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Abraham Cruzvillegas

Vice: Wo kommst du her?

Abraham:
Ich bin in einem Stadtteil aufgewachsen, der Colonia Ajusco genannt wurde, weil man von dort aus das Ajuscogebirge sehen konnte. Es sah aus wie eine Mondland-schaft—nur erstarrte Lava und Felsen. Niemand dachte daran, dass man dort leben könne, aber bald begannen die Leute, vom Land dort hinzuziehen, so auch mein Vater. Sie besetzten illegal das Land und begannen, ihre Häuser aus Materialien zu bauen, die sie dort vorfanden: Vulkangestein und gebrauchtes Holz. Teil dieser Gemeinschaft zu sein, war eine einzigartige Erfah-rung. Wir haben alles miteinander geteilt.

Wie lange bist du jetzt schon in Frankreich?

Seit drei Jahren. Ich wurde zu einem Stipendiatenprogramm für Künstler in den kleinen Ort Saché eingeladen—ins Atelier des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder. Ich verbrachte sechs Monate dort und dann bin ich nach Paris gezogen.

Kannst du uns etwas darüber sagen, wie du Paris in deiner Kunst verarbeitest?

Ich habe zum Beispiel eine Arbeit, die aus Obstkisten von französischen Märkten besteht. Für mich ist das ein fantastisches Material. Sie werden nur einmal verwendet und dann stehen sie da stapelweise herum. Dieses Material ist für mich Paris. Der Müll hier ist echt toll. In diesen Kisten war Obst aus Afrika, Mexiko und Spanien. Es ist eine Synthese der Globali-sation aus Müll und aus der Nahrung, die wir hier verzehren.

Wir Franzosen haben keine Ahnung von Mexiko. Wir haben keinerlei kulturelle oder historische Verbindungen, oder?

Hey, es gab sogar einen Krieg zwischen Frankreich und Mexiko! Cinco de Mayo ist der Feiertag unseres Sieges über Frankreich. Es gab mal einen französischen Kaiser in Mexiko, unter Napoleon III., glaube ich. Die Mexikaner haben den Kaiser nach einem Jahr erschossen. Ein Freund von mir, Beto, kommt aus der ländlichen Gegend von Puebla, wo man sehr stolz darauf ist, die französische Armee geschlagen zu haben. Es waren einfache Ureinwohner, ohne Schuhe, und sie haben den Krieg gewonnen! Keine Ahnung wie, aber sie haben es geschafft.

Kein Wunder, dass sie uns das nicht beibringen. Kannst du mir ein paar Unterschiede zwischen den Franzosen und den Mexi-kanern nennen?

Ich glaube, wir Mexikaner vertrauen keinem. Aber man muss sich auch die sozialen, ökonomischen und historischen Hinter-gründe ansehen, um das zu verstehen. Ich liebe mein Land, aber die Armut ist so verbreitet, dass es unmöglich ist, Gewalt, Kriminalität und Verbrechen einzudämmen—die Leute haben nichts zu verlieren. Etwas Gutes, das ich über die Mexikaner sagen kann, ist, dass sie sehr enthusiastisch sind. Wir können sogar den Tod besiegen, oder zumindest glauben wir das. Wir wursteln uns durch alles irgendwie durch. Für uns ist nichts wirklich schlimm.

INTERVIEW: MATHIEU BERENHOLC UND BAKER WARDLAW
FOTO: ALEJANDRA CARRILLO


CONTINUED
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