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DOS & DON'TS
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![]() von jim finn illustrationen von tara sinn fotos von AP
Das mit den Atomwaffen wird dir hoffentlich nicht so schwer fallen. Besonders, wenn man bedenkt, dass der nordkoreanische Staatsverlag vor nur drei Jahren, 1991, das Pamphlet For A Free and Peaceful New World veröffentlichte, das auf ein paar der beliebtesten Aussprüche des Großen Führers aufbaut, darunter vor allem folgendem: „Das koreanische Volk, das sich einer permanenten Bedrohung durch Kernwaffen gegenüber sieht, schlägt als eine für das Schicksal der Nation überlebenswichtige Frage die Abschaffung der nuklearen Waffen vor.“ In Anbetracht dessen war es zugegebenermaßen ziemlich ungeschickt von Präsident Clinton, vor ein paar Monaten den entrückten ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter loszuschicken, um den Meister der widersprüchlichen Aussagen Kim Il-sung zu überzeugen, sein nicht gerade geheimes und monströses Atomwaffenprogramm im Austausch für ein bisschen Öl und Hilfe bei der Entwicklung von Atomkraftwerken aufzugeben. Das Ergebnisdas Genfer Rahmenabkommenzielt darauf ab, die Verbreitung von nuklearen Waffen einzudämmen und ein paar erste Grundsteine für die Beziehungen mit Kim Jong-ils jungem Regime zu legen. Jetzt, wo Papa nicht mehr da ist, müsste der kleine Kim Jong-il die Dinge eigentlich nur noch durchwinken. Aber leider weiß jeder außer der nordkoreanischen Bevölkerung, dass Kim Jong-il ein Brandy schlürfender, Schauspielerinnen schwängernder, verwöhnter reicher Bengel ist, der sich einredet, die Künste in Nordkorea fördern zu können, indem er spannende Propagandafilme produziert. Mit Kim Jong-il erleben die Bürger Nordkoreas die zweite Auflage eines Personenkults, der aus einer saftigen Mischung aus antiwestlicher Propaganda, ein paar Brocken autokratischem Stalinismus und einer Prise revolutionärem Maoismus besteht.
In den 70ern konnte Kim Jong-il seine Macht festigen. In den frühen 80ern begann er, in kitschigen Portraits zu erscheinen, wie er neben Weizenhalmen steht und seinen Vater auf die neuen Traktorreifen aufmerksam macht. Papa und Junior waren wiederholt Seite an Seite in den Wochenschauen des Fernsehens zu sehen, wo sie das Design von Damenschuhen begutachteten oder Tanzschritte bewerteten. Kim Il-sung wurde schrittweise zu einer Art gütigen Großvater-Figur, während Kim Jong-ils Haartolle immer allgegenwärtiger erschien. Und so wurde seither Stück für Stück mehr und mehr der Geliebte Führer von 1994 aus ihm. Es ist wahrscheinlich eine Tatsache, dass Kim Jong-il die Regierung insgeheim bereits das letzte Jahrzehnt über geführt hat. Der Wechsel zur offiziellen Macht sollte also eigentlich seinen üblichen, leicht paranoiden Gang gehen, wenn da nicht das Problem mit der Nahrungsmittelversorgung und den verdammten Kernwaffen wäre. So sehr der nordkoreanische Staat an seine Unabhängigkeit glauben möchte, er ist dennoch von den Subventionen der UdSSR und seines wichtigsten Handelspartners China abhängig. Nur sind Boris Jelzin und seine Kumpane momentan zu sehr damit beschäftigt, daran herumzufeilen, wie sie junge Frauen zum Hauptexportgut des Landes machen können und nebenbei die Ölvorkommen der Welt wegzuschlabbern. Außerdem hat China sich noch nicht vom Fall der Berliner Mauer und der Scheiße am Platz des Himmlischen Friedens erholt. In anderen Worten ist Nordkorea, jetzt, wo seine kommunistischen Supermacht-Kumpels nicht mehr bereitstehen, um ihm durch schwierige Zeiten zu helfen, das globale Äquivalent eines unscheinbaren, unterentwickelten Mädchens, dass nie von einem anderen Land auf ein Date eingeladen werden wird. Besonders wenn das Nuklearwaffenabkommen mit den Vereinigten Staaten flöten geht. Kim Il-sung war, zumindest privat, fest davon überzeugt, dass der Aufbau eines eigenen nuklearen Arsenals die einzige wirkliche Rückversicherung dagegen ist, von der neuen post-sowjetischen Weltordnung verschluckt zu werden. Aber wer weiß schon, wie Junior das sieht. Ist es zu spät, um ihn noch vom Gegenteil zu überzeugen?
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