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von jeff johnson


  foto von getty


Vor kurzem, am 12. Juni 1994, wurde O.J. Simpsons Ex-Frau Nicole Brown Simpson in der schicken Enklave Brentwood in Los Angeles, Kalifornien, zusammen mit dem 25 Jahre alten Kellner Ronald Goldman umgebracht. Ich hatte noch nicht viel über Brentwood, das ein Stück westlich von Beverly Hills gelegen ist, gehört—außer in dem Copfilm von Alex Cox, Repoman, in dem eine der Figuren sagt, „John Wayne war eine Schwuchtel. Ich habe in seiner Bude in Brentwood Spiegelglas eingebaut.“ Es klingt nach einem krassen Ort voller Geld, wo gut betuchte Leinwandstars auf mutmaßlich mörderische alternde Footballgrößen treffen.

Na, auf jeden Fall wurde wenig später O.J. Simpson verhaftet, der seitdem in U-Haft sitzt und inzwischen vor Gericht steht. Es besteht wenig Zweifel, dass man ihn für schuldig befinden wird. Ende gut, alles gut, wie es so schön heißt. Abgesehen davon, dass wir dem Ganzen eine ernüchternde nationale Rassismusdebatte zu verdanken haben, derengleichen wir nicht mehr gehört haben, seit Rodney King vor drei Jahren vom LAPD niedergeknüppelt wurde.

Wir hatten das Glück, noch während der Verhandlungen ein Interview mit einem der Starzeugen des Falls, dem blonden, zaushaarigen Schauspieler und Beach Bum Kato Kaelin zu ergattern, der erst ein Jahr lang bei Nicole in einem Gästehaus wohnte und danach die sechs Monate bis zum Mord bei O.J. verbrachte. Man hat ihm die Hölle heiß gemacht, weil er keine Miete gezahlt hat. Sein Verhalten im Zeugenstand wurde als abwesend und wirr beschrieben. Auf die Frage, ob seine neuerliche Bekanntheit ihm helfen könnte, seine Schauspielkarriere voranzutreiben, erklärte der Direktor einer Casting Agentur der Los Angeles Times: „Er hat einen guten Look, aber er strahlt keine Stabilität aus.“ Na ja, wir mögen den Typ trotzdem.


Vice: Die Leute haben dich als einen Nichtsnutz oder eine Art Hausjungen beschrieben. Als einen Mann, der es fertig bringt, sich bei einem der größten Spieler in der Geschichte der NFL einzuschleichen, um mit ihm Burger holen zu fahren und der dann nicht mal den Anstand hat, ihn statt zu einem McDonalds wenigstens zu In-N-Out zu fahren.
Kato Kaelin:
Das ist das größte Vorurteil, mit dem ich konfrontiert werde. Ich arbeite ja. Ich habe seit sieben Jahren meine Mitgliedskarte in der Screen Actors Guild.

Du hast in den 80ern Werbespots gemacht, richtig?
Mein erstes Vorsprechen in Kalifornien war für eine Coca Cola-Reklame. Ich hab den Job gekriegt. Dann bekam ich eine Rolle—eine Hauptrolle—in einem Film namens Beach Fever. Wenn du mal Zeit auf einem Flugzeugträger verbringst, siehst du ihn vielleicht. Dann dachte ich, dass es vielleicht gar nicht so schwer ist, aber der Konkurrenzdruck ist wahnsinnig groß. Also habe ich dann in einem Restaurant namens Bobby McGees gearbeitet, wo alle Angestellten sich als Filmcharaktere verkleiden und Späße mit den Kunden machen. Das waren alles Schauspieler.

Und als die 80er ihren Lauf nahmen, hast du auch geheiratet und bekamst ein Kind. Davon redet überhaupt keiner.
Ja. Ich habe sehr früh geheiratet. Ich weiß nicht, ob du irgendjemand kennst, der bei seiner Hochzeit noch Jungfrau war, aber ich war es. Das macht die katholische Erziehung. Rückblickend denke ich, dass das ein Riesenfehler war. Wenn man seinen Hochzeitsempfang bei Chuck E. Cheese abhält, ist klar, dass man zu jung ist.

Vielleicht hatte es was damit zu tun, dass du deine Jugend komplett im Mittleren Westen verbracht hast. Du bist in der Nähe von Milwaukee aufgewachsen und dann an eine Universität in einer kleinen Stadt in Wisconsin gegangen. Wann hast du Eau Claire in Wisconsin dann schließlich verlassen und warum?
Mein Antrieb, nach Kalifornien zu gehen, kam daher, dass ich an der Schule mit Freunden zusammen eine Fernsehshow machte und mir dann sagte, „Oh Gott, ich muss es weiter bringen als Eau Claire.“ Ich war sozusagen infiziert. 1980 zog ich nach Kalifornien.

Ich habe gehört, dass du, als du nach Kalifornien gingst, ursprünglich daran dachtest, Baseball-Spieler zu werden?
An der High School gewann mein Team die Meisterschaften unseres Staats und ich schaffte es in Eau Claire in meinem ersten Jahr ins Schulteam. Dann begann ich mir wohl was einzubilden. Ich bin an die Cal State in Fullerton gewechselt, die eine tolle Baseballschule ist. Ich kam da an, sah mir das Team an und merkte, dass ich im Vergleich mit denen aussah wie 12 oder 13. Das war die Zeit, als Mark McGwire für die University of Southern California spielte. Die saßen dann mit in unseren Konferenzen. Diese Typen waren alle absolute Hünen. Also sagte ich, „Nein danke,“ und begann stattdessen Veranstaltungen in unserem Collegepub zu moderieren. Dann machte ich bei einem Theaterstück mit, und das war’s.

Wie kam es, dass du O.J. Simpson trafst?
Nach einer Weile hatte ich, zusammen mit einem Partner, einem Schauspielerkumpel, der Grand Kramer hieß, eine Casting Agentur eröffnet. Grant hatte außerdem ein Schauspielstudio und spielte bei General Hospital mit [Anmerkung der Redaktion: Er meinte wohl Schatten der Leidenschaften]. Wir machten eine Komparsenagentur auf. Wir hatten einen Vertrag mit einer Firma, die damals solche B-Movies machte. Lorenzo Lamas spielte bei vielen davon mit. Und Don „The Dragon“ Wilson, so ein Karatetyp. Ich war als Wrangler für die Betreuung der Leute verantwortlich, also arbeitete ich 14 bis 15 Stunden am Tag und das war so ziemlich alles, was ich tat. Die Geschäfte liefen gut, also machten Grant und ich Urlaub in Aspen, wo ich Nicole kennenlernte—Grant kannte sie schon. Wir verstanden uns sofort super. Ich lebte zu der Zeit in Hermosa Beach und der lange Weg zur Arbeit nervte mich, also sagte sie, dass ich in einem ihrer Gästehäuser in Brentwood wohnen könnte. So fing alles an. Ich hatte ein Jahr bei Nicole und sechs Monate bei O.J. gewohnt, als das mit dem Mord passierte.

Also sah ein typischer Tag in deinem Leben vor dem 12. Juni nicht so aus, dass du dich den ganzen Tag von O.J. aushalten lassen oder mit ihm rumgehangen hast?
O.J. und ich sind nicht Typen, die rumhängen. Ich lebte in einem Haus, das hinten auf dem Grundstück eine ganze Ecke vom Haus entfernt lag, aber wenn ich ihn traf, war er sehr freundlich. Wenn er vorbeikam, sagte ich extra immer, „Hey, wie läuft’s?“ Er hatte viele Freunde, aber wenn er einsam war, kam er definitiv vorbei, um was zu unternehmen. Er kam dann und klopfte an.

Hattet ihr beide im Laufe dieser sechs Monate auch tiefer gehende Unterhal-tungen, oder blieb eure Beziehung oberflächlich?
Zunächst blieb alles oberflächlich, aber dann gab es Momente, wo er bestimmte Phasen hatte—sich mit Mädchen traf und sich fragte, warum er nicht die Richtige fand oder warum Nicole sich mit anderen Männern traf, und dann redeten wir. Um es kurz zu machen, glaube ich, dass O.J. ein Typ ist, der seinen Teil vom Kuchen will und dann auch noch jede Menge vom Kuchen anderer Leute. Das ist wirklich so. Er liebt es, von der Menge angehimmelt zu werden. Er liebt es, wenn die Leute sich ihm zuwenden. Aber ich weiß nicht viel darüber, was in seinem Haus los war. Ich war fast jeden Abend unterwegs. Ich bin eigentlich kein Party- oder Drogentyp, aber ich bin fast immer mit Freunden unterwegs. Bei mir ist immer viel los.

Wie sah ein typischer Abend bei dir vor dem Mord aus?
Na ja, ich habe mich mit Mädchen getroffen, denn an den Sets lernte ich viele kennen. Und mit „Treffen” meine ich tatsächlich einfach nur Ausgehen und Spaß haben. Heutzutage gibt es ja Leute, die im Auto Telefone haben, die wirklich funktionieren. Ich fuhr also mit Freunden durch die Gegend und wir hatten dieses riesige Prinzessinnentelefon mit einer runden Wählscheibe und einer Schnur. Es war ein Gag. Ich tat dann so, als würde ich Leute anrufen. Und wenn wir neben einem anderen Auto anhielten, leierte ich das Fenster runter und sagte, „Entschuldigung, das ist für dich,“ und dann redete ich mit dem Mädchen in dem Auto neben uns.

Die üblichen L.A.-Spinnereien... Hat O.J. irgendwie die Kontrolle über sein Leben verloren?
Er spielt viel Golf und Karten. Er stand damals, glaube ich, bei NBC unter Vertrag, und war Ansager für die Football Spiele der University of Notre Dame. Er saß bei zwölf Firmen im Aufsichtsrat. Jetzt haben sie ihn wegen des Prozesses alle fallen lassen. Eine davon war die Schweizer Armeemesser-Firma.

Hat er Miete von dir verlangt?
Ich hab viel aufs Dach gekriegt, weil ich mich angeblich durchschnorren würde, aber bei Nicole habe ich Miete gezahlt und bei O.J. war es so, dass er sagte, „Ich brauche dein Geld nicht.“ Ich habe ihm angeboten, jeden Monat Miete zu zahlen.

Am Abend des Mordes hast du O.J. zu McDonalds begleitet. Du konntest ihn nicht wenigstens überreden, zu In-N-Out zu gehen, wie?
Ich jogge jeden Tag 15 bis 25 Kilometer. Ich laufe in L.A. bei Marathons mit. Ich war am Verhungern, also hängte ich mich an ihn dran. Ich wusste nicht, dass wir zu McDonalds fahren würden. Im Nachhinein denke ich, dass O.J. nicht wollte, dass ich mitkomme, als hätte er sich gedacht, „Oh nein, was mach ich jetzt?“ Ich glaube, er plante etwas. Ich habe wahrscheinlich seinen Zeitplan total durcheinander gebracht.








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