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DOS & DON'TS
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![]() Vice: Wie bist du in dieser Branche gelandet? Cappy da Clown: Bevor ich von der Schule abging, habe ich noch ein Clownskostüm aus der Theaterabteilung geklaut. Ich habe mir gedacht, dass ich damit wohl paar witzige Dinger drehen könnte. Eine Freundin von mir wollte dann, dass ich beim fünften Geburtstag ihrer Tochter als Clown auftrete. Ich hatte keine Ahnung, was man da so machtich bin nur irgendwie herumgerannt und habe alberne Sachen gemacht. Dann habe ich für einen Grußkartenladen in Midtown gearbeitet, wo ich Flyer verteilt und die Leute von der Straße in den Laden geholt habe. Na, jedenfalls hatte ich einen Kumpel, der für ein bisschen Extra-Geld auf Kinder-feiern arbeitete. Eine der Shows war ein Programm aus zwei Teilen, in dem er die erste halbe Stunde als irgendein kostümierter Typ unterwegs war und dann den Rest der Stunde als Clown auftrat. Er hasste es, diese Kostüme zu tragen, also gab er mir ein paar Dollar, damit ich ein Fellkostüm anziehe und die Kids beim Hokey-Pokey-Tanzen anführe. Wegen dieser ganze Geschichte fing ich dann irgendwann bei Zack’s Funhouse als Booking Agent an. Als Erstes trat ich für sie als Yosemite Sam auf, als sie einmal einen für eine Party brauchten, und irgendwann bin ich dann fast automatisch Clown geworden. Das ist aber nur die halbe Geschichte, denn eine Menge meiner Tricks kommen aus meiner Zeit als professioneller Wrestler. Warst du eine Art Wrestler-Clown, der die Leute erst durch die Luft wirbelt und dann mit Limo vollspritzt? Nein. Ich war der Captain, und das schlägt sich in irgendeiner Form auch in allen anderen Charakteren nieder, mit denen ich auftrete. Ich habe viele Jahre lang Comics gesammelt und Captain America war immer mein absoluter Lieblingscharakter. Ich habe sogar ein Captain America-Tattoo auf meinem Arm. Eigentlich war ich zu der Zeit ja hauptsächlich Manager, aber wenn sie jemanden brauchten, zogen sie mir eine Maske über und schickten mich in den Ring. Ich hatte immer entweder ein Captain America-T-Shirt oder einen Anstecker, und die Leute haben irgendwann einfach angefangen, mich Cap zu nennen. Ich fing an, Fotos zu machen, die ich dann verkaufte und den Promotern und den Wrestlern in die Hand drückte. Für die Rückseite habe ich mir einen Stempel machen lassen, wo „Fotos von Cap“ drauf stand. Ich war auch eine Weile in der Karibik und wurde da sogar eine ziemlich große Nummer. Einmal habe ich sogar am Schwergewichtstitelkampf der Dominikani-schen Republik teilgnommen. Das war alles nur nebenbei, wenn ich Urlaub von meinem Job als Justizangestellter machte. Verdienst du inzwischen deinen Lebens-unterhalt als Clown? Mein Job bei Gericht ist immer noch meine Haupteinnahmequelle. Mir bleiben noch genau 2041 Tage bis zur Rente, aber danach werde ich auf jeden Fall als Clown weiterarbeiten. Ich habe eine ganze Handvoll neuer Charaktere geschaffen: Cap’n Dandy, Louis Lo’ser, The Kanarsie Kid und eine Art Penner-Clown namens Mugglesworth „Muggsy“ Aloisius McGuirk. Ich arbeite seit fast 30 Jahren als Clown und werde so bald auch nicht damit aufhören. Wie entscheidest du, welches Kostüm du anziehst? Vor ein paar Jahren hatte ich einen Vertrag mit ein paar Baseballstadien, in denen die Spiele von zwei kleineren New Yorker Teams liefen. Als Clown kann man aber nicht Fan von beiden Teams sein, da sie oft gegeneinander spielen, also fing ich an, zu den Yankees-Spielen als Cap’n Dandy zu gehen. Er trägt einen Anzug und sein Mund ist etwas komplizierter geschminkt. In Brooklyn war ich dann Cappy. Die Leute sahen mich in beiden Stadien, mit den verschiedenen Kostümen und Gesichtern und ich wurde oft gefragt: „Bist du nicht der Typ aus dem anderen Stadion?“ Worauf ich dann immer antwortete: „Nein, das ist mein böser Bruder aus Staten Island.“ Oder: „Das ist mein Idiot von einem Bruder aus Brooklyn.“ Also baute ich zwischen diesen beiden eine Art Rivalität auf. Ich wusste spätestens ab dem Moment, dass es funktioniert, als ich eines Tages in Staten Island arbeitete und so einem Mädchen das Gesicht schminkte. Sie sah sich unsere Werbekarten an und fragte: „Oh, ist er das?“ Und ihre Freundin meinte: „Nein, das ist sein Bruder aus Brooklyn. Sie sehen fast gleich aus.“ Folgst du einem bestimmten Clownschema? Wahrscheinlich mehr als viele meiner Kollegen. In der Welt der Clowns schmeißt der weiße Clown normalerweise dem Dummen August eine Torte ins Gesicht, der Dumme August duckt sich und die Torte trifft den Penner. Mein erster Clown war ein Weißclown, aber es war einfach zu viel, immer die ganze Schminke anzulegen. Wie viele andere bin ich dann zu einem Dummen-August-Charakter übergewechselt. Was ich als Cappy mache, hat eigentlich eher etwas von einem leichten Dummen August. Aber die Regeln der verschiedenen Clownorgani-sationen sind ziemlich strikt und genau genommen bin ich kein leichter Dummer August, weil ich eine Jacke anhabe und Glitter im Gesicht trage. Ein leichter August darf eigentlich nur eine Weste anhaben und darf keinen Glitter benutzen. Im Ernst? Bei der Clownerei gibt es Regeln? Aber ja. Die großen Clownvereine halten Wettkämpfe ab und veröffentlichen die Regeln jedes Jahr in ihren Zeitschriften. Ich gehöre den beiden größten an, den Clowns of America und der World Clown Association. Die Wettkämpfe mag ich aber nicht so, denn für mich hat das Ganze nichts mit Wettstreit zu tun. Ein Clown ist dazu da, die Leute zum Lachen zu bringenSpaß zu haben und anderen Leuten Freude zu bereiten. Vielleicht kann man sich verbessern und etwas lernen, wenn man von anderen bewertet wird, aber ich muss mich eigentlich nicht von ihnen bewerten lassen. Wenn die Kinder nicht lachen, ist das Bewertung genug. Was hält deine Familie von deinem Clown-dasein? Sie haben sich, seitdem ich weggezogen bin, mit dem Fakt abgefunden, dass ich nach New York gegangen bin, um Schauspieler zu werden und jetzt sehen sie mich auch als Performer. Sie sehen mich schon mein Leben lang durchgeknallte Sachen machen, und das mache ich eben immer noch. Wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist, hört man nicht mehr auf. Es gibt in dem Musical Applause eine Stelle, die ich immer zitiere: „Als ich acht war, machte ich in der Schule bei einer Theateraufführung mit. Ich werde es nie vergessen, auch wenn ich nur einen einzigen Satz sagen musste. Mein großer Moment kam und ich sagte: ‚Hoch lebe der Prinz.‘ Meine Schwester hat applaudiert und seitdem kann ich nicht mehr damit aufhören!“ Wenn man einmal im Rampenlicht gestanden hat, lässt es einen nicht mehr los. < PREVIOUS CLOWN | NEXT CLOWN > |