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WER HAT HUNGER? - TEIL 2

Ein Interview mit Issei Sagawa, Kannibale

INTERVIEW UND FOTOS: TOMOKAZU KOSUGA

In seinem neuen Buch, Extremely Intimate Fantasies of Beautiful Girls, schreibt Sagawa über berühmte Frauen wie Audrey Hepburn, Grace Kelly, Leni Riefenstahl und Julie Delpy und hat das Ganze selbst illustriert.

Hast du sie roh gegessen?

Zum größten Teil ja. Erst biss ich ihr in den Po, um mich direkt durch ihn durch zu mampfen, aber das ist völlig unmöglich! Die menschliche Haut ist viel zu dick. Ich hörte auf, weil mir der Kiefer zu sehr wehtat, obwohl ich immerhin ein paar Bisswunden hinterließ. Ihre Klitoris habe ich mitsamt ein paar Schamhaaren ohne zu kauen runtergeschluckt, weil sie gerade ihre Tage hatte und der Geruch einfach widerlich war. Aber das war der erste Moment, wo ich so etwas wie sexuelle Lust beim Essen verspürte—als stünde das Innere meines Körpers in Flammen. Und, kennt ihr diesen Geruch nach Tier, den Rind- oder Walfleisch an sich haben? Menschliches Fleisch riecht nach gar nichts. Ich glaube wirklich, dass Menschenfleisch die leckerste Fleischsorte ist. Es hat nicht diesen animalischen Tiergeruch. Als ich ein paar Tage später, kurz vor meiner Verhaftung, noch einmal von ihrem Fleisch aß, war es süßer geworden und schmeckte toll. Das Fleisch an der Unterseite ihrer Füße roch allerdings schlecht und schmeckte auch nicht besonders. Am besten war der Hals. Das Fleisch wird immer zarter, je weiter oben vom Körper es kommt, besonders vom Rumpf aufwärts. Ihre Zunge war auch sehr delikat. Ich holte sie ihr aus dem Mund und kaute sie roh. Weder an der Zunge, noch am Hals ist aber wirklich viel dran. Wenn du dir also so richtig den Magen vollschlagen willst, solltest du dich an die Schenkel halten.

Ich mache einfach mal mit meinen Fragen weiter, damit ich mich dann schnell wieder von hier verpissen kann. Würdest du sagen, dass du das menschliche Fleisch gegessen hast, um deine Unsicherheiten zu überwinden?

Nein, so konzeptuell ist es bei Weiten nicht. Es ist einfach ein Fetisch. Außerdem wollte ich eigentlich nur in sie reinbeißen und ein bisschen von ihr kosten und nicht ihr Fleisch konsumieren. Natürlich habe ich immer noch diesen sexuellen Appetit darauf, den Körper einer schönen Frau zu essen. Wenn ein normaler Mann zum Beispiel auf ein Mädchen steht, verspürt er ja den natürlichen Wunsch, sie so oft wie möglich zu sehen, ihr nahe zu sein, sie zu riechen und zu küssen, stimmt’s? Und für mich ist das mit dem Essen nur eine logische Fortsetzung davon. Die Allgemeinheit versteht das natürlich nicht. Aber das Ding ist, klar, ich will das Mädchen essen, aber ich will sie dabei ja nicht unbedingt umbringen. Wenn sie tot ist, ist sie nur eine Leiche—ein „Ding“. Wenn möglich, würde ich sie lieber lebend essen. Um ehrlich zu sein, verstehe ich gar nicht, dass nicht jeder dieses Verlangen hat, andere Leute zu verspeisen. Verspürst du das nie?

Sagen wir mal, mir reicht ein zartes Anknabbern.

Das sagen sie alle. Aber was ist so schlimm am Essen? George Bataille glaubte, dass der Kuss der Anfang des Kannibalismus sei, und ich stimme ihm da zu. Ich finde, dass es demselben Instinkt entspringt, den anderen zu „schmecken“. Aber das ist wohl nur meine persönliche Meinung.

Hast du immer noch diesen kannibalischen Drang?

Oh ja, definitiv. Der Wunsch jemanden zu essen, wird im Juni besonders stark, wenn die Frauen weniger tragen und mehr Haut zeigen. Erst heute sah ich auf dem Weg zum Bahnhof eine Frau mit einem wirklich ansprechenden Hinterteil. Wenn ich so was sehe, denke ich darüber nach, bevor ich sterbe, noch einmal jemanden zu essen. Die Antwort ist also: Ja, ich habe diese Wunschvorstellungen immer noch und diesmal will ich vor allem eine Japanerin essen. Ich denke Sukiyaki oder Shabu Shabu [leicht angegarte dünne Scheiben] wären die beste Art, den natürlichen Geschmack des Fleisches richtig zur Geltung zu bringen. Kannst du in eurer Zeitung bitte einen Rundruf an alle Leute starten, die sich von mir essen lassen würden? Aber es gibt eine Bedingung: Es müssen junge, hübsche Frauen sein.

OK, ich glaube das kriegen wir hin. Also. Hallo Frauen (besonders die jungen hübschen Japanerinnen unter euch), wenn ihr das lest: Issei Sagawa möchte euch gerne essen. Wenn ihr gerne von ihm ermordet und verspeist werden würdet, meldet euch bitte bei unserem Büro in Tokio und wir leiten das dann weiter.

Schau mal, was ich damit meine, ist, dass ich den Gedanken nicht ertrage, dieses Leben hinter mir zu lassen, ohne dieses Gesäß zu kosten, das ich diesen Morgen gesehen habe, oder ihre Schenkel. Ich möchte das noch mal essen, solange ich noch lebe, so dass ich wenigstens befriedigt sterben kann. Ich bin vermutlich egoistisch, aber wenn ich es wirklich noch einmal durchziehen könnte, hätte ich danach kein Problem damit, auf der Guillotine oder am Galgen zu enden. Ich habe keinerlei Zweifel, dass ich noch einmal Menschenfleisch essen möchte. Es schmeckt einfach zu gut. Es heißt immer, dass menschliches Fleisch nicht schmeckt, aber das wird nur behauptet, weil es ein Tabu ist, das nicht überschritten werden darf. Wenn die Leute die Wahrheit wüssten, wäre ich mir sicher, dass alle Männer anfangen würden, Frauen zu essen. Also redet keiner darüber, weil sonst ein völliges Chaos ausbrechen würde. Aber ich sage euch, Menschenfleisch ist extrem lecker.

Interessierst du dich noch für andere Sachen außer Menschenfleisch, zum Beispiel für Exkremente?

Exkremente zu essen, geht mir zu weit. Aber ich hatte einmal eine Bekannte, die mich ihre Pisse und Spucke trinken ließ. Jetzt macht sie das nicht mehr, weil sie verheiratet ist. Aber vorher stellte sie sich oft über meinen Kopf und pisste mir direkt in den Mund. Es war wirklich lecker und hat überhaupt nicht gestunken. Das Komische war, nachdem sie ihr Kind bekommen hatte, brachte sie mir Flaschen mit ihrer Pisse zum Trinken, aber ich kriegte sie nicht runter, weil es irgendwie nach Mutterschaft roch, nach einer Mutter, die sich um ihr Baby kümmert. Es ist schrecklich, so was zu sagen, aber ich glaube, ich begann sie mehr als „Mutter“ zu sehen denn als ein sexuelles weibliches Wesen.

Gibt es etwas, das du den Mädchen, die das hier auf der ganzen Welt lesen, sagen möchtest?

Sicher. Ich möchte alle Frauen, die mich umbringen wollen, einladen sich bei mir zu melden. Aber nur schöne Frauen. Das wäre für mich die ideale Art zu sterben. Vielleicht könnte sie mir etwas Morphium spritzen, damit ich die Schmerzen nicht so merke—obwohl die Schmerzen natürlich ein Teil des Vergnügens sind. Sofort tot zu sein, ist langweilig, also würde ich den Prozess, getötet zu werden, gerne in Ruhe auskosten. Eine Variante wäre, in der Spucke von Frauen zu ertrinken. Wäre es nicht toll, von oben bis unten voller Frauenspeichel zu sein? Wenn ich darin ertrinken könnte, wäre das die Verwirklichung meines größten Traums. Ich bin ein Feigling, der zwar eine andere Person ermordet hat, aber es nicht schafft, sich selbst umzubringen. Von den Händen einer Frau zu sterben, wäre für mich also eine Art Sühne.

Was denkst du, würdest du jetzt machen, wenn du damals in Paris nicht abgedrückt hättest?

In meinem Alter ist es nicht ungewöhnlich Kinder zu haben. Was ich am meisten bereue, ist, dass ich meinen Eltern kein Enkelkind schenken konnte. Warum zum Teufel musste ich an diesem Tag den Abzug drücken? Es war eine winzige Handbewegung, die alles verändert hat. Es hat eine kolossale Auswirkung auf mein Leben gehabt. In dem Moment, wo ich sie tötete, dachte ich instinktiv: „Jetzt bin ich kein Mensch mehr.“ Ich denke, es wäre sehr viel leichter für mich gewesen, wenn ich die Todesstrafe bekommen hätte. Es ist wahnsinnig schwer, in aller Öffentlichkeit weiterzuleben. Das ist Grund genug, nie wieder so ein Verbrechen zu begehen! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer es ist, unter ständiger Überwachung durch die Gesellschaft zu leben. So gesehen finde ich wirklich, dass die Todesstrafe die Leute nur von ihren Leiden erlöst und also eher das Gegenteil einer Bestrafung darstellt. Die Familien der Opfer sagen immer: „Wir werden demjenigen nie vergeben, selbst wenn sie ihn zum Tode verurteilen“, und das, obwohl es die härteste Strafe sein soll. Es ist völlig bedeutungslos. Sogar bei lebenslanger Haft geben sie dir im Gefängnis Kleidung, Nahrung und Unterkunft und lassen dich arbeiten. Wenn du hingegen draußen in der Gesellschaft lebst, musst du dich selbst ernähren und eine Bleibe finden. Gibt es eine schlimmere Bestrafung? Es ist brutal.

Wovon lebst du im Moment?

Im Sommer 1989 brachte ein Serienmörder namens Tsutomu Miyazaki mehrere junge Mädchen um und die Massenmedien strömten plötzlich zu mir und fragten mich nach meiner Meinung zu dem Fall. Dieses Medieninteresse führte dann dazu, dass in verschiedenen Magazinen Beiträge von mir veröffentlicht wurden. Seitdem bringe ich im Jahr ein bis zwei Bücher heraus. Vor kurzem erschien mein zwanzigstes Buch. Es heißt Gokushiteki Bijyogenso [Extrem intime Fantasien hübscher Mädchen]. Es schildert in Bildern und Worten meine Gefühle Frauen gegenüber, wobei es nicht vordergründig um Kannibalismus geht. Ich hoffe, dass die Leute, die es lesen, wenigsten aufhören, mich als Monster zu sehen.


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