EIN SCHÖNER, FETTER, UNBESCHNITTENER, 30 ZENTIMETER LANGER PILZ - TEIL 1

Der Penispilz haut uns um

VON HAMILTON MORRIS
FOTOS: MAGGIE LEE

Foto: John W. Allen
Es gibt da einen mythischen Pilz, der anders ist als alle anderen Pilze. Denn es ist so, dass dieser Pilz wie ein Penis aussieht. Und nicht nur ein bisschen, wie es ja viele Pilze tun, sondern exakt wie ein Penis. Vielleicht habt ihr davon gehört? Und obwohl Pilze normalerweise aus dem Schoß der Erde sprießen, als wären es die Zehen der Götter, ist der Penispilz ungefähr so natürlich wie ein Cockerspaniel. Mit anderen Worten, er ist komplett von Menschenhand gemacht und würde sofort sterben, wenn man ihn in die Wildnis verpflanzte.

Was hat es also mit diesem magischen, schwanzförmigen kleinen Freund auf sich? Wo kam er her? Wer hat ihn gemacht? Ich habe mich kürzlich an der Beantwortung dieser Fragen versucht und stieß auf eine schwindelerregende Welt der Magie, der Lügen und unaufgeklärten Morde. Und sky-high war ich die ganze Zeit außerdem.



Die Pilze waren für den Versand verpackt worden wie menschliche Organe, auch wenn die Kiste eher wie ein blauer Bierkühler aussah. Ich öffnete den Deckel und blickte in eine Rauchwolke. Kohlendioxidschwaden begannen über den Rand der Kiste zu kriechen. Ich steckte mein Gesicht hinein und pustete. Der Kühler war mit ordentlich nebeneinander geschichteten Penispilzen verschiedenster Längen, Dicken und Farben gefüllt. Die meisten hatten eine cremige Manilafarbe, während andere weiß wie Alabaster waren. Sie waren auf einem rauchenden Polster aus Trockeneis gebettet. Ich hatte noch nie zuvor solche Pilze gesehen und griff nach einem, zuckte aber sofort zurück, erschrocken, wie sehr er sich wie menschliches Fleisch anfühlte. Dann griff ich aber wieder zu, nahm einen heraus und schob ihn mir immer noch qualmend in den Mund.

Kurze Zeit vorher hatte mein Freund Richard die Gelegenheit gehabt, knapp unter zehn Gramm Penispilze zu essen. Schon das hatte sich als eine riesige Überdosis herausgestellt. Kurz nachdem er den letzten gegessen hatte, rief er in einem pilzseligen Versuch, sich telefonisch einen Apfel zu bestellen, die Polizei an. Als die Bullen mit einem Krankenwagen bei ihm ankamen, war er nicht in der Lage, ihnen zu sagen, wie er hieß oder was für ein Jahr es war. Sie spritzten ihm Antipsychotika im Wert von 600 Dollar und trugen ihn auf einer Trage aus der Wohnung. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, konnte er sich kaum noch erinnern, was passiert war. Er musste komplett weggetreten gewesen sein. In Anbetracht dieser Geschichte war mir etwas unwohl dabei, mir den Mund mit Penispilzen vollzustopfen, ich tat es aber trotzdem.

Ich bin nicht jemand, der sich über den Geschmack von Pilzen beschwert. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass ich mir ein paar gelegentliche Gramm gern schmecken lasse. Aber der Penispilz war mit nichts zu vergleichen, das ich bis dahin im Mund gehabt hatte. Jedes Mal, wenn ich hineinbiss, flogen kleine Flocken bitteren Pilzstaubs in die Luft. Beim Schlucken kam es mir jedes Mal fast wieder hoch. Ich legte mich eine Weile ins Bett, wo ich die Augen schloss und Penispilze aus Töpfen voller Goldmünzen, Sterne und Regenbogen hervorschießen sah. Dann sprang ich auf und stopfte mir noch mehr Pilze in den Mund. Ich vergaß, sie dabei abzuwiegen. Später wurde mir klar, dass ich an die 15 Gramm gegessen hatte.

1971 reiste der Ethnobotaniker Terence McKenna durch den Amazonas-Regenwald, zur Erforschung eines mysteriösen blauen Ektoplasmas, das den Schamanen während drogeninduzierter Trancezustände aus dem Mund, After und den Genitalien floss. Das Ektoplasma entzog sich jeglicher Klassifikation. Es war flüssig und schaumig, eine Art ultravioletter Schleim, der außerhalb von Raum und Zeit zu existieren schien—eine mögliche Brücke zwischen Gedanken und der materiellen Welt. McKenna ging richtigerweise davon aus, dass er das Ektoplasma, wenn überhaupt, nur unter der Einwirkung psychedelischer Pilze würde erforschen können. Er machte sich an die Arbeit. Er schüttete Pilze in sich rein und sezierte seinen Stuhl auf der Suche nach Spuren des metaphysischen blauen Schleims. Während dieser Experimente entdeckte er einen monströsen amazonischen Pilz, der im Dung der dort ansässigen Zeburinder wuchs. Er war größer und dicker als alles, was man in nordamerikanischen Böden finden konnte. McKenna sammelte die Sporen und brachte sie mit zurück in die Vereinigten Staaten. In seiner Enttäuschung über sein Unvermögen, das Ektoplasma zu finden, entging ihm die Bedeutung der Sporen—seines mikroskopischen Geschenks des Dschungels.

In San Antonio, Texas, sezierte der bekannte Mykologe Steven Pollock aus einem anderen Grund ebenfalls Kot. Sein Gewächshaus war randvoll mit mehreren Wagenladungen Pferdemist und auf seinem Küchenherd kochten Unmengen Exkremente, die er zu einem experimentellen Pilzsubstrat aufbereitete. Pollock hatte kurz zuvor eine Sporenprobe von McKenna erhalten, die mit „Amazonisch“ beschriftet war. Er pinselte die Flöckchen in ein Weckglas voller Pferdedung und stellte sie beiseite, um sie wachsen zu lassen.


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