gehen, wo die ganzen Nutten, Drogen, Obdachlosen und heruntergekommenen Spelunken sind. Da gibt es eigentlich nicht so viel zu erklären. Alles, was du sonst noch wissen musst—wo man zum Essen hingeht, oder welche Museen man sich ansehen kann, falls man solche Sachen mag—steht in jedem beschissenen Reiseführer, den man bei Hugendubel kriegt.


GEFAHRENFREAKS
Liebes Vice

ich hab mich letztens gefragt, wie viele Redakteure ihr wohl schon im Laufe eurer Geschichte, durch „unglückliche Zufälle" oder Ähnliches, verloren habt. Oder wollt ihr allen Ernstes behaupten, dass eure Mitarbeiter minderjährige Prostituierte und ihre Zuhälter, kannibalistisch veranlagte Japaner, Gangmitglieder oder Leute wie Mimi Leung interviewen, oder sich auf irische Fischkutter, in verruchte Großstadtgassen, in Scientology-Zentren und andere gefährliche Orte wagen, ohne dass da mal der ein oder andere über die Klinge springt? Oder habt ihr einfach nur aufgehört zu zählen? Gibt es eine Dunkelziffer? Oder habt ihr andere Methoden gefunden, eure Redakteure zu schützen? Sollte man etwa ein NAVY SEAL sein, wenn man bei euch einen Job bekommen will? Oder muss man nur eine kugelsichere Weste tragen, wenn man zu euch zum Vorstellungsgespräch kommt, weil ihr direkt als Erstes testet, wie hart im Nehmen eure Bewerber sind? Oder habt ihr einfach nur alle ein paar coole Karate-Moves drauf? Kriegt ihr vielleicht eine Bodyguard-Eskorte, wenn ihr euch mit Prostituierten trefft, die offen zugeben, dass sie Typen, die sie nicht kennen, gerne mal ausrauben? Vielleicht sind eure Redakteure einfach nur so zugedröhnt, dass sie es gar nicht interessiert, WEN sie WO interviewen. Danke und passt auf euch auf.

KAI GRÄBER
Per E-Mail

Danke, dass du dir so viele Sorgen um unser Wohlergehen machst, Kai. Grundsätzlich veranstalten wir drei Mal im Monat eine Schweigeminute für gefallene Kameraden und verstreuen die Asche ihrer letzten Artikel auf dem Kinderspielplatz nebenan, während unser Schweizer Freund Fritzli eine Melodie aus dem Lieblings-Disney-Film des Verstorbenen pfeift. Falls du das nächste Mal dabei sein willst, können wir dir gerne eine Einladung zuschicken.




Schreibt an VICE, Brunnenstr. 196, 10119 Berlin
oder an briefe@viceland.de

Briefe können aus Platzgründen gekürzt werden.



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