NEWSLETTER



DOS & DON'TS

On the whole, do you think society is becoming more or less sensitive to the profoundly mentally ill now that a lot of their care providers are in the private sector? Comments/Enlarge | See all


Suicide gets better with age (the band). Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

GO TIGERS! - PART 3
Tamilinnen sind die härtesten Mädchen der...
HAPPY KREUZIGUNG!
Das Nachspielen der Passion Christi ist i...
EIN PFANDLEIHHAUS IN NEW YORK & ...
In den meisten Leihhäuser Amerikas stapel...
DIE GLOBALE TELENOVELA- EPIDEMIE...
Mexikos größter Exportschlager ist ein en...





REVIEWS



STEN

TRICKY



SO SO MODERN

STEREOLAB






RZA AS BOBBY DIGITAL
Digi Snacks
Bodog Music
Hätte dieses Album hier nicht RZA, sondern irgendein Anfänger eingereicht, hätte ich nicht geduldig bis zum Ende darauf gewartet, dass es irgendwann beginnt, erträglich zu werden. Ich hätte nach zehn Minuten aufgegeben und mich wichtigen Aufgaben zugewandt. Wie zum Beispiel dem Abwasch. RZA hat also nicht nur ein beschissenes Album abgeliefert, er ist außerdem schuld daran, dass ich mein Leben nicht auf die Reihe kriege.

PINK KANTHER




DAN LE SAC VS SCROOBIUS PIP
Angles
Sunday Best
Wenn diese zwei smarten Burschen hier in einem Stück Radiohead samplen, dann ist das fast zu viel des Guten. Das signalisiert in etwa so viel wie: „Das hier ist für alle, die in den letzten dreißig Minuten noch nicht mitbekommen haben, dass wir vor unserem akademischen Background eine neue Form von Rapkultur entwickeln, die Spoken-Word-geschult ist und wortgewandter als der Typ, der bei QVC die Perlenketten verkauft. Wir repräsentieren das Bildungsbürgertum, Leute, und sind trotzdem total lässig.“ Ähm, ja. Ist uns trotzdem irgendwie lieber als schon wieder: „Isch fick deine Mutter und die Mutter von deine Mutter fick isch gleisch danach.“

GRANDMASTER FLASCHE


TITTSWORTH
Twelve Steps
Plant Music
Bestimmte Clubsounds schaffen es, deine Seele zu berühren. Andere aktiveren ausschließlich deinen Genitalbereich. Baltimore Club gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Genau deswegen steht dem Genre der absolute Durchbruch entweder noch bevor, oder er wird nie eintreten. Tittsworth verarbeitet auf seinem Album unter anderem Soundeffekte, die klingen wie Furzgeräusche (in „Bumpin’“) und Hall & Oates-Zitate (in „Here he comes“). Natürlich ist das quasi dasselbe. Fazit: Wir sind nach diesem Album keinen Schritt weiter. Twelve Steps ... Keinen Schritt ... Zwinker, zwinker!

BALTHASAR BUSENWERT


V.A.
Nobody Knows Anything—DFA presents Supersoul Recordings
Supersoul/Kompakt
Supersoul haben es sich zur Aufgabe ge-macht, Platten zu veröffentlichen, die auf den Punkt bringen, was damals auf der Landkarte zwischen Kraftwerk, Space Disco, Detroit und Chicago erwähnenswertes passiert ist, und dabei klingen, als hätte sie jemand in einer Zeitkapsel vom Planeten Geschmackssicherheit auf die Erde geschickt. Aufgabe dieser Zusammenstellung des Backkataloges ist es u. a., auch CD-Käufer von der Mission des Labels zu überzeugen. Das heißt, wenn es gut läuft, hat Supersoul ab demnächst zehn Fans mehr.

SUPERTOUCHY


OTTO VON SCHIRACH
Oozing Bass Spasms
Cock Rock Disco
Am Morgen danach mit Speichel und Sperma verklebten Haupthaar? Blaue Flecken an den Schenkelinnenseiten? Der Verfall der westlichen Zivilisation bietet dem geneigten Betrachter dieses Szenarios nicht zuletzt durch solch Sympathen wie von Schirach Auswüchse, die nicht nur in der Lage sind, das untere Drittel des Sonnen-geflechts aller Beteiligten zu stimulieren, sondern auch schadenfroh und ohne Reue in die Mülltonnen dieser Welt abzuspritzen.

SEARCH: MUSIC TO GANGBANG TO




ATJAZZ
Full Circle
Mantis/Neuton
Ich hatte neulich diesen Traum. Ich stand in einem Club und alle durcheinander stolpernden Teenies mit durchgeschwitzten Neon-Leggins, löchrigen Oversized-Shirts und suchtproblematischen Anwandlungen verwandelten sich plötzlich in geschmackvoll gestylte Endzwanziger mit einem Lächeln auf den Lippen und gut dosiertem Sexappeal in ihrer Körpersprache. Von der Musik bekam man plötzlich keine Ohrenschmerzen mehr, sondern anregende Impulse wanderten von der PA ausgehend durch sämtliche Lustzen-tren. Ich landete natürlich wenige Stunden später wieder in der bitteren Realität, hatte aber immerhin noch dieses Album, das mich ab und an auf eine bessere Welt hoffen lässt.

C. G. JUNGCHEN


STEN
The Essence
Dial/Kompakt
Sten demonstriert uns anhand seiner Pro-duzentenexistenz, wie es möglich ist, auch aus dem langweiligsten bürgerlichen Namen noch ein cooles Producer-Alias zu zaubern. Ganz im Sinne des Arbeitsethos reduziert man ihn einfach auf die letzte Silbe. Eigentlich heißt der Typ Peter Ker... na? Kersten. Genau. Nebenbei haucht er seinem Album die Seele von Detroit so tief ein, dass Deephouse ab sofort mit drei ‚e‘ mehr geschrieben wird. Saubere Arbeit auf ganzer Linie. Aber komm jetzt nicht an und sag, dass du Detlef Bumfag heißt und dir jetzt so-fort einen Roland-Synthesizer kaufen willst.

ONOSPAST


TRICKY
Knowle West Boy
Domino
Ich weiß nicht genau warum, aber nach dem netten Portishead-Album hatten wir große Hoffnungen, dass auch die neue Platte von Tricky eine Rückkehr zu alter Größe darstellen könnte, vor allem als wir hörten, dass diesmal auch Switch mit an Bord ist. Dummerweise, ähm, ist sie ziemlich schlecht. Seine Stimme erinnert immer noch an einen transsexuellen Cartoon-Hund (das ist gut), aber es sind eine Menge schrecklich sinnloser Gastsänger dabei und die Musik ist irgendwie immer gleich, ohne dass irgendeine neue Zauberformel erkennbar wäre.

MICKY CHIPPER



HAVE HEART
Songs to Scream at the Sun
Bridge 9
Es gibt Boston-Hardcore, der sich programmatisch damit beschäftigt, die eigene Dummheit zu verherrlichen und dich Scheiße zu finden, wenn du kein saufender, aufgepumpter Proll bist. Dann gibt es wiederum Boston-Hardcore, der E. E. Cummings zitiert und dir erklärt, dass es auch mal OK ist, ein bisschen zu weinen. Beide Spielarten können je nach Stimmungslage sehr unterhaltsam sein, aber auch mächtig nerven. Have Heart gehören übrigens zur zweiten Kategorie.

CHINESE EMOCRACY


KILLING THE DREAM
Fractures
Deathwish/Indigo
Diese Platte bewegt sich brachial zwischen Unbroken und Sleepytime Trio und entwickelt dabei eine derartige Katharsiskraft, dass man bei etwaigen Anflügen von guter Laune freiwillig in Hundehaufen tritt, sich freiwillig eine komplette Bundestagsrede von Ulla Schmidt anhört und anschließend noch freiwillig ein Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verfolgt. Nur um so richtig Scheiße drauf zu kommen und sich danach von Fractures wieder befreien zu lassen.

FNDREA AISCHER


JAGUAR LOVE
Take Me to the Sea
Matador/Beggars Group/Indigo
Seit ich zum ersten Mal hörte, dass zwei ehemalige Blood Brothers zusammen mit den Überbleibseln von Pretty Girls Make Graves eine neue Band planen, habe ich mir Gedanken gemacht, wie das Resultat wohl klingen könnte. Jetzt ist es da und hört sich EXAKT so an, wie ich vermutet habe. Also entweder ich bin ein Hellseher oder diese Kerle sind in ihrer Unberechenbarkeit schon wieder zu berechenbar. Macht aber nix, da weiß man wenigstens, was man hat.

LEISURE SUIT LARRY


WHITE DENIM
Workout Holiday
PIAS Recordings
Bands, die ihre Singles und EPs in Eigen-regie veröffentlichen, waren mir schon immer sympathisch, und so mochte ich White Denim bereits, bevor ich zum ersten Mal diese schroffen, wütenden Tracks hier hören durfte. Sie sind stacheliger als ein Igel, der durch einen Bleistiftanspitzer gekrochen ist, und lauter als besoffene britische Touris-ten, was zusammen eine sehr angenehme Kombination ergibt.

DARK VICTORY


PIVOT
O Soundtrack
My Heart
Sie sind zwar nicht gerade die musikalische Avantgarde, aber irgendwie muss man all die Australier, die heimlich auf dem einzigen Synthie im Dorf ihren ausgetüftelten Space-Rock komponieren, einfach lieben. Einst hat man Bands wie die Midnight Juggernauts und Pivot aus dem Königreich von Oz gejagt, weil sie zu anspruchsvoll waren. Leider bleibt dieses Debüt, das gerne erhaben wie Jean Michel Jarre klingen würde, letztendlich aber nur ein mittelmäßiges Post-Rock-Gepansche ist, in jeder Hinsicht unbedeutend. Aber was hast du von einer Band erwartet, die sich „Pivot“ nennt?

LES PANINI


SO SO MODERN
Friends and Fires
Unter Schafen/Alive
Hört her, meine Indie-Disco-Schäfchen, ich bringe euch frohe Kunde! Die Langeweile ist vorüber! Die Erlösung klingt, als wäre Sonic the Hedgehog in eine Krautrock-Jamband eingestiegen! Dies mag befremdlich klingen, aber vertraut mir, im Rückblick wird es wie eine absolut logische Weiterentwicklung aussehen. So steht es ge-schrieben. Amen.

BABA HAM


TIGER! SHIT! TIGER! TIGER!
Be Yr Own Shit
To Lose A Track
Ich wollte eigentlich eine lange Liste von allen Bands machen, bei denen diese Lahmärsche hier geklaut haben, aber ich bin mittendrin eingeschlafen und habe geträumt, die ganze Welt würde nur noch aus Post-Wave-Punkern bestehen, die sich permanent gegenseitig „zitieren“. Es war, als wäre ich in einem Kettenkarussell gefangen, zu er-schöpft, um noch zu kotzen.

WINNIE POO


COFFINS
Buried Death
Southern Lord
Dies ist vielleicht der beste Zusammenprall zwischen den Morbid Angel der Covenant-Ära und Eyehategod-Sludge, den meine Ohren seit langem gehört haben. Wie kommt es, dass die Japaner alles richtig machen, während die Yankees nur noch schwachsinnigen Metalcore produzieren, mit dem Hockeyspieler an Spring Break Mädchen belästigen können?

JUANA DA BOISE




O'DEATH
Broken Hymns, Limbs and Skin
City Slang
Als Hill Kristal 1973 das legendäre CBGBs in New York eröffnete, waren es wahrscheinlich Bands im Stile von O’Death, die er dort spielen sehen wollte. Schade also, dass sie diese nette Sammlung folkiger Bluegrass-Punksongs etwa 30 Jahre zu spät veröffentlichen.

ALL ABOUT EVE


STEREOLAB
Chemical Chords
4AD
Um es aus der Perspektive der Musik-industrie zu sagen: Stereolab sind seit Ewigkeiten eine feste Größe im Geschäft. Fans der Londoner werden sich freuen, dass sie sich auch auf ihrem neunten Studioalbum—dem ersten seit vier Jahren—experimentier- und überraschungsfreudig zeigen. Schrullige Elek-tronik trifft auf Streichorchester und Plastik-Xylophon. Das Ergebnis ist ein ebenso selbstbewusstes wie erfrischend naives Album.

MARKED WOMAN


BECK
Modern Guilt
XL Recordings
Nachdem das letzte Panda Bear-Album veröffentlicht wurde, hielt es jeder für das höchste der Gefühle, wie Brian Wilson zu klingen, der in einem Meer aus Acid-getränkter Zuckerwatte abtaucht. Außer Beck. Der hält es für eine gute Idee, wie Brian Wilson zu klingen, der im Rollstuhl vom Gnarls Barkley-Produ-zenten ins Altersheim gekarrt wird. Eigensinnigkeit ist nicht immer zweckmäßig.

RAMMA GAY


SIGUR RÓS
Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalaust
EMI
Dass es bei entsprechenden Produktions- und Standortbedingungen möglich ist, die Seele von Natur und Schönheit auf Polycarbonatscheiben aufzuzeichnen, haben wir mittlerweile verstanden. Wir würden Sigur Rós nur gerne um zwei Dinge bitten: Bitte sucht euch Albumtitel aus, nach deren Abtippen man nicht zwangsläufig einen Chiropraktiker aufsuchen muss. Und tut doch zur Abwechslung mal so, als hättet ihr euch nicht auf einer Geysirnebel-umwölkten Wiese in Island, sondern in einer abgeranzten afghanischen Opiumhöhle kennengelernt.

E. HINSKEN





LATE OF THE PIER
Fantasy Black Channel
Parlaphone/EMI
Late Of The Pier haben in der Presse schon jede Menge Props für ihre Be-gabung bekommen, Gary Numan-Riffs nachzuspielen. Sie sind außerdem in der Lage, aus Fieldrecordings am Frühstückstisch lustige Klangcollagen zu erstellen. Ob die in gut zwanzig Jahren mal von einer aufstrebenden jungen Band nachgespielt werden, ist eher unwahrscheinlich. Was daran liegt, dass das Space-Zahnpastatubenessen der Zu-kunft einfach beschissene Sounds macht. Tatsächlich ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass diese Band die sonst üblichen zwei Monate Hype-Halbwertzeit überlebt.

GEORDIE LA FORGE


DAVID VANDERVELDE
Waiting for the Sunrise
Secretly Canadian/Cargo
OK, langsam reicht es dann auch wieder mit dem Hippiescheiß. Spätestens hiermit möchten wir die „40 Jahre 1968“-Feierlich-keiten offiziell für beendet erklären. Habt ihr denn unser Interview mit Laibach nicht gelesen? Man kann Geschichte weder wiederholen, noch hinter sich lassen. Man kann aber durchaus die Augen öffnen und erkennen, dass ihr bekackten Zottel außer Ben & Jerry’s-Eis nichts hinterlassen habt, worüber man sich heute noch freuen könnte. Peace!

MARY HALL


THE DODOS
Visiter
Wichita
Aaah, diese blechernen Banjos und Mitsing-Melodien sind genau das, was man braucht, wenn man wie Huckleberry Finn barfuß auf einem Floß den Fluss hinuntertreibt und auf einem Grashalm kaut. Für eine halbe Stunde kann man dann vergessen, dass man seit drei Monaten kein Gehalt mehr gesehen hat und die Hausverwaltung einem auf den Fersen ist.

MR. SKEFFINGTON


SON AMBULANCE
Someone Else’s Déjà Vu
Saddle Creek/Indigo
Schön, dass es noch ein Label gibt, dass einen Schutzraum für alleingelassene, verschrobene Einsiedler bietet. Man muss sich mal vorstellen, wie die Weihnachtsfeier bei Saddle Creek aussehen mag. Wahrscheinlich sitzen die ganzen verwirrten Freaks um den Kamin, starren verschüchtert auf ihre Füße und summen abgefahrene Melodien vor sich hin. Am Ende eine förmliche Verabschiedung, wir sehn uns im nächsten Jahr, und dann geht es schnell zurück in die Sicherheit der stacheldrahtumzäunten Berghütte.

NICK FURY


SUDDEN INFANT
Psychotic Einzelkind
Blossoming Noise
Vielleicht einer der letzten Künstler von Format, die du noch zu Gesicht bekommen kannst, bevor es mit der post-industriellen Kultur vollends den Bach runtergeht und die klangliche Gefälligkeit in homogenem Schrecken über die nachfolgenden Generationen herrscht. Dass es so kommen wird, wissen wir alle. Sind ja selbst schuld. Keiner hat eingegriffen, als all die wichtigtuerischen Schnösel und Lang-weiler in die Clubs einfielen.

BLACK PAINT


ANDY DALE PETTY
All God’s Children Have Shoes
Voodoo Rhythm

LUSTMORD
[other]
Hydra Head
Wusstet ihr, dass die gute alte Indus-trial-Koryphäe Brian Lustmord inzwischen sogar Gatorade- und Bud Light-Werbespots mit Sounds unterlegt hat? Da schließen sich Kreise, die man nie zu ziehen gewagt hätte. Wieauchimmer: Für sedierte Dämmerzustände bleibt er die Nummer 1.

ABYSS ME

Deine zerfledderte „Unterwegs“-Ausgabe ist durch die Baked-Beans-Soße verklebt, aber das macht nichts. Du solltest es nicht für voll nehmen, es steht eh nur die halbe Wahrheit drin. Kein Wort über erzwungene Highway-State-Trooper-Fella-tios, vier Wochen lang nicht gewaschene Unterhosen, Sonnenstich-induzierte Wahn-vorstellungen, geschundene Schäfchenhintern, die übel juckende Krätze und abgefaulte Zehen an deinem Fuß. Hier auch nicht. Manche Klischees sterben einfach nie.

HOBO MY ASS


< Seite Zurück

COMMENTS