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After suffering at the hands of store-bought Kurt & Courtneys, Sid & Nancys, and Siegfried & Roys for years, we've finally decided that the only acceptable Halloween costumes for couples are those British kids from the Goo cover, two back ends of a horse, or going as each other. Comments/Enlarge | See all


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SNIVLEM / Prick
Amphetamine Reptile
Zwei Alben der Melvins in nur einem Jahr. Was genau haben wir getan, um diesen Segen zu verdienen? Oder ist es am Ende etwa keiner? Prick, diesen Sommer auf AmRep erschienen, ist auf jeden Fall ein experimenteller Prick-tease vom Feinsten. Der erste Track, „How About“, besteht lediglich aus wirren Sprachfetzen eines Predigers, der Jesus Christus preist, weil dieser schließlich auch für unsere Sünden mit seinem Blut bezahlt hat. An einer Stelle hört man jemanden dazwischenfragen: „What do you think of Elvis Presley?“ Musik gibt es allerdings keine. Anschließend folgt „Rickets“, eine Minute und 20 Sekunden Geflüster von Buzz, sonst wenig. „Pick It n’Flick It“ ist Stadionrock ohne Stadion (und ohne Rock). Was geht hier vor? Auf dem Cover steht SNIVLEM. MELVINS rückwärts. Nächster Track: “Montreal.” Man hört ein erwartungsfrohes Publikum, Jubel, Pfiffe, aber ansonsten nur ein monotones Summen. „Chief Ten Beers“ ist ein über sechsminütiges Mantra-Genudel. Nach der Hälfte realisiert man dann so langsam, dass die Melvins sich so weit wie möglich von ihrem vertrauten Grudge-Rock entfernt haben, um ein experimentelles Album aufzunehmen, dass ein Major Label wie Atlantic um keinen Preis veröffentlichen würde. Smells like spleen spirit—dieses Album ist launig, eine Marotte, aber kein Witz, definitiv kein Witz. Melvins-Fans werden diese Platte hassen, aber eines Tages—vielleicht wird es noch Jahre dauern—wird sie als geradezu repräsentativ gelten für das anarchische, beinahe perverse Selbstverständnis einer Band, die noch all ihre Nachahmer überleben wird.

Track 9 beginnt mit dem Hinweis eines britischen alten Knackers, man solle sich auf „Pure Digital Silence“ gefasst machen. Und so kommt es auch. Absolute Stille. John-Cage-Stille. Und dann setzt “Larry” ein. Ein richtiger Rocksong! Herrlich schmutzige Melvins-Riffs! Plötzlich ergibt die Welt wieder Sinn. Oder doch nicht? „Roll Another One“ schafft es, die Geduld selbst der härtesten Melvins-Fans auf die Probe zu stellen und dabei gleichzeitig das Fan-Sein an sich neu zu definieren. Die Melvins fragen: Folgst du uns bedingungslos, wo immer wir dich auch hinführen? Was kannst du dir alles unter einem Song vorstellen? Wie weit können wir unser Spiel treiben, ohne dich zu verlieren? Keine andere Band würde es sich heute trauen, über diese Fragen auch nur nachzudenken. Danken wir also den Melvins in all ihrer kompromisslosen Perversion und Hässlichkeit: sie sind der rostige Nagel im blassen Fleisch einer zunehmend öden und gleichgeschalteten Musikwelt.


MELVINS / Stoner Witch
Atlantic
Zwei Monate, nachdem Prick auf die Erde stürzte wie die Hindenburg auf einen ausgetrockneten Landstreifen, veröffentlichten die Melvins mit Stoner Witch definitiv eines der mächtigsten Alben der Bandgeschichte. Die Platte rockt verdammt hart und macht ihrem Namen alle Ehre: Ein durchschlagender Gehirnfick mit einer ordentlichen Dosis schwarzer Magie. Ein Song heißt gar „Shevil“, „Goose Freight Train“ ist düster und träge, und wenn Dale Crovers präzises Schlagzeugspiel auf „Roadbull“ in einer Art Militärmarsch mitsamt gepfiffener Coda kulminiert, hat das einen schon beinahe hymnischen Charakter. Auch “At the Stake” macht keine Gefangenen: Die Melvins schaffen meisterliche Stimmungsbilder. Dass sie auch die melancholischen Momente beherrschen, wird nirgends deutlicher als hier, wo sie eine unvergleichliche Sogwirkung entfalten. Sie überwinden die Grenzen dessen, was man gemeinhin unter Rockmusik versteht und haben keine Angst davor, einen Song mutwillig zu zerstören. Wenn sich bei “Magic Pig Detective” aus atmosphärischen Maschinengeräuschen gemächlich Songstrukturen herausbilden, fühlt man sich unweigerlich an Prick erinnert. Natürlich ist das Intro wesentlich länger als der eigentliche “Song”, in dem Buzz fordert: „I say know your mind.“ Unweigerlich fragt man sich, ob die Melvins ihre Songs auf ähnliche Weise zusammensetzen wie Dr. Frankenstein seine Körper. Hör diese Alben von vorne bis hinten und du wirst sehen, wie sie ineinander verschmelzen, sich gegenseitig ergänzen und aufeinander beziehen. Stoner Witch Prick.

BOB NICKAS



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