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DOS & DON'TS
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Gut, inzwischen kennt wohl jeder den Traumtypen Stephen Malkmus. Wir haben’s verstanden. Er ist ein Sprachgenie, ein absolut fantastischer Gitarrist und noch dazu total süß. Wir wissen auch erstmal genug über Spiral Stairs, Malkmus’ kongenialen Partner. Auch der rockt weit besser als der durchschnittliche Indieschrammler, macht einen wachen, aufgeräumten Eindruck, Typ Lieblingsschwiegersohn, und wir werden nicht überrascht sein, wenn er demnächst eine erfolgreiche Solokarriere startet. Es ist absehbar, dass es soweit kommen wird. Aber was ist eigentlich mit den anderen Typen? Mit denen, die bei den Shows am Rand der Bühne stehen müssen? Mit den Wasserträgern, den verborgenen Strippenziehern, den Geheimwaffen des Pavement-Ensembles? Mark Ibold spielt Bass. Er ist so etwas wie das Herz der Band. Erstens wummert sein Bass in einem ähnlich tiefen Frequenzbereich wie ein Herz. Zweitens ist er beinahe so sexy wie Malkmus, und folglich erobert er reihenweise andere Herzen, nämlich die der haarreifgeschmückten Indie-Mädchen, welche schon bei seinem Anblick einen Östrogenschock bekommen. Bob Nastanovich spielt allen möglichen Kram, zum Beispiel Percussion. Er ist die Seele von Pavement, denn auf der Bühne verkörpert er so eine Art entfesselte kollektive Triebstruktur der Band. Er verhält sich wie ein wilder Affe, oder mindestens wie ein wilder besoffener Onkel. Er ist für Pavement, was Bez für die Happy Mondays ist. Wir lieben Bob und Mark, und wir fanden, dass sie zu selten gefragt werden, was sie eigentlich davon halten, mit Crooked Rain, Crooked Rain das beste Album des Jahres veröffentlicht zu haben. Also haben wir mit ihnen gesprochen. (PS: Sorry, aber wenn es nach uns geht, ist der neue Drummer noch in der Probezeit, denn wir mochten diesen Psycho Gary Young, der früher am Schlagzeug saß. Also Steve West...schauen wir mal, wie es läuft). interviewed von bob nickas Vice: Crooked Rain klingt sehr kalifornisch, wurde aber hier in New York eingespielt. Stimmt es, dass euer “Studio” ein fensterloses Apartment im 18. Stock in Hell’s Kitchen war? Wie war es, dort aufzunehmen? Mark Ibold: Interessant. Ein bisschen eng natürlich. Wir mussten das Equipment nach Bedarf rein- und rausräumen. Eine Menge Zeit ging für Pferdewetten drauf. Wir haben einen guten Teil unseres Aufnahmebudgets dort verloren. Eigentlich wollten wir es verdoppeln. Als es daran ging, das Artwork fertig zu stellen, hatte das Studio immer noch keinen Namen. Also haben wir einen internen Namenswettbewerb veranstaltet: “Random Falls” hat gewonnen, “Electric Avenue” wurde Zweiter, “Raw Book Room“ Dritter. Und ihr habt eine Menge unterschiedliches Equipment benutzt, weil der Besitzer des Raumes in einem Musikladen arbeitete. Ja, „Rogue Music“ war im gleichen Gebäude und Walleye arbeitete dort. Jeden Morgen gingen wir in den Laden, als wäre er eine Cafeteria und stopften uns die Taschen voll: „Ich nehme das, ein paar von denen undwow!das versuche ich auch mal!“ Was ist euer Lieblingssong auf dem Album? Momentan ist es “Newark Wilder.” Ich mag den Titel. Er ist sehr aktuell, inspiriert von den jüngsten Gang-Zwischenfällen in New York und New Jersey, bei denen einige Gangmitglieder sich regelrechte Jagdszenen lieferten. Ich hoffe nur, wir begegnen nie einem „Newark Wilder“ und erst recht keinem „Trenton Wilder“! Das ist auch mein Favorit. Höre ich mir immer an, wenn es mir schlecht geht, allein des Textes wegen“the forces against you”, und “I know everybody wants to put you down/But I know everybody’s gonna put me down.” Gibt es einen Track, der euch am wenigsten gefällt? Manchmal denke ich, dass ich „Cut Your Hair“ eines Tages hassen werde...ist aber noch nicht soweit. “Cut Your Hair” ist ein sehr eingängiger Song, eine naheliegende Wahl für eine Single. Irgendwie erinnert er mich an diesen Typen, den ich neulich kennenlernte. Es war bei einer überfüllten Museumseröffnung, er stand da mit ein paar anderen Kerlen, fiel mir aber sofort auf. Er hatte lange Haare und ich dachte sofort: Wir werden Freunde sein. Wir hingen den ganzen Abend zusammen rum und trafen uns am nächsten Tag noch mal. Als ich ihn das nächste Mal sah, hatte er sich die Haare abgeschnitten. Er wirkte wie ein anderer Mensch. Ich sagte, dass er einen Fehler gemacht habe, aber er meinte nur, dass er das immer so machen würde: Haare lang wachsen lassen, dann abschneiden, dann wieder wachsen lassen. Wir wurden schnell ziemlich gute Freunde und jetzt warte ich darauf, dass seine Haare wieder nachwachsen. Ist euch so etwas schon mal passiert? Oh, ich erinnere mich, dass du mir diese Geschichte schon mal erzählt hast. Das war mir fast etwas unangenehm, weil ich früher das Gleiche mit meinen Haaren gemacht habe. Ich war Skateboarder und sehr von der Dogtown-Szene beeinflusst. Mein Musikgeschmack hing von der Haarlänge ab: Mit langen Haaren hörte ich Ted Nugent, AC/DC, Judas Priest. Dann schnitt ich sie ab und plötzlich waren Devo, die Ramones und die Surf Punks angesagt. Wie kam das neue Album an? Äh, in eingeschweißter Verpackung? Ha-ha, witzig. Du schreibst die Songtexte nicht, aber ich muss trotzdem fragendie letzte Zeile von „Silence Kit“: „Screwin’ myself with my hand.“ Bedeutet das, was ich vermute? Ich habe es nicht geschrieben. Ich stelle mir das so vor, dass man mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis bildet und dann seinen Penis durchsteckt. Vielleicht bedeutet es auch, dass man etwas geschrieben hat, was man anschließend bereut. Das ist ja auch eine Art, sich mit der Hand zu ficken. Jetzt werdet ihr wahrscheinlich auf eine große Promotour gehen. Auf welche Orte freut ihr euch am meisten? Wir reisen sehr gerne, vor allem weil der Dollar im Moment sehr gut steht. Ich denke, demnächst geht es nach Neuseeland, wir hoffen, dass wir uns mit The Dead C treffen können. Kommt ihr auch nach Europa? Ja, das wird das zweite Mal. Ich stehe nicht wirklich auf englisches Essen. John Major geht uns auf die Nerven. Wir lieben John Peel. Die Franzosen lieben uns. Belgien ist toll. Auf die Einwohnerzahl gerechnet haben wir dort mehr Fans als irgendwo sonst. In Deutschland waren wir aus irgendeinem Grund bisher nur in Bremen. Auf den Love Vera Club in Holland freue ich mich persönlich besonders. Ich weiß, dass ihr eine Vorliebe für gutes Essen habt... Hmm. Ich liebe es, auf Reisen neues Essen zu probieren, aber mein kulinarischer Lieblingsort ist Singapur und da kommt man als Band nie hin. In London gibt es gutes Essen aus Indien und dem mittleren Osten. Aber der Rest dort ist scheiße. Wirklich nicht leicht, dort ein gutes Abendessen zu finden. Das gilt auch für Portland, Oregon oder Seattlesehr schlechte Orte für gutes Essen. Und verregnet! Oh, aber falls jemand mal nach Milwaukee kommt, möchte ich den Butter Burger bei Solly’s Grill empfehlen. Ein Feuerwerk aus Fett und Fleisch!!! Der Song “Hit the Plane Down” erinnert mich an The Fall, wenn auch nicht so sehr wie “Two States” von eurem letzten Album Slanted and Enchanted. Welchen Fall-Song würdet ihr gerne mal covern? Ja, es ist wohl offensichtlich, dass wir The Fall mögen. Seltsamerweise haben die meisten uns bekannten Briten noch nie von ihnen gehört. Außer John Peel natürlich. Ich würde gerne „No Bulbs“ covern. Stephen hätte bestimmt auch Spaß, das zu singen. Eine sehr gute Wahl. Entweder den oder „The Classical“. Die Zeile ”I’ve never felt better in my life” wäre für Stephen wohl auch ideal. Auf Crooked Rain gibt es einen Song, “5 - 4 = Unity”, der nach Dave Brubeck klingt, etwas entfremdet, aber doch auffallend ähnlich. Woher kommt das? Ich nenne den immer „Dave Brubeck - Talent = Katastrophe“. Du warst früher bei den Dust Devils, jetzt bist du mit Julie Cafritz und Kim Gordon in der Band Free Kitten. Wie groß ist der Unterschied zwischen diesen Bands und Pavement? Der größte Unterschied ist wahrscheinlich, dass Pavement von Anfang an sehr beliebt waren. Folglich spielen wir in größeren Clubs, sind viel unterwegs. Das macht einerseits natürlich Spaß, geht aber auch mit mehr Verantwortung einher, weil man mehr Menschen zufrieden stellen muss. Kleine Konzerte wie mit den Dust Devils und Free Kitten sind da doch etwas entspannter. Zum Schluss noch die Frage, was es eigentlich mit dieser Pseudo-Kontroverse über “Range Life” auf sich hat? Als ob sich irgendjemand für die Trashy Bumpkins interessieren würde. Genau meine Meinung!!! Was für eine Kontroverse überhaupt? Reden wir lieber wieder über The Fall!
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