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DOS & DON'TS
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GARNELEN AHOI! - TEIL 1Eine Woche auf einem irischen Fischkutter, mit ägyptischer Crew (während Ramadan) und einem verrückten Kapitän
VON CONOR CREIGHTON FOTOS: STEVE RYAN
Für die Fischer ist das aber keine große Sache. „Klar geht einem immer mal wieder ein dreiäugiger Schellfisch ins Netz“, erzählt Adrian, der Skipper der Argo K. „Ab und zu fängt man ein paar Fische mit Missbildungen, aber die gibt es heute doch überall.“ Adrian stammt aus North Donegal. Er schläft nie. Mit 30 Jahren sieht er aus wie ein abgemagerter Teenager, was vermutlich an seinem Ernährungsplan liegt, der aus Fertigkaffee und selbstgedrehten Kippen besteht. Alle paar Tage legt er sich mal für zwei Stunden hin, aber auch dann wälzt er sich vermutlich nur hin und her, während er sich fragt, was wohl die Garnelen gerade machen. Adrian ist der geborene Seefahrer. An Land macht er dumme Sachen. Neulich rammte er einen Polizeiwagen und bekam den Führerschein abgenommen. Aber auf See ist er ein weiser, erfahrener Jäger, der seine Beute wittert und selbst dann noch einen Zwei-Tonnen-Fang an Land zieht, wenn alle anderen Schiffe leer ausgehen. Adrian liebt das Fischen. Die sechs Ägypter, die seine Crew bilden, tun das nicht, aber es ist die einzige Arbeit, die sie als illegale Einwanderer finden können. Und so fangen sie eben Garnelen. Reich wird man damit in Irland schon längst nicht mehr. Zwar wird man immer noch abhängig von der Ausbeute bezahlt, nicht mehr wie in der guten alten Zeit, als die Fischer sich jeden Monat ein neues Auto kaufen konnten, nur um es dann gegen die Wand zu fahren. Heute kostet allein der Sprit für eine 30-Stunden-Fahrt um die 1.000 Euro und die meisten Fischer sind so verschuldet, dass sie kaum mehr als die monatliche Rate abzahlen können, selbst wenn sie jeden Tag arbeiten. Die Argo K ist jeden Tag auf See. Zwei Skipper wechseln sich ab, und das Schiff berührt kaum den Anlegesteg, da klettert schon eine frische Crew an Bord und fährt wieder los. Folglich ist es die schlimmste Rostschüssel weit und breit. „Ein Boot, das so viel unterwegs ist, wird immer so rostig aussehen“, sagt Adrian. „Ich erinnere mich noch, wie ich die Argo als Kind gesehen habe und dachte: ‚Was für ein Wrack!‘ Da hatte ich noch keinen Schimmer, dass ich hier mal Kapitän sein würde.“ Die Argo K ist ein russisches Boot aus den 80ern. Der gegenwärtige Besitzer, Adrians Chef, hat es für eine Million Euro gepachtet und das Haus seiner Familie als Pfand hinterlegt. Das bedeutet, ihm wird wohl bis zu seinem Tod ein abgeranztes altes Fischerboot gehören. Das Leben auf einem Fischkutter ist sehr einfach. Alle sechs Stunden werden die Netze eingeholt und der Fang verarbeitet. Den Garnelen werden die Köpfe abgerissen und anschließend landen sie in einem großen Korb, alles andere wird über Bord geworfennur Krebse und der gelegentliche Dorsch werden aussortiert. (Das Boot hinterlässt eine kilometerlange Spur aus totem Fisch an der Wasseroberfläche, über die sich die Möwen sehr freuen.) Wenn die Ausbeute gut ist, kann diese Prozedur bis zu fünf Stunden dauern. Man steht so lange, dass die Knöchel anschwellen und am Ende der Schicht möchte man sich am liebsten die Schuhe von den Füßen reißen. Die Handgelenke werden dicker und den Rücken durchziehen schmerzhafte Zuckungen, wenn man mit ein paar Tausend Garnelen in der Hand versucht, das Gleichgewicht zu halten. Einige der Biester wehren sich und beißen durch die Handschuhe, so dass man sie zertrümmern und langsam verenden lassen mussdas ist das Gesetz der See, Freunde. In der letzten Stunde, bevor der nächste Fang an Bord gezogen wird, geht man essen, schlafen, kacken, kiffen, oder läuft an Bord auf und ab und versucht, Handyempfang zu kriegen, damit man seiner Freundin eine schmutzige SMS schicken kann. Die ägyptischen Männer haben alle irische Freundinnendavon zeugen die Fotos auf ihren Handysgroße, breite Frauen mit schwarzen Zähnen und IRA-Tattoos. „Irische Frau ist verrückt“, sagt ein Crewmitglied namens Hassan, „sie glücklich, dann sie trinkt viel, sie weint, sie trinkt weiter, sie wieder glücklich.“ Hassan hat eine Möwe auf seinen Bizeps tätowiert. Darüber steht der Buchstabe „M“, für seine Mutter. An Bord gibt es zwei Kajüten mit je vier Betten. Sie haben keine Fenster und liegen direkt neben dem Maschinenraum. Nach ein oder zwei Tagen Fahrt sind sie warm und stickig wie eine Sauna. Am Ende einer Schicht stolpert man in eine von beiden und wirft sich in irgendein Bett, in der Hoffnung, dass nicht schon ein Ägypter darin liegt. Duschen gibt es keine und die Crew denkt nicht mal daran, Unterwäsche oder Socken zu wechseln, es stinkt ohnehin alles nach Fisch. Man raucht im Bett, schnarcht so laut man kann und wenn man sich einen runterholen muss, macht man es einfachegal wer neben oder unter einem liegt. Das Schiff macht genug seltsame Geräusche, von daher kriegt es wahrscheinlich niemand mit. WEITERLESEN GARNELEN AHOI! | 1 | 2 | >
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