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DOS & DON'TS











Vice: Wie war es so, mit einer Mutter aufzuwachsen, die ein Clown ist?

Oopsy da Clown:
Es war der Hammer. Sie trat auch in anderen Rollen auf und es war toll, wenn deine Mutter als Barbie oder Barnie verkleidet nach Hause kam. Manchmal hat sie mir kleine Privatvorstellungen gegeben. Da hab ich mich schon geehrt gefühlt.

Wann hast du angefangen, in ihre Clown-fußstapfen zu treten?

Ich habe mich vor einer Weile dafür entschieden. Ich bin Teenager, also mache ich mir natürlich Gedanken, ob das jetzt wirklich so cool ist. Aber es ist sehr inspirierend, ihren Auftritten zuzusehen. Vor Kurzem brauchte sie bei einer Party Hilfe, also habe ich mich verkleidet und bin mitgegangen. Es hat Spaß gemacht und so bin ich dabei geblieben. Außerdem brauchte ich dringend einen Sommerjob und als Clown verdient man gar nicht schlecht.

Klingt so, als würde das zu deiner Persön-lichkeit passen.

Ja. Man könnte wohl sagen, dass ich eine eigenartige Person bin. Ich habe pinkfarbene Haare und Piercings. Wenn die Leute mich auf der Straße sehen, starren sie mich an, aber wenn ich ein Clown bin, weiß keiner, wer ich wirklich bin. Es ist toll, wenn einen jeder anlächelt. Es ist wie ein anderes Ich.

Wie bist du auf deinen Namen und deinen Charakter gekommen?

Na ja, ich hab mir das Kostüm und die Perücke und alles besorgt. Dann musste ich mich entscheiden, was für ein Make-up ich wollte und was für eine Persönlichkeit der Clown haben sollte. Als ich mich dann in die Rolle eingefühlt hatte, habe ich mit verschiedenen Stimmen rumprobiert und es wurde dann ziemlich girly. Wir haben uns niedliche Namen wie Curly ausgedacht—wegen meiner lockigen Perücke. Dann schlug meine Mutter Smooksy vor, aber ich fand, dass das komisch klingt und wollte etwas Niedliche-res. Oopsy ist mir dann einfach irgendwie in den Kopf gekommen, weil Mädchen oft ungeschickt sind und Sachen umschmeißen und überhaupt total tollpatschig sind und ihnen dumme Sachen passieren, die einfach lustig sind.

Was sagen deine Freunde denn so über dieses Clown-Ding?

Sie machen sich nicht über mich lustig und so. Sie finden es, genauer gesagt, sogar ziemlich cool. Sie sagen Sachen wie: „Ich könnte das nie.“

Wissen die Jungs in der Schule, dass du ein Clown bist?

Das ist lustig, weil ich an einer Kunstschule bin, wo es fast keine Jungs gibt. Ich glaube, dass Jungs es komisch finden, wenn jemand, auf den sie stehen, etwas macht, was ihnen befremdlich vorkommt. Sie lachen dann meist etwas betreten. Ein Junge kam mal zu mir rüber, als ich in meinem Kostüm unterwegs war und bat mich um ein Date. Ich sagte nur „Was?“, und er sagte: „Ich weiß, dass du unter dem Zeug total hübsch bist.“ Wenn Typen ein Clownmädchen sehen, fragen sie sich, wie sie wohl unter den Sachen aussieht. Ein anderer Typ kam einmal auf mich zu und fragte mich, ob ich jüdisch sei. Ich fragte: „Warum? Wegen der Locken?“ Er war selbst jüdisch, also wollte er wahrscheinlich einfach nur flirten.

Ist dir bei einem Job schon mal was richtig Gruseliges passiert?

Einmal war ich in meinem Kostüm am Fährhafen unterwegs. Da kamen so ein paar ältere Typen zu mir rüber und fingen an, mit mir zu flirten. Man weiß nicht, wie man sich verhalten soll, wenn man als Clown verkleidet ist. Einer sagte so was wie: „Was, wenn ich auch ein Clown wäre.“ Und bei einer anderen Veranstaltung kam einmal dieser alte Typ zu mir rüber und sagte: „Wollen wir nicht mal unsere Nasen aneinanderreiben?“ Das war ein bisschen komisch.

Bist du schon mal nach einer Show irgendwo hingegangen und hast vergessen, dass du das Kostüm noch anhast?

Ja. Einmal bin ich in ein Restaurant gegangen und habe vorher meine Perücke abgesetzt, aber vergessen, dass ich noch die ganze Schminke im Gesicht hatte. Alle starrten mich an und lächelten, und ich dachte: „Warum starren die mich alle so an? Ah, richtig, ich bin noch geschminkt.“ Das Schwierigste ist, dass man sich so daran gewöhnt, in der Rolle drinzustecken, dass man sich danach wirklich Mühe geben muss, wieder umzuschalten. Sonst läufst du, wenn du alles wieder ausgezogen hast, immer noch herum und grinst alle an und die Leute denken, du hast einen an der Waffel.

Deine Mutter sagt, dass du eine Künstlerin bist. Was für Sachen magst du so?

Im Moment mag ich Comics und zeichne also auch viel in diesem Stil. Ich stehe auch auf Tattoos. Als Kunststudentin beschäftige ich mich außerdem an der Schule mit verschiedenen Sachen—Malen, Zeichnen und so weiter. Das Lustige ist, dass diese Ausbildung das Kinderschminken eigentlich schwerer macht. Man will kreativ sein und den eigenen Stil mit reinbringen, aber dazu hat man einfach keine Zeit. Alles muss eine ganz einfache Version von dem sein, worum sie dich bitten.

Hast du noch andere Hobbys?

Ja, ich skate. Vor kurzem bin ich sogar in einem Clownkostüm geskatet. Es war bei der Neueröffnung eines IKEA. Ich hatte den ganzen Tag bei den Fähren gearbeitet und plötzlich tauchten wie aus dem Nichts diese Kids auf Skateboards auf. Ich habe einen von ihnen gefragt, ob ich mal kurz sein Skate-board nehmen kann und habe einen Ollie gemacht. Sie fanden es ziemlich cool. Ich spiele auch Gitarre.

Echt? Auf was für Musik stehst du denn so?

Ich mag alten Punk und New York Hardcore. Wahrscheinlich kennst du nichts davon, außer den Ramones vielleicht.

Sag doch mal ein paar Namen?

Ich mag die Germs. Die Subhumans sind auch gut. Agnostic Front ist OK. Oi Polloi gibt es auch noch. Es gibt auch eine richtig gute Band, die Witch Hunt heißen.

Du bist also ein 17-jähriges Clown-Mäd-chen, das Agnostic Front hört.

Ja, ich gehe zu Konzerten, auch wenn es sich manchmal mit meiner Arbeit als Clown überschneidet. Manchmal ist es ein echtes Dilemma. Dieses Wochenende spielen Circle Jerks. Ich steh auf diese ganzen Sachen.

Was meinst du, wie lange du das noch machen wirst?

Ich weiß nicht. Ich glaube nicht, dass ich so bald Lust habe, damit aufzuhören. Nach einer Weile ist es anstrengend und man muss oft am Wochenende arbeiten, aber es ist nicht die Art Job, wo man irgendwann sagt: „Oh, ich habe heute keine Lust hinzugehen.“ Die einzigen Momente, in denen ich so etwas in dieser Richtung fühle, ist, wenn ich total müde bin. Es ist nicht die Art Job, die einen nach einer Weile nervt. Wenn es wirklich was für einen ist, macht man es gerne.


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