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DOS & DON'TS
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VIDEO GAMES KILLED THE RADIO STAR![]() SAMBA DE AMIGO Platform: Wii Publisher: SEGA Ja, es gab sie, die Zeiten, als man sich schämte ein Videogamer zu sein. Man traf sich konspirativ mit anderen, zumeist Typen mit dicken Brillen, Cordhosen und klobigen Schuhen, die sie im Sonderangebot bei Deichmann erstanden hatten und spielte stundenlang irgendwelche Rollenspiele. Man diskutierte über das Aufleveln von Charakteren, Hitpoints und Items, die es noch zu sammeln galt. Andere grenzten sich mit Punk, Metal oder Grunge von der Gesellschaft ab. Wir schufen uns unsere ganz eigene Isolation durch matschige Texturen, schrillem J-Pop-Sound und Extrawaffen. Die Einsamkeit wurde schnell zu einem Biotop, einer Nische, die die Evolution nur für uns bereitgehalten hatte. Hier waren wir die Macker und die Spacken mit ihren Seglerschuhen und pinkfarbenen Poloshirts hatten keinen Zutritt. Schließlich bekamen wir von dem, was um uns herum passierte, nicht wirklich viel mit. Das änderte sich schlagartig mit dem Beginn des neuen Jahrtausends. Plötzlich war alles anders. Videospielen war keine böse Sache mehr, sondern das große Ding. Alles redete von virtuellen Welten. Ich hatte einen Dreamcast, eine wahre Höllenmaschine, mit der man bei Typen, die eigentlich viel zu cool für einen waren, mächtig Eindruck schinden konnte und ihnen im besten Fall die Freundin ausspannte. Für diese Zwecke hieß meine Geheimwaffe Samba De Amigo, ein bewegungssensitives Tanzspiel, das damals nur in limitierter Stückzahl auf den Markt kam und uns untersetzte Gamer mächtig ins Schwitzen brachteund die Brüste der Mädchen in Schwingung. Die Grafik erinnerte an einen LSD-Trip auf den man Wodka-Red Bull aus Zehn-Liter-Eimern geschüttet hat, damit auch irgendwann mal die Wirkung einsetzt. Für die Typen mit Brille war das eine Nummer zu hart. Sie blieben auf der Strecke und spielten weiterhin mit ihren Drachen und Ritternoder noch schlimmer: Sie wurden PC-Spieler und widmeten ihre komplette Freizeit öden Aufbaustrategiespielen, bei denen sie möglichst viel Geld scheffeln mussten. Zerfressen vom Kapitalismus wurde ihr Blick für das Wesentliche vernebelt. Wahrscheinlich liegen sie heutzutage auf einem anonymen Friedhof in der World Of War-craft begraben. Was kümmert es mich. Mich gibt es ja noch und ich bin mehr Zielgruppe denn je. Die Industrie kategorisiert mich als einen Casual-Gamer, jemanden der nur gelegentlich Spaß haben will und der sich pünktlich zu Silvester einen bunten Hut aufsetzt. Für mich war die Begegnung mit Samba Di Amigo wie ein Urknall. Dank der sympathisch beknackten Tanzgruppe von Sega erhielt ich ein neues Leben. Plötzlich war ich cool! Ich bekam beim Zocken Beusch von Leuten, denen nicht ständig merkwürdige Würfel aus der Tasche fielen und auch Mädchen ohne Zahnspangen fanden mich und mein Hobby plötzlich angenehm sexy. Damals wusste ich noch nicht, dass man nur Casual-Gamer sein muss, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Wer das Geheimnis meines Erfolges nachspielen will, kann das jetzt auf der Wii tun. ![]() TOO HUMAN Platform: Xbox 360 Publisher: Microsoft Too Human ist wie chinesische Demokratie für Videospiele. Ewig angekündigt und nie erschienen. Die Entwickler von Silicon Knights starteten ihrer Entwicklerodyssee seiner Zeit auf der Playstation 1, bis man merkte, dass der Grafikchip den eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen würde und sattelte flugs um auf den Gamecube, den man, warum auch immer, für das Nonplusultra in Sachen geiler Grafik hielt. Als schließlich der Nintendo-Würfel sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand, war man mit den Spiel immer noch nicht fertig, stand dafür aber ohne Plattform da. Man versprach einfach Microsoft, ein perfektes Spiel für die 360 zu erschaffen. Als dreiteiliges Epos und natürlich auch maßstabsetzend was Rollen-spiele betrifft. Jetzt ist Too Human fertig und wirkt nach all der Zeit wie ein Schnellschuss. Das Spiel glänzt zwar mit schöner Grafik, pompösen Effekten und einer intuitiven Spielbarkeit, doch unter den schicken Texturen rumort es gewaltig. Der RPG meets Sci-Fi meets Walhalla-Plot dürfte allenfalls Met-Trinkern und Live-Rollenspielern schmecken. Too Human ist verworren, unnahbar und zeigt dem Spieler allzu häufig die kalte Schulter. Das esoterische Gameplay dürfte vielen Spielern den Nerv rauben, denn eigentlich besteht das Spiel aus vielen guten Komponenten. Die schicken Animationen des eigenen Charakters und die Horden von Gegnern lassen das Herz höher schlagen, während das Hirn auf Durchzug schaltet. Zu viel Frischluft tut niemandem gut. ![]() SINGSTAR AMPED Platform: Playstation 2 Publisher: SCEE Irgendwie haben wir das Gefühl, dass der einzige Grund, warum es die PS2 noch gibt, Singstar ist. In vier Jahren 18 Fortset-zungen des Originalspiels. Das schafft nicht mal EA mit seinen ewiggleichen Wiederholungen von diversen Sportspielen. Sinnvoll ist es allemal. Mal ganz im Ernst, wie oft wurde ein versauter Samstagabend mit Singstar gerettet. „Hey, die Party ist scheiße, wollen wir zu mir gehen und ein bisschen Singstar spielen?“ Das hat immer gut funktioniert und entweder sang man sich besoffen die Stimme aus dem Hals, oder man sah dabei zu und wurde immer glückseliger. Selten konnte man seine Freunde dabei beobachten, wie sich sich die Aner-kennung innerhalb des Freundeskreises ersangen. Doch irgendwann wurde es langweilig. „Wollen wir bei mir Singstar spielen“ wurde zum Synonym für öde Samstage, die immergleich enden. Deswegen auch die 18 Fortsetzungen, die das musikalische Spektrum der letzen 20 Jahre flächendeckend abgrenzen. Mit jeder neuen Veröffentlichung (bis auf „Après Ski“, so besoffen kann keiner sein, ernsthaft, DJ Ötzi mitsingen zu wollen) gab es aber eine kleine Motivationsspritze. Warum Singstar Amped für die olle PS2 erschienen ist, kann niemand genau erklären. Denn auf der PS3 warten ziemlich coole Zusatzfunktionen auf den Spieler. Dazu gehört das Video-Aufzeichnen der eigenen Unzulänglichkeiten. Und Amped ist Heavy Metal. Wir hätten gerne unsere Schwänze rausgeholt und auf die Wohnzimmerbühne gepisst. Wir hätten es gerne aufgezeichnet und in das Playstation-Network gestellt. Hm, vielleicht ist das der Grund, warum es nur eine PS2-Version gibt.
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