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DOS & DON'TS
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VICE MAILBÄRENDIENST Hallo, ich wollte nur mal fragen, wie eure Sicherheitsbestimmungen so aussehen bzw. welches Vorgehen ihr in Situationen empfehlt, die eine absolut Vice-taugliche Geschichte abgeben würden, aber dafür mit ziemlicher Sicherheit tödlich ausgehen würden. Ich habe neulich nämlich mit ein paar Kumpels an einer Haltestelle in einem Vorort von Chicago auf den Bus gewartet, der uns zum Campus zurückbringen sollte. Dabei habe ich diese zwei absolut düsteren, ghettomäßigen schwarzen Typen an der Haltestelle abhän-gen sehen. Sie haben echt absolut hart ausgesehen und einer von ihnen hatte sogar diesen Gesichtsausdruck, der zu einem R.Kelly-artigen Silberblick erstarrt war. Sie saßen beide da und redeten in ihrer komischen Ghettosprache vor sich hin. Ich hatte wirklich Lust, ein Foto zu machen, weil beide eine Kiste von Build-a-Bear in der Hand hielten. Das ist der Laden, wo man sich seinen eigenen Teddybär zusammenbasteln kann. Ich fand das einfach absolut zum Schießen, weil sie einfach nur völlig Hardcore aussaheneiner von ihnen hatte sogar ein Tattoo von einer AK-47 am Hals. Na ja, auf jeden Fall hätte ich es ganz sicher mit dem Leben bezahlt, wenn ich ein Bild geschossen hätte, um es an euch zu schicken. Hätte ich das Bild machen sollen? Danke, MICHAEL BLUME Würzburg Geht es euch auch so, dass es schon rein körperlich unmöglich zu sein scheint, diesen Brief laut vorzulesen, ohne seine Stimme wie Pontius Pilatus in Das Leben des Brian klingen zu lassen? SCHNEIDENDER HUMOR Liebes Vice, danke, dass ihr eure Position sozialer Sicherheit (auf eure eigene kleine Weise) dafür nutzt, um den von uns gewählten Lebensstil zu normalisieren. Wir haben euer Heft abonniert und das nächste Mal, wenn eines unserer Mitglieder bis zu den Armen in einer Badewanne voller Hurenblut kniet, wird er das Lustige daran sehen und über die engstirnigen Moralisten lachen. Es ist gut zu wissen, dass es jetzt ein schickes, massenproduziertes und international vertriebenes Medien-produkt gibt, das unsere Triebe versteht und sie mit dem nötigen postmodernen, objektiven Zynismus kommuniziert. Wir freuen uns auf mehr von eurem schneidenden Journalismus! Von der SOCIETY FOR SERIAL TORTURE, MURDER, AND SEXUAL DISMEMBERMENT Humour Failure House Val Solanas Cul-de-Sac 0 HWE L6UGHD Großbritannien Es ist klar, dass es nur die Briten schaffen können, sich so in einen vertrackten „Satire“-Versuch hineinzusteigern, dass am Ende über-haupt niemand mehr verstehen kann, was sie uns eigentlich damit sagen wollen. IHR HABT KEINE AUSREDE Vice, ich bin vor Kurzem von einem ausgesprochen netten Wochenende auf dem Lande zurückgekehrt. Als ich mich bei meiner Rückkehr an diesem Sonntagnachmittag zu Hause entspannte, hatte ich endlich Gelegenheit dazu, Ihre kürzlich erschienene Foto-Ausgabe zur Hand zu nehmen. Ich hatte sie mir für das Wochenende mitgenommen, war aber nicht dazu gekommen, sie zu lesen und sah dem nun mit Spannung entgegen. Ich würde mich gerne zu der durchdringenden Hässlichkeit der gesamten Publikation äußern. Jede Seite und jedes Bild scheint darauf abzuzielen, ausschließlich unangenehme Themen und Subjekte dar-zustellen, noch dazu auf übertriebenste Weise. Ich frage mich nun: Wurde allen Autoren und Fotografen ein Kurzabriss zugesandt, der sie ausschließlich zur Einsendung von Schmutz, Schund und Ab-artigkeiten einlud? Haben Sie eine Studie durchführen lassen, laut derer der Großteil Ihrer Leserschaft lediglich auf Groteskes reagiert? Das Lesen dieser Ausgabe hat mich traurig gestimmt. Es gibt wirklich schon zu viel Hässlichkeit in dieser Welt. Was veranlasst Sie dazu, Bäume zu fällen und Tinte, Wasser und Strom dafür zu verschwenden, diese Hässlichkeit in einem massenhaften Umfang zu reproduzieren? Ich finde, dass dem Heft jegliche berechtigte, künstlerische Integrität fehlt, es wurde keinerlei sozialer Kommentar hinzugefügt und ich finde es noch nicht malim wahren Sinne des Wortesprovokant. In Ermangelung (soweit es sich mir erschloss) von Inhalten, die die positiven Aspekte des menschlichen Daseins darstellen, erscheint es mir leider so, als ob Vice reinen Nihilismus verbreiten würde. Es tut mir leid, dass ich meine Kritik so harsch formuliere, aber Ihre-Foto Ausgabe hat mich dazu genötigt, meinen ersten Beschwer-debrief, nach insgesamt mehr als vier Dekaden meines Lebens, an eine Publikation zu schreiben. Meine Frage ist nun also: Warum?? Was war der Zweck, das Ziel, der Beweggrund? Ich halte Vice ansonsten für eine durchweg wertvolle Publikation und lese die Zeitschrift seit Jahren regelmäßig. Danke, dass Sie diese Anmerkung zur Kenntnis nehmen! TIM FEUERSTEIN Bochum Hmm, also wenn Sie Themen wie Kätzchen, Brüste, Teenage Punks und Metalfreaks, komische japanische Kids, überdachte Poolpartys und Pizza für Beispiele der „Hässlichkeit“ und „Abartigkeit“ der Welt halten, sollten Sie Ihrem sensiblen Wesen vielleicht einen Ge-fallen tun und nie wieder das Haus verlassen, aus dem Fenster schauen oder den Fernseher anmachen. Was die restlichen Sachen betrifft: Pech gehabt, alter Mann. PRALINEN UND WAS? Vice, bitte sagt, dass es nicht wahr ist, dass ihr für das Foto von den Eisbechern auf eurer letzten Ausgabe jemanden fürs „Food Styling“ angestellt habt! Was zum Teufel habt ihr mit Food Styling zu schaffen?! Ihr habt euch früher immer darüber aufgeregt, dass die Mainstream-Medien so scheiße sind, weil sie ihre Budgets dafür verschwenden, auch noch für den letzten Scheiß so viele Leute wie möglich einzustellen. Und jetzt seht euch mal selber an. Ihr bezahlt einen erwachsenenund wahrscheinlich schwulenMann dafür, einen Fruchteisbecher und eine Schale Bananen-Split nebeneinander auf den Tisch zu stellen? Für EXAKT dieselbe Aufgabe bezahlen sie im Sommer 15-jährigen Kids auf Sylt vier Euro die Stunde. Mann, ich hätte das in dem Alter sogar dann gemacht, wenn ich danach das Eis gekriegt hätte. Ich will gar nicht wissen, was ihr diesem Hampelmann gezahlt habt ... Die einzige Art, wie ihr euch meines Erachtens noch herausreden könnt, ist, wenn Matthew Vohr einfach der Name irgendeines Teen-agers war, den ihr am Strand gefunden habt, und wenn das mit dem „Food Styling“ nur ein kleiner Scherz unter Presseleuten war. Bitte sagt mir, dass es so ist. Ihr habt doch nicht wirklich einen professionellen Food-Stylisten dafür bezahlt, um Eis anzurichten, oder? LUKAS WESER Braunschweig Doch, das haben wir. Und wir finden, dass das Resultat ein wirklich sündhafter Genuss ist.
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