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Jenny Salguero

Vice: Hi Jenny, was bringt dich nach Australien?

Jenny:
Ich bin in einer der größten Städte Mexikos, in Puebla, aufgewachsen. Sie liegt südöstlich der Hauptstadt. Der Mann, den ich in jungen Jahren heiratete, kam aus El Salvador, und obwohl dort Bürgerkrieg herrschte, zogen wir in den 80er Jahren gemeinsam dorthin. Mein Mann durfte nicht in Mexiko leben, was zum Teil mit der Korruption innerhalb der Regierung zu tun hatte. Wir mussten aus El Salvador weg und Australien hat seine Türen für uns geöffnet. Das war vor fast 17 Jahren.

Was machst du hier?

Ich leite einen Verein namens Fiesta Mexico. Die Idee ist, auf Festivals und Privatfeiern traditionelle mexikanische Tänze aufzuführen. Die mexikanische Gemeinde in Australien ist sehr klein und wir vermissen unsere Kultur. Der Verein bietet uns die Möglichkeit, uns weniger isoliert zu fühlen.

Unterscheidet sich der mexikanische Lebensstil stark vom australischen?

Die zwei wichtigsten Unterschiede sind die Schule und die Arbeit. In Mexiko ist Bildung für alle frei zugänglich. Das trifft auch auf die Highschool und die Universität zu. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass viele Leute ihr Studium abgebrochen hätten. Ich glaube, die Vorstellung von einem besseren Leben und einer besseren Zukunft, treibt die Mexikaner an, sich mehr anzustrengen. Die Arbeit ist auch anders. Wenn man in Mexiko Vollzeit arbeitet, arbeitet man von neun Uhr morgens bis ein Uhr mittags, dann hat man eine zweistündige Mittagspause, und dann geht man am Nachmittag wieder zur Arbeit, und das von Montag bis Samstag. Die Schule fängt sehr früh am Morgen an und ist früh zu Ende, damit die Kinder mehr Zeit mit ihren Familien verbringen können.

Hattest du in Mexiko das Gefühl, gleichberechtigt zu sein?

Oh ja! Der einzige Unterschied ist die ganze Aufmerksamkeit, die man dort als Frau bekommt, was hier völlig fehlt. Wenn man in Mexiko einen kurzen Rock trägt, kriegt man von den Latino-Männern viel Aufmerksamkeit, wohingegen die Typen hier darauf überhaupt nicht reagieren.

Die Mexikaner lieben Festivals. Kannst du dich an die Festivals erinnern?

Natürlich, in Mexiko gibt es unglaublich viele davon. Das ganze Jahr über gibt es etliche Anlässe, zu feiern. Einer unserer wichtigsten Feiertage ist der Tag der Toten, der am selben Tag ist wie Halloween. Das ist der Tag, an dem wir unserer Toten gedenken. Die meisten Familien bauen bei sich zu Hause einen Altar für ihre verstorbenen Familienmitglieder auf und darauf dann Bilder von ihnen und Dinge, die sie zu Lebzeiten mochten. Für meinen Vater haben wir immer eine Packung Zigaretten und ein bisschen Tequila hingestellt, weil er gerne rauchte und trank. Für meine Schwester haben wir immer ihr Lieblingsessen hingestellt. Das mache ich auch jetzt in Austra-lien noch so.

INTERVIEW: BRIONY WRIGHT
FOTO: DANIEL ALOISIO


CONTINUED
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