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DOS & DON'TS
Magazin
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LEMMYINTERVIEW UND FOTOS VON CHRIS SHONTING ![]() Ich habe kurz darüber nachgedacht, die Einführung zu diesem Interview so zu formulieren, dass sie klingt, als hätte sie ein unvoreingenommener Journalist geschrieben. Aber scheiß drauf. Lemmy ist mein Held und ich werde das nicht verbergen, denn das würde keinen Spaß machen. Als ich Lemmy vor kurzem bei einem New Yorker Konzert hinter der Bühne traf um ihn zu interviewen und ein paar Fotos von ihm zu machen, fühlte ich mich wie ein kleiner Junge, der neben seinen Großvater schlüpft, nachdem das Haus voller Verwandten endlich zur Ruhe gekommen ist, und dieser beschlossen hat, dass jetzt der richtige Augenblick gekommen ist, um seine Geschichten zu erzählen. Am Anfang war ich nervös, weil das die ganz große Show war, aber dann kippte Lemmy das Ganze schon mit seinen ersten Worten. Dann legte er los und erzählte seine Geschichten. Als Motörhead-Fan kann ich mir kaum etwas Besseres vorstellen. Lemmy ist einer der mit Abstand unaufgeregtesten Menschen, die ich je das Glück hatte kennenzulernen. Er ist ein verdammter Gentleman und gibt auch gar nicht den schlechtesten Gelehrten ab. Wie seine Musik ist auch er recht wild. Manchen ist er im Umgang zu brutal. Aber ein paar Leute vor den Kopf zu stoßen, die nicht so hart im Nehmen sind, ist nur ein Nebenprodukt seiner totalen Ehrlichkeit. Lemmy hat sich nie angepasst um Lob zu erhaschen oder seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Seine gesamte Existenz erzählt pausenlos davon, was es heißt, sich selbst treu zu bleiben. In der Geschichte von Motörhead gibt es keine astronomischen Höhen oder höllischen Tiefen. Sie folgt einfach dem Weg einer Band, die sich trotzig durch den endlosen Ansturm von Gigs, Frauen, Trends, Gegnern, Arschleckern und Geschäftemachern ackert. Wie kaum ein anderer verkörpert Lemmy das Bild des nicht unterzukriegenden ewigen Reisenden. Vice: Was war der Grund, aus dem du gesagt hast, „Ich werde in einer Band spielen“? Lemmy: Frauen. Frauen. Ohne Frage, Frauen. Im Fernsehen zu sehen, wie sie sich um Rocksänger scharen. Ich kam in den 50ern zur Musik, weißt du, und damals war das eine ziemlich klare Sache. Ich brachte 1958 meine erste Platte raus. Ich war damals noch ziemlich jung und sah diesen englischen Sänger, Cliff Richard, der immer noch aktiv ist, aber damals ganz anders rüberkam als heute. Er war im Fernsehen, umzingelt von Mädels, die ihm die Sachen vom Leibe reißen wollten. Ich sagte, „Das ist was für mich. Es sieht noch nicht mal wie Arbeit aus.“ Später merkte ich, dass es doch Arbeit war, aber es hat seine Vorteile gegenüber einem Job in der Waschmaschinenfabrik. Ja, das würde ich auch meinen. Das hat mich also von der Musik überzeugt. Meine Mutter spielte Hawaii-Gitarre, aber die ließ sich ziemlich schwer greifen. Ich spannte trotzdem neue Seiten auf und nahm sie in der Woche nach den Prüfungen, wenn man eh nichts mehr macht, mit in die Schule. Wenn man nur so rumsitzt. Genau. Und sofort war ich von Mädchen umzingelt. Es funktionierte also genau nach Plan, obwohl ich das Ding nicht mal spielen konnte. Wie lange hat es gedauert, bis du gedacht hast, „Vielleicht muss ich es lernen?“ Oh, nicht länger als zwei Stunden. Es fällt mir leicht, Akkorde zu spielen, und, weißt du, was anderes habe ich ja nie gemacht. Ich wollte nie Leadgitarre spielen. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht mal, dass es so was wie einen Bassisten gibt. Verstehe. Also war ich lange Zeit ein guter Rythmusgitarrist, aber als Leadgitarrist war ich scheiße. Echt mittelmäßig, Mann. Aber du hast versucht Leadgitarre zu spielen? Ja. Ich spielte zwei Jahre in einer Band, die The Rockin’ Vicars hieß. Ich tat nur so, weißt du. Ich legte eine Menge Verzerrung drauf und bewegte die Finger schnell hoch und runter, damit sie dachten, dass es ein Solo ist. Ich wollte ihnen nicht sagen, dass es keins war. Große Bands implodieren oft nach drei Alben oder so, aber du hast es geschafft, dass Motörhead so lange funktioniert hat. Bald 35 Jahre. Was machen die anderen Bands verkehrt? Sie glauben nicht, dass die Musik wichtig genug ist, um ihre persönlichen Differenzen dafür zu vergessen. Ich war immer der Meinung, dass selbst die größten persönlichen Differenzen nicht wichtig genug waren, um die Band deshalb zerbrechen zu lassen. Ich meine, es haben immer wieder Leute die Band verlassen, aber ich habe immer weiter gemacht. Ich habe nie daran gedacht, etwas anderes zu machen. Das ist meine Bestimmung. Das ist das, wozu ich hier bin. Ich bin hier, um in der verdammten Garderobe Interviews zu geben. Das ist mein Leben. Yeah. Es ist kein Job mehr. Ich wollte dir ein paar Fragen zu Hawkwind stellen, für die du Bass gespielt hast, bevor du Motörhead gegründet hast. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Hawkwind gekommen? Ich hatte die Band einmal spielen sehen, bevor ich bei ihnen anfing. Alle hatten diesen kollektiven epileptischen Anfalldas komplette Publikum, 600 Leute. Ich dachte, „Fuck, ich muss bei diesen Typen mitspielen.“ Was waren die Vor- und Nachteile, bei Hawkwind zu spielen? Was ich daran mochte, war, dass es das erste Mal war, das ich Bass spielte und feststellte, dass ich ein guter Bassspieler sein könnte. Also wurde ich Bassist und ich war richtig gut, weißt du. Das war eine tolle Sache für michhat mir sozusagen die Augen geöffnetund in der Band hatte ich als Bassist viel Freiraum. Ich machte viele Fills und machte hinter Dave, der die Leadgitarre spielte, einen Haufen cleveres Zeug. Ich hab wie immer angegeben. Für die Mädels. Was soll das Ganze, wenn du nicht angeben kannst? Es ist Rock ’n’ Roll, warum also nicht. Und was waren die Dinge, die dich richtig genervt haben? Bei Hawkwind? Ihre Einstellung. Ich mein, sie haben nie gesagt, dass ich wirklich in der Band bin. Fuck. Du warst fünf Jahre dort. Fünf Jahre. Sie schmissen mich raus und ich sagte, „Ihr könnt mich nicht rausschmeißen, Motherfuckers, ihr ja habt nie gesagt, dass ich überhaupt in der Band bin!“ Wer hatte in der Band das Sagen? Dave Brock, der Leadgitarrist. Die Band war im Prinzip er. In Interviews kam er immer als ein sehr vernünftiger Typ rüber. Das war er auch, aber zu der Zeit waren sie in Großbritannien sehr erfolgreichNummer eins und all das. Und das wirkt sich auf die Leute auf unterschiedliche Weise aus. Sie haben mir nie verziehen, dass ich bei ihrer einzigen Hit-Single der Sänger war. [lacht]
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