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Stealing emergency life jackets from planes is the new joining the mile high club. It doesn't hurt anybody (err nobody survives when planes land on water) and you're less likely to be tazered by the cabin crew, mid-poke. Comments/Enlarge | See all


I’m starting to think that the septum ring and the surface piercings and the connector chains and the filthy camo shirt with Discharge patches holding together the shoulder are all pretty integral to the overall shaved-headed look. When you take them away you just sort of look like you’re on your way home from concentration camp. Comments/Enlarge | See all






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DER TROUBLEMAKER - TEIL 2

Wie der Sänger der Crucifucks, Doc Dart, zu einem Mann mit dem Namen „26“ wurde

VON SAM MCPHEETERS

Ich hatte in der Woche vor meinem Treffen mit 26 mit dem ehemaligen Bürgermeister gesprochen und er sagte mir, dass er keinerlei Erinnerungen an eine derartig dramatische Verhandlung in dem Baseballkartenladen hatte, was ja schließlich eine öffentlich dokumentierte Angelegenheit hätte sein müssen. Als ich 26 davon erzählte, wirkte er enttäuscht, obwohl diese nachträgliche Zurückweisung einigermaßen in das allgemeine Bild des Desinteresses passte, mit dem man ihm 1989 begegnet war. Das Lansing State Journal hatte die Knallergeschichte, dass der Sänger der Crucifucks dem Bürgermeister der Hauptstadt von Michigan zum Wahlsieg verholfen hatte, nie weiterverfolgt.

1992 brachte Alternative Tentacles die beiden Crucifucks-Alben auf einer CD heraus. Auf der Rückseite der CD war ein Foto von einem auf offener Straße erschossenen Polizisten. Das Bild war ursprünglich auf einem Poster des Fraternal Order of Police (FOP) in Philadelphia erschienen und war Doc ein paar Jahre vor dem Erscheinen der CD von einem Fan zugesandt worden. Was Doc nicht wusste, war, dass es sich um ein gestelltes Foto handelte, auf dem der Polizist für eine PR-Kampagne mit Blut beschmiert auf dem Boden liegend posiert hatte. („Du würdest dein Leben nicht für eine Million Dollar opfern“, stand auf dem Poster. „Ein Polizist in Philadelphia tut das für sehr viel weniger. Die Polizei braucht deine Unterstützung.“)

Drei Jahre nach ihrem Erscheinen fand ein Freund dieses Polizisten die CD in Philadelphia bei Borders Books. Der FOP verklagte Borders, Alternative Tentacles und die Crucifucks, was vielleicht das einzige Mal in der amerikanischen Rechtsgeschichte war, dass ein Zivilverfahren ein Schimpfwort im Titel trug. Doc wurde seine Vorladung offiziell in seinem Baseballkartenladen überreicht, aber nachdem man die Anklage gegen Borders zurückgezogen hatte, wurden Alternative Tentacles von niemandem über den Vorgang in Kenntnis gesetzt und im November 1996 erzielten die Kläger für das Nichterscheinen vor Gericht eine Verurteilung zur einer Strafe von 2,2 Millionen Dollar. Obwohl klar war, dass dem Fall fast jegliche rechtliche Grundlage fehlte und die Firma zudem nicht ordnungsgemäß informiert worden war, brachte die Entscheidung des Gerichts das Plattenlabel in die unglückliche Position, ein Urteil rückgängig machen lassen zu müssen, dass den Ruin ihrer Firma bedeutet hätte, wenn es tatsächlich vollstreckt worden wäre.

Doc fuhr zu einer Anhörung des Berufungsverfahrens, fühlte sich aber im Großen und Ganzen in den Hintergrund gedrängt, da ihn seine finanzielle Lage dazu zwang, sich von den Anwälten des Labels mitvertreten zu lassen und da er auch jetzt wieder das Gefühl hatte, im Schatten Jellos zu agieren. Biafra hatte sein eigenes hochrangiges und sehr öffentlich ausgetragenes Verfahren wegen Obszönität 1986 gewonnen und Doc war sauer, dass sein Verfahren nicht auf ein vergleichbares Medieninteresse stieß. „Jedes Mal, wenn es ein Verfahren gegen die Dead Kennedys gab, haben sie die maximale Publicity dabei rausgeholt“, beschwerte sich 26 empört.

Der Fall wurde im Sommer darauf zu den Akten gelegt, weil der Polizist nicht eindeutig identifiziert werden konnte, da sein ausgestreckter Arm sein Gesicht verdeckte, und da der FOP, anders als eine natürliche Person, kein Recht auf den Schutz der Persönlichkeit hatte. 26 sagte mir, dass er es als „nette Wendung“ empfand, dass der FOP den Fall zunächst gewonnen hatte und sich schon „gefreut hätte“, nur um dann alles wieder zu verlieren. Aber er fühlte sich trotzdem noch betrogen, weil der Polizist auf dem Foto von Anfang an nicht wirklich tot gewesen war.

Dart/26 hat einen Großteil seines Lebens als eine halbe Karikatur fungiert, die Art Figur, die sich der Moderator einer rechtskonservativen Talkshow als Abschreckung ausdenken würde. Er hat auf Konzerten Flaggen verbrannt, sich über den Tod namentlich genannter Polizisten lustig gemacht und sich selbst immer als „pro-abortion“ statt als „pro-choice“ bezeichnet.

Linke hasst er aber genauso. Bei der berüchtigten Kundgebung des Ku-Klux-Klan in Lansing 1994 brüllte er erst den Klan an, dann die Polizei und dann die anderen Protestierenden. In unserem Gespräch behauptete er, dass die Angeklagten der Chicago Seven ihr Verfahren 1969 zu einer „totalen Farce“ verkommen lassen hätten. Als ich ihn zu seinem Crucifucks-Song „Lights over Baghdad“ befragte—der eine gewisse Sympathie mit Timothy McVeigh auszudrücken scheint—sagte er, das sei halt in den 80ern und 90ern seine Einstellung gewesen.

„Das kommt alles von meinem Hass auf die Regierung der Vereinigten Staaten.“

Es ist schwer vorstellbar, dass er diese vorgezeichnete Bahn verlassen hätte, wäre nicht eine noch stärkere Kraft in sein Leben getreten. Seit 1999 wird ein Großteil seines Tagesablaufs von seinen „mystischen Praktiken“, wie er es nennt, bestimmt, obwohl es so gut wie unmöglich schien, zu verstehen, was genau damit gemeint war, außer seinem exzessiven Lesen und den Atemübungen. Ich fühlte mich immer wieder bemüßigt, ihn zu fragen, ob ich seinen Tagesablauf mit meiner Anwesenheit durcheinander brächte. In unseren Gesprächen wurde er von Zeit zu Zeit sehr defensiv und sagte wiederholt, dass er sich nicht „für seine mystischen Praktiken entschuldigen müsse“, obwohl ihn keiner darum gebeten hatte. Wenn ich bestimmte Dinge nicht verstand, hatte das in seinen Augen mehr mit einer Fehlkommunikation zu tun, als mit einem Ausweichen seinerseits. Ich war bei ihm zu Hause und verlangte Antworten auf Dinge, die zu erklären, er schon lange aufgegeben hatte. „Mystizismus ist ein riesiges Thema“, sagte er mir schließlich, „und seine genaue Semantik ist kompliziert und schwer zu vermitteln.“

In seiner eigenen Umgebung ist 26s körperliches Auftreten das eines absoluten Einzelgängers, jemand, der völlig in etwas ganz tief in seinem Innern absorbiert ist. Während wir uns unterhielten, versuchte ich darauf zu kommen, an wen er mich erinnerte. An gewissen Punkten wurde er sehr lebhaft und stach mit einer unangezündeten Zigarette oder einem Cracker in die Luft, und in diesem Augenblick nahm sein Gesichtsausdruck die Art Galgenvogelmiene an, wie man sie von dem Schauspieler Chris Cooper kennt. In anderen Momenten wurde seine Stimme plötzlich tiefer und er erinnerte an den Schauspieler Ted Levin in seiner Rolle als Buffalo Bill, den zurückgezogenen Serienkiller aus Das Schweigen der Lämmer. (Später bot 26 selbst einen noch besserer Vergleich an: den Schauspieler Jim Varney. „Ich denke, ich könnte gut als der nächste Hey Vern-Typ durchgehen“, sagte er mit einem erneuten manischen Grinsen. „Ich glaub, das würde ich hinkriegen.“)

Seine Namensänderung entsprang weniger seinem Mystizismus als seinem Wunsch, sich von seiner alten Persönlichkeit zu distanzieren. In den 90ern hatte er es mit „Doc Corbin Dart“ oder der Abkürzung „D.C. Dart“ seines Großvaters versucht, aber er fand, dass keiner dieser Namen wirklich zu ihm passte. Die Nummer war ihm schon Jahre zuvor in einem Traum erschienen, aber wie auch mit seinem Widerwillen gegen die Polizei, hatte es keinen alleinigen Auslöser für die Namenswahl gegeben. 26 wies mich auch darauf hin, dass die Nummer, wie alle Kombinationen aus zwei Ziffern, andauernd irgendwo auftauche. „Du kriegst ständig kostenlose Werbung auf einen Namen! Stimmt’s oder hab ich recht!?“

„Als ich mit diesem Mystik-Ding anfing“, sagte er mir, „hatten viele der Originalquellen, die mir wichtig waren, etwas mit Männern zu tun, deren Kinder erwachsen waren, oder die sich absichtlich von ihren Familien getrennt hatten, um in einer Höhle oder einem Ashram oder so was zu leben. Man darf keine Ablenkungen im Leben haben, und da gehört Familie dazu. Also gab ich meinen beiden Kindern, als ich damit anfing, Bescheid, dass wir uns eventuell ein paar Jahre lang nicht sehen würden.“ Keiner der beiden war mit seinem Plan einverstanden. „Sie haben beide richtig fett aufgetragen.“ Er lächelte. „Das war ziemlich cool.“

Evan Dart lebt jetzt ein Stück weiter die Straße runter. Er ist 24, ein hübscher junger Mann mit einer sanften Stimme, der auf die unbestimmte Art punkig aussieht, die die jungen Leute im 21. Jahrhundert an sich haben, wenn sie eigentlich keinen Punkrock hören (Evan zieht elektronische Musik vor). Als ich ihn im Wohnzimmer traf, war ich überrascht, welche starke Ähnlichkeit sein Gesicht mit dem Polizeibild des jungen Doc hatte. 26 brachte uns beiden eine Dose Dr. Faygo und zog sich dann betont pflichtbewusst zurück, damit ich mich mit seinem Sohn unterhalten konnte, als würde er damit irgendwelchen rechtlichen Auflagen folgen.

Das Cover von Doc Darts Soloalbum Patricia (Alternative Tentacles, 1990).
Ich fragte Evan, ob er dachte, dass sein Vater einsam sei. Er sagte, dass er das nicht dächte, aber verstünde, dass die Atmosphäre mit den vernagelten Fenstern und der unterschwelligen Feindseligkeit der Nachbarn Einsamkeit sicher verstärken könnten. Da er in jungen Jahren zu seiner Mutter gezogen war, war ihm die öffentliche Seite der Persönlichkeit seines Vaters erst vor wenigen Jahren wirklich bewusst geworden. Wir redeten ein wenig über die lange depressive Krankengeschichte seines Vaters und ich fragte ihn, ob der Mystizismus ihm half. Evan verstummte und sagte dann: „Mein Gott, ja. Ich kann gar nicht beschreiben, wie viel glücklicher er ist. Seine komplette Persönlichkeit. Als er mit dem ganzen anderen Zeug aufgehört hat, hat er sich komplett verändert.“

Wir unterhielten und ein wenig über die Ereignisse, die dazu geführt hatten, dass das Haus mit Brettern vernagelt wurde. „Es tut mir weh, darüber nachzudenken—all das, was passiert ist, während ich nicht hier war. Wenn ich hier gewesen wäre, hätte ich ihm vielleicht helfen können. Schließlich waren einfach alle gegen ihn. Ich mache mir in der Beziehung schon Vorwürfe. Als ich weg war, ist so viel passiert. Und dann nach Hause zu kommen und mitzukriegen, wie sehr die Dinge sich verändert haben ... Das war schwierig.“

Am 11. September 2001 hatte 26 noch einen Fernseher. Er sah sich eine knappe Stunde an, wie der Horror in New York und Washington seinen Lauf nahm, dann schritt er zur Tat. Mit weißer Farbe schrieb er auf ein großes Stück Dachpappe: „11. SEPTEMBER—DIE GERECHTE STRAFE“, hängte das Schild an seine Hauswand und ging wieder zum Fernseher zurück. Später am Nachmittag klingelte ein Polizist bei ihm an der Tür. Er erklärte

26 höflich, dass seine Nachbarn sich durch das Schild

brüskiert fühlten, und dass die Polizei ihn zwar nicht davon abhalten könne, auf seinem Grundstück Schilder aufzuhängen, jedoch gleichzeitig auch keine Garantie für seine Sicherheit übernehmen könne. 26 nahm das Schild widerstrebend von der Wand. Den Rest der Woche über wurde er immer wütender über die Darstellung der Ereignisse in den Medien, die er für verzerrt und übertrieben hielt, und als das Land Geschlossenheit demonstrierte und die nationalen Debatten in Richtung Krieg wiesen, fühlte er sich aufgestachelt. An diesem Sonnabend begann er, weitere Schilder aufzuhängen:

„DEMOKRATIE: EIN MYTHOS“
„FREIHEIT: EIN ABERGLAUBE“
„BUSH: NEUREICHER VOLLIDIOT, WURM UND KAPITALISTENSCHLAMPE“
„PATRIOTISMUS IST AUSDRUCK EINES GEHEIMEN WUNSCHES, IN DEN ARSCH GEFICKT ZU WERDEN“
„AMERIKANISCHER TERROR IM IRAK STELLT DEN 11. SEPTEMBER IN DEN SCHATTEN“
„DIE U.S.-TRUPPEN TERRORISIEREN WIE FEIGLINGE VOM HIMMEL AUS. SIE GEHÖREN IN LEICHENSÄCKE“

Da 26s Haus sich an einer Kreuzung direkt am Ende einer darauf zulaufenden Straße befindet, fiel der Blick der an der Ampel wartenden Autofahrer automatisch auf seine Hauswand. Außer seinen Schildern und mehreren verkehrt herum aufgehängten amerikanischen Flaggen hatte er auch seine Telefonnummer an der Hauswand angebracht, und zwar groß genug, dass man sie von der Straße aus lesen konnte.

Die erste Welle von Nachrichten waren lediglich drohend, aber im selben Maße, wie seine Schilder in der Gegend Bekanntheit erlangten, füllte sich sein Anrufbeantworter mit Todesdrohungen (darunter viele, in denen er als „Kameljockey“ bezeichnet wurde). 26 reagierte darauf, indem er für die Anrufer gnadenlose politische Tiraden und in einer Comicfigurenstimme aufgenommene Sticheleien aufs Band spielte. Ich fragte ihn, ob ich mir ein paar der Hetzreden anhören könnte, die auf den vier bis fünf neunzigminütigen Bändern aus dieser Zeit aufgezeichnet waren, war aber erleichtert, als er nein sagte. Er hatte den Anrufbeantworter während der ganzen Zeit auch immer noch zu seinem normalen Zweck benutzt, so dass zwischen den ganzen Todesdrohungen auch noch persönliche Nachrichten für ihn gespeichert waren.

Am 28. September veranstaltete die nahe gelegene Chippewa Middle School ihren jährlichen Lauf- und Rennmarathon, die einzige Spendensammelaktion der Schule. Die komplette Schülerschaft rannte oder lief dabei einen acht Kilometer langen Rundlauf durch die Nachbarschaft, zu der auch 26s Straße gehörte. Auf dem Fußweg vor seinem Haus stellte sich eine Gruppe Eltern auf, anscheinend um die Schulkinder vor dessen Anblick zu bewahren. Irgendwann hielt 26 dann vor der vorbeilaufenden Menge eine Ansprache, in der er sie warnte, sich auf einen Anthraxanschlag vorzubereiten. Die Polizei kam, nahm eine Meldung auf und verschwand wieder. Nach diesem Vorfall begann das FBI bei ihm aufzutauchen, um Fotos vom Haus zu machen.

Jedenfalls hat es mir 26 so erzählt. Das war das erste Mal während unseres Gesprächs, dass ich merkte, wie mir Zweifel kamen. Es schien mir unwahrscheinlich, dass irgendjemand in den Vereinigten Staaten zu diesem Zeitpunkt, weniger als eine Woche bevor der erste Anthraxanschlag stattfand, diese Art öffentlicher Ankündigung machen konnte, ohne danach in den Knast zu wandern. „Manche nennen es Intuition“, sagte 26 aufgeräumt. „Sagen wir mal, ich hatte Glück.“

Über die nächsten sechs Monate benutzte er abwechselnd zwischen 75 und 100 Schilder, von denen einige völlig berechtigt schienen („DAS MENSCHLICHE LEBEN IST NICHT HEILIG, BIS ALLES LEBEN DEN MENSCHEN HEILIG IST.“), während andere wiederum eher im Stil von Little Doc daherkamen („NO CHOICE, ABTREIBUNG JETZT, INFANTIZID JETZT“). Er stellte außerdem eine Gipsstatue von Jesus auf, der eine Packung Streichhölzer neben einen Benzinkanister und eine amerikanische Flagge hält. 26 schien das Entsetzen zu genießen, das er auslöste. „Oh! Ich hatte einen Riesenspaß einfach aus dem Fenster zu schauen und diesen alten Typen zu beobachten. Ich habe noch nie im Leben jemanden so wütend werden sehen! Und das war noch der alte Doc. Du weißt schon ... Ich war im siebten Himmel: den Leuten zuzusehen, wie sie sich so aufregten. Denn das war der Sinn meines Lebens.“

Ich hakte noch einmal nach, weil mir seine Situation so fremd und schwer zu ertragen vorkam. „Mir hat das eine Riesenkraft gegeben!“, bestätigte er freudig. „Das war das gleiche Gefühl, wie in den 80ern in den Christmas Folks zu sein! Genau das gleiche! Ich habe es damals geliebt, gehasst zu werden. Oh, ja!“ Ein wenig später gab er allerdings auch zu, dass seine Einstellung eine beträchtliche Komponente der Einsamkeit mit sich brachte. In einer Band zu sein, auch in einer provokanten Band, heißt ja immer noch, zwei oder drei Gleichgesinnte um sich zu haben. 2001 zog er seine Konfrontation alleine durch. Und die Anstrengung, Tag und Nacht in Alarmbereitschaft zu sein, forderte schließlich ihren Tribut.

Die Situation geriet rasch außer Kontrolle. Fremde kreuzten vor seiner Tür auf und warnten ihn, dass „etwas“ passieren würde. Nachdem unweigerlich der erste Stein mitten in der Nacht durch sein Fenster gekracht kam, riss der Handwerker, der mit der Reparatur beauftragt worden war, ein paar der Schilder ab und sagte ihm, dass die Leute in der Nachbarstraße es „ihm schon noch zeigen“ würden. Seine Hausratsversicherung wurde ihm gekündigt.

Die Devil’s Night am 30. Oktober war eine harte Nacht für das Haus. Irgendwann am Nachmittag war ihm, als er die Haustür öffnete, ein Farbbeutel an die Brust geflogen. Ihn beschlich langsam das Gefühl, dass die Polizei es mit seiner Sicherheit nicht mehr sonderlich ernst nahm. Am selben Abend schrieb er der Polizei einen wütenden Brief im Stil von Little Doc. „Diese Kontrollprobleme, die Polizeibeamte so oft zu haben scheinen, stammen in Wahrheit schon aus der Zeit, wo man ihnen das Aufs-Töpfchen-Gehen beigebracht hat“, hieß es auf der zweiten Seite. „Aber es gibt sicher Psychologen, die sich dazu besser äußern können als ich.“ Im Postskriptum fügte er hinzu, „Wenn jemand verletzt werden sollte, oder schlimmeres, bin ich derjenige, der im Knast landet, aber das wird sie dann auch nicht zurückbringen.“

Am darauffolgenden Abend hämmerte es kurz vor neun Uhr abends an seiner Tür. Da er wahrscheinlich eher Kinder auf einer ihrer Halloween-Klingeltouren erwartete, vergaß 26, den bei der Treppe deponierten Kassettenrekorder anzustellen. Er öffnete die Tür und stellte fest, dass da drei Polizisten standen. Der ranghöchste Polizist fragte ihn, ob er irgendwelche Medikamente nahm oder sonst psychisch instabil sei, und sagte dann, dass sie seinen Brief bekommen hatten und der Meinung waren, dass er für seine Nachbarn eine Gefahr darstelle. „Dann stellt der Typ, der am nächsten an der Tür stand, seinen Fuß in die Tür, die ja offen war, und ich kann sie nicht mehr zumachen. Sie kommen also hereinspaziert und sagen: ‚Wir bringen Sie jetzt ins Krankenhaus und lassen überprüfen, ob wir Sie einweisen lassen können. Denn wir sind der Meinung, dass Sie eine Gefahr für die Nachbarschaft sind.‘ Und das Ganze ohne Haftbefehl.“

Da er nicht erregt oder manisch wirken wollte, machte er in seiner Zelle Atemübungen, bis er völlig ruhig war. Die diensthabende Psychologin sah sich seinen Brief an und sagte, dass der Text Anzeichen einer manischen Störung trug und es möglicherweise tatsächlich Grund zur Sorge gebe. Was seine implizierte Angst vor Gewalt betraf, sagte sie, dass sie wohl vermutet hätte, dass er unter Wahnvorstellungen litt, wenn sie nicht Anfang der Woche selbst an seinem Haus vorbeigefahren wäre und die Schilder mit eigenen Augen gesehen hätte. Er wurde mit der Ermahnung entlassen, sich nicht zu einem Märtyrer zu machen. Die Polizei bezahlte ihm ein Taxi zurück nach Hause und 26 hatte den Eindruck, dass der Fahrer sich „komisch“ verhielt, weil er wusste, dass er kein Trinkgeld bekommen würde. Die Obskurität, die die Crucifucks einst so gut geschützt hatte, war für 26 inzwischen zu einem echten Nachteil geworden.

Bevor ich mich an diesem Nachmittag auf den Heimweg machte, überraschte mich 26 mit einem acht Zentimeter dicken Stapel Dokumente, an die er durch den Freedom of Information Act herangekommen war. Eine Reihe Faxmeldungen der örtlichen Polizei an das FBI räumten jegliche Zweifel, die ich über den Anthrax-Zwischenfall gehabt hatte, aus. Am interessantesten waren aber 26s Briefe an die Polizei. In seitenlangem winzigen Gekritzel setzte sich 26 mit der Institution, die er den Großteil seines Erwachsenendaseins als einen Feind betrachtet hatte, auseinander—mal um Verständnis heischend, mal rational argumentierend, dann wieder beleidigend, oder dozierend. Mir fiel der respektvolle Ton einiger der Briefe auf, aber noch viel mehr beeindruckte mich die eine Konstante in seiner Kommunikation mit der Polizei: ein Ton tiefster Überraschtheit, angesichts der Art, wie er von ihnen behandelt wurde. Ich sprach ihn am nächsten Nachmittag darauf an. Was hatte er denn erwartet? Hatte er wirklich gedacht, dass die Dinge anders laufen würden? Er sagte, dass das eine gute Frage sei und gab zu, dass er dieselbe Lektion oft wieder und wieder hatte lernen müssen.

Ganz unten in dem Stapel hatte ich ein paar von 26s öffentlichen Flyern gefunden. Eines dieser Blätter, die er in der ganzen Stadt ausgelegt hatte, boten 20.000 Dollar „FÜR DIE ERSTE FRAU, DIE IHREN NEUGEBORENEN SOHN ABGIBT, DAMIT ER AUF DEM ALTER [sic] GEOPFERT WERDEN KANN, UM DIE SÜNDEN, DIE VERGEWALTIGUNGEN UND DIE SCHLACHTEREI IHRER AMERIKANISCHEN REGIERUNG ZU SÜHNEN.“ Außerdem gab es einen Flyer mit dem Titel „Der Hass & Rassismus des Christianismus“, den er an Autos auf dem Parkplatz einer örtlichen lutheranischen Kirche befestigt hatte, und eine Kopie eines Briefes, der mit „Lieber Nachbar“ begann und den er auf seiner Straße verteilt hatte, um sich zu beschweren, dass sie ihn nicht in ihrer Nachbarschaft willkommen geheißen hätten, und der mit „26 Der Messias“ unterzeichnet war.

Dart in Flint, 1984. Foto von Monte Dickinson
Das machte mir etwas Sorgen, denn 26 bezeichnete sich zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren immer wieder als der Messias. Auf einem seiner mit am längsten am Haus befestigten Schilder stand: „WAHRLICH, ICH BIN GRÖSSER ALS EUER MYTHISCHER CHRIST, DENN ICH BIN ECHT UND BIN HIER UNTER EUCH—26 DER MESSIAS.“

In einem handschriftlichen Brief an einen einzelnen Nachbarn, schloss er: „Es ist Zeit für Sie und die anderen, sich des Folgenden bewusst zu werden: Mein Name ist Nummer 26. Und ich bin der Messias.“ Ich hatte ursprünglich angenommen, dass das als Satire gemeint war, aber als ich das Wort nun in so vielen Dokumenten sah, kamen mir Zweifel.

„Bevor du einen falschen Eindruck von mir bekommst“, sagte er mir, „das Wort ‚Messias‘ ist persisch. Und ich möchte gern klarstellen, dass ich nicht auf einem Jesustrip bin. Dieser Kram ist so albern und so unausgegoren, dass ich damit nun wirklich nicht assoziiert werden möchte, es sei denn ... Nun, zu der Zeit wollte ich damit wohl gerne die Christen an ihrem wunden Punkt treffen.“ Das machte für mich nicht so recht Sinn. Warum, fragte ich ihn, gab er so den Leuten, die er als seine Feinde ansah, etwas gegen ihn in die Hand? Er kehrte zu seinem früheren Thema des sozialen Experimentierens zurück. „Es ging darum Grenzen auszutesten. Ich lernte aber nichts von diesen ganzen Experimenten und musste sie immer und immer wieder machen.“

Während wir redeten, klingelte das Telefon. Der Anrufbeantworter ging an und es gab eine kleine Pause, bevor der Anrufer auflegte. Wir kamen wieder auf die Todesdrohungen und sein Verhältnis zur Polizei zurück. Ich erwähnte den erstaunlich respektvollen Tonfall des Großteils seiner Briefe mit der örtlichen Polizeiwache, sowohl vor als auch nach dem Vorfall an Halloween und fragte, ob er die Polizei nun schließlich doch respektiere. „Ich ziehe ihre altmodische und durchsichtige Unehrlichkeit der heimtückischen, fließenden Unehrlichkeit aller anderen Leute, die ich kenne, vor“, sagte er mir auf sehr förmliche Weise, als würde er ein vorbereitetes Statement verlesen.

In der Abenddämmerung erschienen zwei Rehe in seinem Hof. 26 holte eine riesige Plastikschüssel voller Tierfutter hervor, öffnete die Hoftür und begrüßte sie mit: „Hi, ihr Süßen.“ Ich konnte die Fütterung nicht richtig sehen, da die Wärme, die durch den Spalt zwischen den Schiebetüren nach draußen wich, den Blick mit Dampf trübte. Als er wiederkam, hatte er Maisstaub auf dem Pullover und erklärte, dass ich da gerade „das Kleine Reh, das nah herankommt“ und „das Kleine Reh, das krachend ins Haus gerannt kommt“ gesehen hatte.

So viel Freude ihm das Füttern dieser zwei vereinzelten Gäste zu machen schien, waren die Rehe doch eine traurige Erinnerung an das letzte Kapitel seiner Belagerung. 2006 trat er eines Morgens in seinen Hof und fand ein Reh, das man in den Kopf geschossen und ihm als Warnung dagelassen hatte. Als Zeichen der Kapitulation für denjenigen, der ihn beobachtete, verdeckte er die Schilder an der Vorderseite des Hauses. „Schließlich wurde mir klar, dass ich diese Wut loswerden und die Dinge auf eine andere Weise angehen musste.“

Sein Haus war aber auch von Leuten beobachtet worden, die im freundlicher gesonnen waren. Im vergangenen Jahr kamen mehrere Leute auf ihn zu, um ihn zu bitten, die Schilder wieder anzubringen. Seine übliche Antwort darauf lautet: „Und, wo wart ihr, als ich sie am Haus hatte?“ Die Vorstellung von anderen unterstützt zu werden, schien 26 zu frustrieren. „Die Leute sagen, wir stehen hinter dir, aber“—er zeigte mit dem Finger in die imaginäre Ferne hinter seinem Haus—„sie stehen sehr, sehr weit hinter dir.“

Im Mai 2006 kam ein Vertreter der Stadtverwaltung von Meridian bei ihm vorbei. Das Ratsmitglied war ein Bekannter von ihm, jemand der den lokalen Behörden regelmäßig auf die Pelle rückte. Er erzählte, dass die Stadtversammlung eine neue Bestimmung bezüglich dem Füttern wilder Tiere und dem Anbringen von Schildern an Häusern eingeführt habe, die sich direkt gegen 26 wendete. Er sagte ihm weiter, dass es ihm gelungen sei, das Gesetz zu entschärfen und dass er mit der American Civil Liberties Union gesprochen habe, falls 26 sich entschließen sollte, wieder Schilder anzubringen. „Das war ganze fünf Jahre, nachdem ich mich wegen der Schilder an sie gewendet hatte. Ich habe mit der ACLU eine längere Vorgeschichte“, sagte mir 26 verbittert. „Er sagte: ‚Sie werden hinter dir stehen. Sie haben mir bereits ihr Wort gegeben. Du kannst jetzt wieder Schilder anbringen, und sie werden dich verteidigen.‘ Und ich sagte: ‚Das ist toll. Dann bringe ich jetzt Schilder an, auf denen ich das Recht auf Meinungsfreiheit attackiere‘“, erzählte er mich lachend. „Und er sagte: ‚Nein. Das darfst du nicht machen! Die Schilder sollten was mit Frieden zu tun haben! Oder so was in der Richtung!‘“

Älter zu werden, ist für Radikale nicht einfach, und für Radikale, deren Aktivismus zu einer Form der Selbstdarstellung wurde, ist es besonders schwer. Die drei weisen Männer des Hardcore—Biafra, Ian MacKaye von Fugazi und der Fernsehstar Henry Rollins—sind alle in luftige künstlerische Höhen aufgestiegen, aber keiner von ihnen hat sich die Wut seiner frühen Musik erhalten können. Das ist auch etwas, was man nahezu unmöglich dauerhaft aufrechterhalten kann. Der Mann, der früher als Doc Dart bekannt war, hat hart arbeiten müssen, diese Wut nicht aufrecht zu erhalten.

Es war Nacht geworden und Zeit zu gehen. Am Tag hatte 26s Allerheiligstes eine gewisse Gemütlichkeit ausgestrahlt, ein Rückzugsort, wo die Schrecken der letzten Jahre, wie Abu Ghraib, Beslan, Falludscha und Katrina, nicht einzudringen vermocht hatten. Nach Einbruch der Dunkelheit hatte das Haus etwas Bedrohliches. Ich dachte an den Anrufer, der aufgelegt hatte und meine Augen wanderten immer wieder zu dem Stück nicht erleuchteten Hinterhofs, das ich von der Couch aus sehen konnte. Die Räume hatten etwas Begräbnishaftes, aber auch etwas Erwartungsvolles. Es war die Art Haus, in dem man sich vor Zombies verstecken würde. Als 26 mich zur Tür brachte, schien er überzeugt, dass die Spanplatten sein Haus sicherer machten. „Wenn der Tornado kommt, habe ich gut lachen, während die anderen in der Kälte sitzen.“


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