NEWSLETTER



DOS & DON'TS

Chemical castration for pedophiles, yeah, yeah, whatever. Can we please start talking about what the punishment will be for the people who went to see I Hope They Serve Beer in Hell instead? Comments/Enlarge | See all


If anything’s going to cut through all the divisive bullshit surrounding immigration and bring us all together it’s not going be some corny political slogan or a song or even a chain of restaurants. It’s got to be something profound and universal. Like embarrassing dads. Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

CHINGA TU MADRE - PART 4
(Und deine Schwester und deine Nachbarin ...
PUTTING A DONK ON IT
Nicht alle Engländer wissen, wie man Metr...
FAMILIENGESCHÄFT
Telepathe über die Vorzüge einer Theremin...
WILD AMERICA
Von Wells Tower





(*Die walisische Selbstmordseuche)


INTERVIEW: BRUNO BAILEY, ILLUSTRATIONEN: LAURA PARK


In Bridgend, im Süden von Wales, kann man beim Floristen für 40 Pfund einen herzförmigen Trauerkranz erwerben. Ein Kruzifix in angemessener Größe kostet etwa 50. Die tränenförmigen und die klassisch runden Kränze sind etwas billiger zu haben, um die 30, aber das ist immer noch recht viel Geld für eine runtergekommene Kleinstadt mit der zweithöchsten Arbeitslosenrate des Landes. Wie in den meisten Städten in dieser Region ist es auch dort weitestgehend grau und nass und die Jugendlichen finden keine Jobs. Seit die Kohlebergwerke dichtgemacht haben, sind keine neuen Industrien entstanden. Nur einmal kam Bridgend im letzten Jahr zu trauriger Berühmtheit, als die 17-jährige Natasha Randall kurz nach Neujahr erhängt aufgefunden wurde. Der fotogene Tod des Mädchens schaffte es in die britischen Nachrichten, und bald stellte sich heraus, dass dieser Fall nur einer von vielen in dem vernebelten Städtchen war. Natashas guter Freund Liam Clarke hatte sich ein paar Wochen zuvor getötet. In einem Zeitraum von anderthalb Jahren haben sich 23 junge Menschen in dieser Gegend das Leben genommen. Fast alle erhängten sich, einige zu Hause, andere in Parks oder in leerstehenden Gebäuden. Wir sprachen mit Darren Matthews, dem Ortsvorstand der Samariter in Bridgend, über die ungewöhnliche Häufung von Selbstmorden in seiner Stadt.

Vice: Was zur Hölle ist hier los?

Darren Matthews:
Nun, die Reihe von Selbstmorden, über die gegenwärtig berichtet wird, begann im Januar 2007. Aber eigentlich gab es hier schon immer derartige Vorfälle. Im Januar 2007 hat sich der 18-jährige Dale Crole in einem alten Lagerhaus erhängt. In den Folgemonaten gab es weitere Fälle, einige davon waren Dales Freunde. Das passierte alles 2007, alle Opfer waren männlich. Im Januar 2008 gab es dann das erste weibliche Opfer. Das war Natasha Randall. Nach ihrem Tod schien sich die Frequenz von Selbstmorden in dieser Gegend weiter zu erhöhen. Kurz darauf wurde die erste Zeitung darauf aufmerksam, sie schrieb von einer „Selbstmordsekte“. Da wurden dann weitere Medien aus der ganzen Welt auf das Problem aufmerksam.

Ja, das macht was her. Wie viele Tote gab es insgesamt?

Die Selbstmordreihe von der die Medien berichten, bestand aus 23 Opfern, aber es gab während dieser Zeit noch einige Fälle, die nicht in den Nachrichten waren. Zwei oder drei weitere Personen haben sich umgebracht, aber sie waren wohl etwas zu alt, um in die Story zu passen, die die Zeitungen erzählen wollten, deswegen fanden sie keine Erwähnung.

Die Zeitungen schrieben von einer Sekte, einem Selbstmordnetzwerk. Ist das alles Blödsinn? Wie eng waren die Verbindungen der Opfer untereinander?

Nach Angaben der Polizei und der Gerichtsmedizin gab es keinen Zusammenhang zwischen den Selbstmorden. Aber es ist allgemein bekannt, dass einige der Opfer befreundet waren. Kommt also drauf an, was du mit „Verbindungen“ meinst. Es gab Leute, die sich umbrachten, nachdem sich ihre Freunde getötet hatten. Wir wissen, dass einige Opfer zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammen gewohnt haben. Drei Jungs haben in der gleichen Straße gewohnt. Das bisher jüngste Opfer war ein 15-jähriger Junge, der zunächst auf der Intensivstation gelandet ist. Während er im Krankenhaus lag, hat sich seine 20-jährige Cousine erhängt. Er starb dann ein paar Tage später. Sie waren beinahe Nachbarn.

Hört sich verdächtig an. Aber Bridgend hatte schon immer eine hohe Selbstmordrate, oder? Gibt es dafür eine Erklärung?

Der ganze Süden von Wales hat eine sehr hohe Selbstmordrate—tatsächlich sogar die höchste in Großbritannien. Verschiedene Leute werden dir verschiedene Gründe dafür nennen. Auf jeden Fall ist dies eine der ärmsten Gegenden im Königreich, sehr viele Menschen sind arbeitslos oder krank. Es gibt also soziale und ökonomische Faktoren, die bei manchen Todesfällen eine Rolle spielen, aber nicht notwendigerweise bei diesen hier.

Woran liegt es dann? Warum so viele Tote in so kurzer Zeit, auf so engem Raum?

Es gibt nichts Spezifisches an Bridgend, das diese Fälle erklären würde. Wir gehen von einer Art Ansteckungseffekt aus.

Was soll das sein, eine Art ansteckendes Selbstmordfieber?

Nein. Zunächst wollte niemand etwas davon hören, aber mittlerweile scheint es immer mehr Leuten eine plausible Erklärung zu sein. Man spricht vom sogenannten Werther-Effekt, benannt nach Goethes Die Leiden des jungen Werther.

Und was ist das?

Gegen Ende des Buches nimmt der Protagonist, Werther, sich das Leben. Er tut dies auf eine ganz bestimmte Weise und trägt eine Art Tracht. Nachdem das Buch Ende des 18. Jahrhunderts veröffentlicht wurde, gab es mehrere Nachahmungstäter. Der Werther-Effekt bedeutet, dass ein Selbstmord eine Art Vorbildfunktion auf andere hat, eine Art Rechtfertigung für sie, ihr eigenes Leben zu nehmen—so scheint es zumindest.

Welche Rolle spielen die Medien dabei?

Eine sehr wichtige, denn sie verbreiten die Informationen. Deswegen fordern wir auch strengere Regeln für eine verantwortungsvolle Berichterstattung. Man muss ein Opfer nicht persönlich kennen, um sich von einem Selbstmord betroffen zu fühlen.

Was machen die Medien denn falsch?

Wenn jemand von den Beweggründen einer anderen Person erfährt, kann das auch gefährlich sein. Stell dir vor, jemand in der Stadt hat Schulden und Beziehungsprobleme, schließlich hängt er sich auf. Wenn die Zeitungen darüber berichten, ist das in Ordnung—vorausgesetzt, sie tun es auf angemessene Weise. Wenn sie aber den Selbstmord und die Gründe dafür bis ins kleinste Detail schildern, könnten andere Personen sich davon angesprochen fühlen. Ein anderer Kerl, der auch Beziehungsprobleme hat, denkt dann vielleicht: „Hey, vielleicht gibt es wirklich keine Hoffnung mehr. Vielleicht sollte ich das auch machen.“

Und so könnte dann eine Kettenreaktion ausgelöst werden?

Ich möchte nicht unterstellen, dass die Medienberichte direkt für die Selbstmorde verantwortlich sind. Dafür gibt es keine Beweise. Aber wir können schon sagen, dass die Berichterstattung negative Auswirkungen auf die Gemeinschaft hier hatte—vor allem die Veröffentlichung der Fotos von den Opfern. Fast jeden Tag gab es so eine Story. Stell dir vor, du musst das Foto eines toten Freundes oder Verwandten immer und immer wieder auf der Titelseite der Zeitungen sehen. Und dann zum Geburtstag noch mal. Das hatte wirklich einen schlimmen Effekt auf viele Bewohner. Auch die Überschriften ließen zum Teil sehr zu wünschen übrig, „Die Selbstmord-Stadt“ und solche Sachen.

Nicht sehr rücksichtsvoll.

Und dann gab es diese Sachen mit den Selbstmordforen im Internet. Das hat viele Menschen hier sehr wütend gemacht. Die Stadt steht immer noch unter Schock.

Was hältst du von den wiederholten Vorwürfen, dass soziale Netzwerke im Internet eine Mitschuld haben?

Auch dafür gibt es keine Beweise. Klar hatten viele der Opfer Profile bei solchen Websites, aber welcher britische Teenager hat das heute nicht? Manche Leute sahen einen Hinweis darin, dass nach den Selbstmorden häufig Nachrichten auf den Profilseiten der Verstorbenen hinterlassen wurden. Aber für meine Begriffe ist das nichts anderes, als wenn eine Großmutter in ein Kondolenzbuch schreibt. Das ist nur eine andere Art, um sein Beileid und seinen Respekt auszudrücken.

Welche Langzeiteffekte hatten die Selbstmorde auf andere Menschen, die hier leben?

Es gibt auch ein paar positive Auswirkungen, die Menschen sprechen jetzt offener über das Thema Selbstmord. Zuvor war es lange Zeit ein Tabu. Es ist ein großes Problem in Wales, dass gerade junge Menschen nicht über ihre Sorgen sprechen. Sie sehen das als Zeichen von Schwäche, aber das ist Unsinn.


< Seite Zurück

COMMENTS