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LUCKY PUNCH

Indian Jewelry sind post-marxistische Brunnenvergifter

Foto: Christoph Voy

Diese Band hat bereits viel Zeit damit verbracht, sich immer wieder neue Namen auszudenken, unter denen sie ihren mysteriösen Sound entwickeln konnten. Sie haben auch immer wieder andere Leute in der Band spielen lassen, möglicherweise, um den Eindruck zu erwecken, die Band wäre nur eine Idee und alle Beteiligten willenlose Instrumente einer höheren Macht. Diese Phase haben Indian Jewelry mittlerweile hinter sich gelassen, sie bringen ständig neue Platten raus und lassen sich sogar auf so konventionelle Dinge ein, wie auf Tour zu gehen. Trotzdem klingt ihr Soundgemisch aus dem, wie sich weiße Amerikaner des 21. Jahrhunderts einen indianischen Regentanz vorstellen, und zeitgemäßen Noise- und Shoegaze-Romanzen noch immer hochgradig nebulös. Wir wollten mal wissen, wo dieser Sound herkommt und schlitterten direkt in einen Exkurs über historischen Materialismus.

Vice: Jetzt mal unter uns, wie sieht das aus, wenn ihr ein Album aufnehmt? Ich stelle mir ein metaphysisches Ritual vor, für das man Teleskopantennen, Fliegenpilze und Wünschelruten benötigt.

Tex:
Nichts dergleichen. Meine Theorie ist, dass bei allem, was du tust, in dem Fall beim Aufnehmen einer Platte, du den Wert dieser Leistung nur aus einem Überschuss generieren kannst. Aus einem Überschuss an Energie und Leidenschaft. Wenn du also ein Album aufnimmst—selbst wenn es niemanden interessiert und noch weniger Leute es kaufen, weil es sich die ganzen Parasiten aus dem Internet runterladen—macht dich allein der Schöpfungsprozess zu einem Millionär. Wenn du in unser Haus nach Houston gekommen wärst, als wir dort das Album aufnahmen, hättest du einen Haufen Millionäre getroffen, die den ganzen Tag mit einer verdammten Zigarre im Gesicht durch die Gegend laufen.

Woher kommt so eine fundierte Selbstreflexion?

Erika:
Wenn wir auf Tour sind, lesen wir den ganzen Tag, damit wir in bestimmten Momenten richtig schön klugscheißen können.

Tex: Wir sind die literarischste Band überhaupt. Das Problem mit belesenen Bands ist doch Folgendes: Alle Bands, die so etwas raushängen lassen, sind ein Haufen Hundescheiße. Du hast so Leute wie The Decemberist ... was für ein widerlicher Dreck! Diese prätentiösen Lyrics sind zum Davonlaufen. Gute Literatur ist das genaue Gegenteil davon. Da geht es um das Wesentliche, um Bestimmung. Wenn du dagegen so jemanden siehst wie unsere Freundin Jana Hunter, dann weißt du, worum es wirklich geht. Sie ist eine begnadete Lyrikerin und schreibt auch gute Songs. Sie ist echt die Beste. Also wirklich, die Beste. Sie lenkt dich nicht ab, sie entfernt dich nicht von deiner Existenz, sie führt dich genau mittendurch. Durch die größten Momente der Tragik und der Schönheit. Sie bringt es auf den Punkt. Aber sie versucht eben nicht, wie jemand mit einem Literatur-Master rüberzukommen. Es gibt einfach Leute, die schaffen es, und es gibt Leute, die würden gern, aber kriegen es nie auf die Reihe.

Wie gut seid ihr in dieser Disziplin?

Wir sind fucking Muhammad Ali. Wir leben in Texas, weißt du. Ein paar Schwinger auszuteilen, ist kein Problem für uns.

AR
Indian Jewelrys Free Gold ist bei We Are Free/Lovepump United erschienen. www.myspace.com/indianjewelry


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