NEWSLETTER



DOS & DON'TS

A preppy wearing short shorts and boat shoes is like a needle of goodness in a haystack of awful grunge turds wearing cargo shorts with eight-hole Doc Martens with daisies painted on the toe.
Comments/Enlarge | See all


It's about time the Natural History Museum's tit-makers started taking their cues from back issues of Cheri. That said, let's all pray to God they found a more recent source for the crotches. Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

EPICLY LATER'D
Text und Fotos: Patrick O’Dell
GLOBAL TREND REPORT '08 - KOPENH...
Die Dänen beschreiben sich selbst gern al...
HAROLD BLOOM
Harold Bloom ist der weltweit bedeutendst...
DIE PANIK-BOWLE - PART 2
Drei Auszüge aus Einem Neuen Roman von Pi...





UNBELEHRBAR

Integrity spielen nach ihren eigenen Regeln

Foto von Christoph Voy

Hier ein kleiner Ratschlag: In Bands zu spielen ist völlig OK. Das macht Spaß, das kanalisiert deine Frus-tration, das weckt Interesse bei Mädchen. Mache aber niemals den Fehler, länger als ein paar Jahre mit einer Band unterwegs zu sein, insbesondere nicht in der Hardcorepunk-Szene. Es läuft doch meistens so, irgendwann heulen sich die ganzen Kids in Internetforen die Ohren voll, wie erbärmlich doch XfeuerstürmchenX auf ihrer zweiten Tour waren und dass es für Hatepampers nach der ersten EP nur noch bergab ging.

Nimm Integrity als Beispiel. Die Band gibt es jetzt seit fast zwanzig Jahren. Those Who Fear Tomorrow und vielleicht noch Systems Overload zu feiern, ist konsensfähig. An-sonsten gehört es zum guten Ton, gegen Dwids unbequeme Persönlichkeit, die ständigen Line-up-Wechsel und Albumveröffentlichungen herumzubitchen, die ein bisschen über den Szene-Tellerrand hinausschauten.

In Wahrheit ist Integrity trotz aller Brüche und Pausen eine Konstante. Mehr als die Urväter des Cleveland Hatecore. Der ästhetische Raum für Dwid Van Hellions Visionen. Ein schwarzer Geist, der in ein gotisches Schloss gehört, der jedoch zwei Jahrzehnte lang in der miefigen Besenkammer des Hardcorepunk herumspukte. Integrity werden allerdings auch dann noch mächtig sein, wenn die Shittalker von gestern ihren kleinbürgerlichen Traum mit Alete-Brei zukleistern. Egal, ob sie dann noch Platten veröffentlichen oder nicht. Und bevor du deine Fresse aufreißt, wie untight Dwids „zusammengecastete Schülerband“ doch live sei, warte lieber darauf, dass sie—wie so oft—vom Business gefickt werden. So wie beispielsweise vor ein paar Wochen in Berlin, als sie ihren Ärger über den Tourveranstalter in einer wundervoll vernichtenden Hassmesse auflösten. Zum Glück sprachen wir mit Dwid vor der Tourabrechnung, als er noch einigermaßen gut drauf war.

Vice: Die Lebensdauer deiner Band ist außergewöhnlich. Was bedeutet dir selber Integrity heute noch?

Dwid:
Es war immer der Ausdruck von Dingen, die in meinem Kopf und in meinem Herzen vorgehen, die ansonsten schwer zu verdeutlichen wären. Ich habe mir dafür ein System von Analogien zurechtgelegt, das sich im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt hat. Es ist schwer in Worte zu fassen, eine ziemlich merkwürdige Sache. Es ist auch nicht so, dass mir diese Möglichkeit einmal mehr und einmal weniger wichtig war. Sie war einfach immer da, wie ein Bruder oder eine Schwester.

Woher glaubst du, kommt diese Kontinuität?

Es hat sicher viel damit zu tun, dass Integrity immer gehasst wurde, immer unwillkommen war. Das hat mir gezeigt, dass es richtig ist, damit immer weiterzumachen.

Du hast immer als kontroverser Charakter gegolten. Woher kam diese Lust an der Provokation? Wie viel davon war inszeniert?

Es gab niemals so etwas wie eine Strategie. Ich habe einfach Punkrock als etwas Grenzenloses begriffen. Jeder sollte machen, worauf er Lust hat. Ich wollte mit meiner Band machen, worauf ich Lust hatte und die anderen Bands sollten das auch. Es gab und gibt aber eine Menge Bands da draußen, die Punkrock sehen, als wäre es eine Formel, ein Rezept oder so eine Art Franchise-Ding. In Interviews wurde ich oft mit Fragen danach genervt, warum ich nicht ein neues Those Who Fear Tomorrow aufnehme, warum wir nicht das machen, was die Fans hören wollen usw. Und die Antwort darauf war einfach: Weil ich es nicht will. Und allein diese Ein-stellung wird in einer Underground-Punk- rock-Szene dann schon als kontrovers und unverschämt betrachtet. Ich habe das nie kapiert. Aber ich verstehe diesen ganzen Scheiß sowieso nicht. Ist mir zu hoch. Ich war in diesem Bullshit-Genre ohnehin nie wirklich involviert. Es ist schwierig, deine eigene Band mit ihren ganz bestimmten Eigenheiten zu haben und dann mit Leuten interagieren zu müssen, die sehr beschränkt und borniert sind.

Wie schafft man es, in diesem Zusammen-hang nicht die Lust zu verlieren?

Man macht die Musik einfach für sich selbst. Wenn die Leute es mögen: schön. Wenn nicht: Scheiß drauf! Wir unterhalten uns selbst. Das, was wir machen, ist an sich völlig sinnlos, bis auf die Tatsache, dass es uns unterhält. Es macht eigentlich keinen Sinn, es macht nur für uns Sinn.

Wenn es dir egal ist, wer dich wahrnimmt, kriegst du denn noch mit, was andere Bands so machen?

Ich kümmere mich überhaupt nicht um die Bands von heute. Ich habe mich auch in den letzten zwanzig Jahren in den seltensten Fällen um die anderen Bands gekümmert. Es interessiert mich einfach nicht. Ich mag das, was wir machen. Was die anderen machen, mag ich meistens nicht. Das war’s.

Versuch mal, dein künstlerisches Ideal zu erklären.

Das ist eine ziemlich komplexe Sache. Es geht im Grunde darum, deine Seele freizulegen ... Das ist eine verdammt schwierige Frage ... Es geht um Offenbarung, du musst dich selbst, deine Gefühle offenbaren. Alles von ganz tief unten nach oben holen und zwar ohne die kleinste Selbstbeschränkung. Zur selben Zeit schaffst du für diesen Prozess einen Kontext. In unserem Fall ist das ein Soundtrack, der genau das vermittelt, der aber trotzdem noch von verschiedenen Beteiligten geprägt ist. Und dann musst du das Glück haben, dass all die verschiedenen Einflüsse und die Seelen der anderen Musiker von einer gemeinsamen Kraft zusammengehalten werden. Und dann musst du all das nach außen stoßen. Ich glaube, so in etwa funktioniert das bei uns.

Mit welchen Künstlern bist du groß geworden?

Es gab viele Künstler, die ich mochte. Die Aufnahmen von Charles Manson, Throbbing Gristle, NON, Black Sabbath, Joy Division, Slayer, Discharge ...

Ich meine, als du jünger warst, sagen wir mal, sieben.

Sieben? Ich schätze mal Van Halen. Und Mötley Crüe und Twisted Sister. Danach begann ich dann mit Underground-Bands. Weißt du, ich bin auf einer Farm aufgewachsen und es gab die Möglichkeit, in so einer Mall einkaufen zu gehen. Und die hatten da echt eine Menge abgefuckter Musik. Du konntest da Joy Division-Platten kaufen, in einem winzigen, langweiligen Kaff. So im Nachhinein betrachtet ist das echt verrückt. Ich hatte also irgendwie Glück. Ein paar der Bands mochte ich dann doch nicht, aber ich habe mir zunächst mal ihre Platten gekauft, du kannst ja nie wissen, ob du eventuell etwas verpasst. Das ist wie, wenn du in eine Galerie oder ein Kunstmuseum gehst. Einige Bilder gefallen dir nicht sofort, sie fesseln dich erst, wenn du sie lange betrachtest. Manche fesseln dich nie.

Warst du damals eher so der introvertierte Typ oder der Troublemaker?

Ein bisschen von beidem. Es kam ganz auf die Situation an. Ich war sozusagen flexibel, haha. Wenn es darum geht, wie ich mich am wohlsten gefühlt habe, dann eindeutig, wenn ich allein war. Ich wollte keine Aufmerksam-keit. Ich ging alleine ins Kino. Ich ging in Museen allein. Ich machte so viel wie möglich allein. Ich kann mich gut selbst unterhalten.

Ist das einer der Gründe, warum du deinen Wohnsitz gewechselt hast?

Ja. Es gab diesen Punkt, da ich in Cleveland keine Ruhe mehr hatte. Egal, wo ich hinging, die Leute kamen auf mich zu, ständig war überall Party. Es ist nicht so, dass ich Superstar-Status hatte und mich die Leute auf der Straße erkannt haben, aber an bestimmten Plätzen, in bestimmten Szenen konnte ich mich nicht mehr bewegen. Jeder war scheißfreundlich zu mir. Es war einfach zu viel. Ich habe es gehasst und wollte mehr Ruhe. Ich wurde nach Belgien eingeladen, ging hin und mir gefiel es dort. Ich stellte fest, dass ich dort herrlich isoliert bin.

Wie wichtig ist Humor für dich und die Band?

Integrity sind absolut nicht so ernst, wie man denken könnte. Humor und Ironie sind schon ein wichtiger Teil der Band, du musst es nur erkennen wollen. Die Band gibt es ja nicht zuletzt auch deswegen, weil wir Spaß haben wollen. Es wäre die Hölle, diese Tour hier ohne Humor zu überstehen. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Francis Bacon. Er hat all diese verstörenden Bilder gemalt, aber wenn du ihn reden hörst, oder dich mit ihm beschäftigst, findest du Seiten, die du nicht für möglich gehalten hast. Ich verstehe Humor auch nicht als Farce. Es geht darum zu leben. Das Leben komplett zu durchmessen. Humor ist eine Facette davon. Ich will meinem Leben eine Tiefe geben. Mit der Band und allem, was ich tue.

Könnte Integrity eine kommerziell erfolgreiche Band sein, wenn du wolltest?

Die Frage stellt sich nicht, weil Erfolg keine Kategorie für die Band ist. Das Songwriting läuft in etwa so, dass wir eine Situation oder ein Szenario im Kopf haben, und dann soll jeder umsetzen, was er in dieser Situation fühlen würde. Wir versuchen nicht, uns vorzustellen, was Britney Spears oder irgendeine verdammte, erfolgreiche Band machen wür-de. Wir versuchen einfach nur, menschliche Gefühle in ein Extrem zu übersetzen und das in Musik auszudrücken. Meine Idealvorstel-lung ist es, dass du auf der Bühne stehst und der Vorhang geht auf und da ist nichts. Überhaupt nichts. Niemand. Und du stehst am Bühnenrand und schreist, so laut du kannst in die Unendlichkeit. Nichts ist da, keine Interaktion—absolut unverfälscht und rein.

War dieses Ethos schon immer da?

Eigentlich schon. Offensichtlich geht es bei Integrity nicht um Popularität. Zwanzig Jahre in dieser verfluchten Scheiße und wir sind kein bisschen populär. Aber wir mögen das, was wir machen. Wir sind ein Dorn in diesem Scheißgeschäft. Manchmal kommen diese Magazine und schreiben, wir wären so unglaublich einflussreich für andere, populäre Bands gewesen, mit denen wir aber so rein gar nichts gemeinsam haben.

Vermutlich geht es darum, dass Integrity den Weg geebnet haben.

Keine Ahnung. Mir wäre es lieber, sie würden sich für andere Sachen interessieren. Ich wünschte, es gäbe weniger Leute, die uns gut finden. Das wäre großartig.

Eine interessante Marketing-Einstellung ...

Haha, ja, das totale Anti-Marketing. Aber im Ernst, jeder will dir einen Stempel aufdrücken, dich irgendwie als Produkt zurecht machen. Du trägst nicht die richtigen Kla-motten, du schreibst nicht die richtigen Songs, du trinkst auf der Bühne nicht das richtige Getränk, blablabla, wenn dir das wichtig ist, dann verstehst du einfach nicht, worum es eigentlich geht. Aber es läuft doch nur noch nach diesem Schema, du hast doch nur irgendwelche zurückgebliebenen Kids, die an diesem ganzen überflüssigen Scheiß interessiert sind. Sucht euch andere Bands, ihr Arschgesichter, und geht mir nicht auf die Nerven! Es gibt eine Menge Bands da draußen, die irgendwelchen Schwachsinn promoten. Geht zu denen und werdet glücklich! So sehe ich das.

AR
Ein neues Integrity-Album soll noch in diesem Jahr auf Deathwhish Inc. erscheinen.
www.myspace.com/integrity


< Seite Zurück

COMMENTS