Diese einfachen Worte, gefolgt von einer dienstlichen und einer privaten Telefonnummer, weisen einem den Weg in die sich dahinter erstreckende friedliche Landschaft: ein paar Hektar völlig normal wirkendes, eingezäuntes Land und ein in der Ferne gelegener Schuppen, ein verlassener Anhänger, Bäume und ein paar Trampelpfade. Grüne Planen bedecken ein paar Reihen großer Haufen, die sich am Boden auftürmen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man unter dem Laub menschliche Schädel und verschiedene andere Knochen und bald wird klar, dass an diesen Überresten ganze Heerscharen von Maden zugange sind. An menschlichen Überresten. Die Anthropologische Forschungseinrichtung, oder die Body Farmdie Leichenfarm, wie sie, sehr zum Ärger ihrer Angestellten, auch scherzhaft genannt wird, ist zu dem Zwecke angelegt worden, die Verwesung menschlicher Überreste zu erforschen. Es ist ein relativ neues Forschungsgebiet der forensischen Wissenschaft, das helfen soll, Mörder dingfest zu machen und den Fernsehkrimiautoren immer neuen Stoff zu liefern.
Dr. Bill Bass, der Gründer der Einrichtung, hat so ungefähr die doppelte Energie, die man von einem halb so alten Mann erwarten würde, und ein warmes, herzliches Auftretenalso nicht gerade das, was man bei einem Mann vermuten würde, dessen Leben der Erforschung verwesender Leichen gewidmet ist. Aber Bass ist ein einziger Ausbund an Charme und Freundlichkeit. Ich traf mich auf dem Gelände der Einrichtung in Knoxville, Tennessee, mit ihm, umgeben von Leichen in verschiedenen Stufen der Verwesung, und er beantwortete meine Fragen darüber, wie er dazu kam, das Forschungszentrum zu eröffnen, mit unverbrämtem und frischem Enthusiasmus.

„Ich kam am 1. Juni 1971 an die Universität von Tennessee, um ein aus drei Personen bestehendes Institut zu übernehmen. Der Gerichtsmediziner hier kannte mich und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, auch als forensischer Anthropologe zu arbeiten. Ich sagte: ‚Klar, gerne‘, und es dauerte nicht lange, bis die ersten Leichen eintrafen. Die Hälfte der ersten fünf Fälle waren voller Maden. Ich kannte mich mit Maden überhaupt nicht aus, also versuchte ich mich anhand von Büchern schlauzumachenaber da war nicht viel zu holen. Ich dachte mir, wenn ich mich vor der Polizei dazu äußern soll, sollte ich besser wissen, wovon ich rede. Also ging ich im Herbst 71 zum Dekan und sagte ihm: ‚Ich brauche ein Stück Land, wo ich ein paar Leichen hinlegen kann.‘
Er hat gar nichts gesagt, sondern hat sich einfach das Telefonbuch geschnappt und die Person rausgesucht, die an der Uni für Grundstücksfragen zuständig war. Ich habe mit einem alten Schweinestall angefangen. Aber das Geschäft kam schnell in die Gänge und 1980 ging ich wieder zum Dekan und sagte: ‚Ich brauche etwas Land, das nicht ganz so weit weg liegt‘, und er sagte: ‚OK.‘ Hier verbrannte früher die Uni ihren Müll. Als die Umweltbehörde sagte: ‚Ihr könnt euren Müll nicht mehr unter offenem Himmel verbrennen‘, bedeckte die Uni das Gelände mit Schutt. Da haben sie dann wahrscheinlich gedacht: ‚Gut, es ist schon seit Jahren eine Müllhalde, also können wir es ebenso gut Bill Bass geben, damit er seine Leichen drauf legt.‘ Und so fing die ganze Sache dann an.“

Im Verlauf der letzten 28 Jahre haben Bass und seine Einrichtung eine völlig neue Sichtweise auf die menschliche Identität entwickelt. Wenn man einmal anfängt, die wahre Natur dessen, was sie tun und warum sie es tun, zu verstehen, werden die makabren Assoziationen und die Horrorvorstellung von Dutzenden auf einem Feld verwesenden Leichen schnell nebensächlich. Auf der Body Farm geht es darum, den Menschen ihre Identität wiederzugeben, selbst wenn ihr körperliches Selbst lange verschwunden ist.
„Wir haben keine Kultur des Todes. Sagen wir zum Beispiel, dass jemand ermordet und in den Straßengraben geworfen wurde. Die Polizei wird gerufen. Sie kommen und halten eine Plane hoch und alle fahren vorbei und kucken, aber keiner kann was sehen. Dann kommt die Leiche in einen schwarzen Leichensack und wieder kann keiner etwas sehen. Der Leichensack kommt in die Leichenhalle. Keiner weiß, was dort abläuft. Wenn überhaupt, sehen die Leute diese Person bei der Beerdigung wiederwenn sie einen offenen Sarg benutzen. Wenn sie das nicht tun, wird diese Person begraben und keiner sieht sie oder ihn überhaupt noch einmal wieder.“
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