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interview von amy kellner



Wenn du 1994 jung und weiblich bist und keine Sachen von X-Girl trägst, dann bist du einfach nicht cool. Verletzt das jetzt deine Gefühle? Tut mir leid, aber das ist die Wahrheit und die Wahrheit kann nun mal wehtun. Wenn du also in einer Höhle weit abseits der Modewelt lebst und nicht weißt, wovon ich spreche, X-Girl ist die Schwesterlinie von X-Large, der Streetwearmarke der Beastie Boys. Die Designs kommen von Daisy von Furth und Kim Gordon von Sonic Youth. Sie haben zusammen die winzigsten T-Shirts kreiert, in die du dich jemals hineinzwängen wirst. In nur einem Jahr hat X-Girl Läden in New York und LA aufgemacht und ist zur offiziellen Uniform der Hipchicks zwischen Ludlow und Lafayette Street geworden. Das sind eine Menge Blocks!


Stills aus dem kommenden, aber noch unbetitelten X-Girl-Film.


Während der Fashion Week letztes Jahr haben sie auf einem Bürgersteig in SoHo eine Guerilla-Show durchgezogen, direkt gegenüber von Marc Jacobs’ Show. Sofia Coppola und Spike Jonze haben alles koordiniert und sind mit Walkie Talkies durch die Gegend gerannt. Indiegrößen wie Juliana Hatfield, Cristina Martinez von Boss Hog, J Mascis, Zoe Cassavetes, Donovan Leitch, Ione Skye und Thurston Moore drängten sich um den Gehsteig und das frisch gekrönte „It-Girl“ Chloë Sevigny stolzierte den Catwalk in einem Brautkleid von X-Girl herunter und bespritzte das Publikum mit Champagner. Ist das jetzt eine Menge Name-Dropping? Auf jeden Fall! Und hier noch mehr davon: Kathleen Hanna von Bikini Kill trägt in Sonic Youths Video zu „Bull in the Heather” ein Baseball-Trikot von X-Girl. Es scheint, als würden sogar Riot Grrrls, die generell alles hassen (vor allem, wenn es mit etwas so Sexistischem wie den Beastie Boys zu tun hat!), auf die Marke abfahren.

Ich habe mich mit Daisy von Furth im Buffa’s getroffen. Das ist ein Diner an der Ecke Prince/Lafayette, von dem sie sagt, dass er cool ist. Ich glaube ihr das.



Vice: Wie ist X-Girl entstanden?
Daisy von Furth:
Ich habe im X-Large-Laden gearbeitet. Kim kannte die Beastie Boys, also legte sie ein gutes Wort für mich ein. Eric Bonerz leitete den New Yorker Laden und meinte, „Was uns wirklich fehlt, ist eine Linie für Mädchen—warum entwirfst du nicht zusammen mit Kim eine Linie für Mädchen, so wie die Beastie Boys das für X-Large gemacht haben?“

Hattest du schon Erfahrungen im Modebereich?
Ja, ich hatte das Styling für ein paar Rockbands gemacht und außerdem Sonic Youth bei einer Menge ihrer Shootings ausgeholfen und ein paar Musikvideos ausgestattet. Und davor hatte ich Praktika in den Modeabteilungen von Sassy und Mirabelle gemacht. Ich war verantwortlich für das Styling von einem Spike Jonze-Shooting für Dirt, der Jungs-Ausgabe von Sassy. Das Model war dieser niedliche Typ, der Marc Ronson hieß, und es ging um die verlorene Generation von 1978. So mit Lacoste-Hemden und fetten Daunenjacken und diesen Rod Laver Sneakers von Adidas. Adrett, aber zerzaust.

Bei welchen Musikvideos hast du das Styling gemacht?
Bis jetzt habe ich „Cannonball“ von den Breeders, „Big Gay Heart” von den Lemonheads und „Sugar Kane” von Sonic Youth gemacht, auch wenn das hauptsächlich Marc Jacobs-Klamotten waren, weil es bei einer seiner Fashionshows gedreht wurde, als er letztes Jahr diese Grunge-Kollektion rausbrachte.

Ich habe gehört, du hattest den verrücktesten Stil, als du bei Sassy warst.
Ich fuhr damals total auf die 70er ab. Ich habe damals Sachen gemacht, wie mit einem Nachtbus nach Cincinnatti zu diesem Secondhand-Laden namens Trivets zu fahren. Ich habe auf einem Parkplatz übernachtet und bin dann mit Stars-und-Stripes-Schlaghosen zurückgekommen, die nach Katzenpisse gestunken haben. Aber dann drehte sich auf einmal alles um Cordhosen mit Bootcut. Das ist irgendwie das Gleiche, was wir für X-Girl machen. Unsere ersten Stücke waren einfach nur Kopien von Sachen aus Lagerbeständen, wie ein Football-Shirt oder dieser Fila-Pulli, den Chloë Sevigny hatte, den wir einfach kopierten und dann den Schnitt verbesserten.

Woher kennst du Chloë?
Als Sonic Youth das „Sugar Kane“-Video gemacht haben, suchten sie nach einem Mädchen, das die Hauptrolle übernimmt. Ich habe die Moderedakteurin von Sassy gefragt, ob sie jemanden kennt, der dafür geeignet wäre, und sie meinte, „Oh, du musst dieses Mädchen nehmen, Chloë.“ So haben wir uns dann kennen gelernt.

Hast du diesen Artikel über sie im New Yorker gesehen, der behauptet, sie sei das neue It-Girl?
Na ja, sie war jetzt schon eine Weile lang das Underground-It-Girl. Weißt du, sie hat sich den Kopf rasiert und dann waren ihre Haare wieder pink und sie steckt richtig mit drin bei Liquid Sky, dem Raverladen gegenüber von X-Large. In den letzten sechs Monaten ist sie aber auch immer mehr ins öffentliche Licht gerückt. Sie spielt bald in diesem neuen Film mit, den Larry Clark mit Harmony Korine macht, mit dem Chloës irgendwie zusammen ist.

Chloë ist dein Fit Model, stimmt’s?
Ja, sie hilft uns sehr. Wir probieren unsere Sachen an ihr aus. Wir machen auch gerade einen X-Girl-Film mit ihr und dieser großartigen ungarischen Künstlerin namens Rita Ackermann und mit Pumpkin Wentzel aus der Band Guv’ner.

Worum geht’s in dem Film?
Unser Freund Phil Morrison hat ihn geschrieben und Regie geführt. Wir stehen gerade total auf Godard und dieses UN-Zeug. Es soll alles retro-UN-mäßig sein. Es geht darum, Sachen, über die in der Modewelt nicht wirklich gesprochen wird, auf die Straße zu bringen. Wir haben eine versteckte Kamera in die Marc Jacobs Show geschmuggelt und da ein paar Szenen für den Film gedreht.








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