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Bernardo Loyola
Vice: Du arbeitest ja für uns. Was war dein erster Eindruck von New York?
Bernardo: Das erste Mal, als ich in New York war, war ich nur für ein Wochenende hier und es zog gerade einen Hurrikan über die Stadt. Hurrikan Floyd oder so was. Die Stadt war im Ausnahmezustand und ich habe mir gedacht, dass ich eines Tages hier leben werde.
Ist es in New York überhaupt etwas Besonderes, Mexikaner zu sein? Es sieht nicht so aus, als wäre das jetzt ein sonderlich großer Kulturschock.
New York ist eine sehr offene Stadt und es ist ein großes Glück, hier zu sein. Ich habe aber eine andere Art von Schock erlebt. Es gibt in New York eine riesige mexikanische Gemeinde, aber die meisten Mexikaner kommen illegal aus den ländlichen Gegenden hierher und arbeiten in den Küchen der Restaurants oder Bodegas. Ich hatte ein Stipendium und bin für ein Magisterstudium hierhergezogen. Ich arbeite ganz legal als Filmcutter hier und spreche außerdem fließend Englisch, also ist es ... wie sage ich das jetzt am besten ... Wenn man in Mexiko lebt, gibt es da alle möglichen verschiedenen Leute, die alles Mögliche und Unterschiedliche machen, aber wenn man nach New York zieht, werden die Klassenunter-schiede viel offensichtlicher. Die Mittelschicht, aus der ich, glaube ich, in Mexiko komme, gibt es hier einfach nicht. Die Klassenunterschiede sind hier extrem krass.
Das macht Sinn. War es schwer, ein Visum zu bekommen?
Es ist eher nervig und es ist sehr teuer, sogar wenn man einen Job und einen Bürgen hat. Es hat mich über 5.000 Dollar gekostet, und die Kosten, um zweimal im Jahr runter nach Mexiko zu fahren, um es zu verlängern, sind dabei noch nicht mal mit einberechnet. Man muss der Botschaft dann nämlich jedes Mal 250 Dollar bezahlen und auch noch den ganzen Tag dort verbringen. Hier ist eine witzige Geschichte: Ich bin letzte Woche hingefahren, um es zu erneuern, und der Beamte, der meinen Antrag bearbeitete, sagte zu mir: „Arbeiten Sie noch für Vice?“ Ich wusste nicht, warum er so genau nachfragte und machte mir Sorgen, ob es irgendein Problem gäbe, aber dann sagte er: „Mann, wann kriegen wir hier unten endlich Vice? Ich schaff es nie, an eins ranzukommen!“ Das hätte ich von diesem Amt nun wirklich nicht erwartet! Ich sagte ihm also, dass wir gerade mit einer mexikanischen Ausgabe anfangen und habe ihn zur Launch-Party eingeladen.
Was ist das Beste am Leben in Mexiko-Stadt?
Die Leute beschweren sich immer, wie chaotisch es ist. „Es ist so ein Chaos, es ist schrecklich.“ Aber dann lieben sie es doch irgendwie alle wieder. Ich denke, das liegt daran, dass es so viele Möglichkeiten mit sich bringt. Wie in New York vor 30, oder in Berlin vor 10 Jahren. Mexiko-Stadt fühlt sich genauso an. Es hat eine tolle Kunst- und Musikszene und es bekommt jetzt auch durch Leute wie Miguel Calderón oder dieses Musik- und Kunstkollektiv, Nuevos Ricos, mehr Anerken-nung. Es gibt auch ein paar tolle neue Bands, wie zum Beispiel Hong Kong Blood Opera. Ich finde auch das vor kurzem verhängte Rauchverbot in Mexiko-Stadt gut.
INTERVIEW UND FOTO: AMY KELLNER
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