NEWSLETTER



DOS & DON'TS

You know boning a girl is the right decision when even God's like, "What the fuck are you waiting for? Get in there!" Comments/Enlarge | See all


Can you imagine what it feels like to go from the James Dean of Shanxi Province to the laughingstock of Dolores Park in the space of a single plane ride? It's like realizing the whole room knows you're stoned, only instead of six or seven people you thought were your friends, it's an entire culture. Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

DIE TORSOS DES AMAZONAS
Hey, wisst ihr was? Nicht alle brasiliani...
GLOBAL TREND REPORT '08 - KOPENH...
Die Dänen beschreiben sich selbst gern al...
JIM KREWSON SPIELT JETZT WAHRSCH...
Vice: Diese Zeichnungen hast du alle f...
BESTÜCKT WIE EIN GASTROPODE
Die Präzision eines Schneckengenitalien-I...





Foto: Chris Shonting

THOMAS CAHILL RETTET DIE ZIVILISATION - PART 1


INTERVIEW: JESSE PEARSON

Danke, Thomas Cahill! Tausend Dank! Du hast bei weitem mehr dafür getan, alte Geschichte lesbar und unterhaltsam zu machen, als alle deine Historikerkollegen in ihren verstaubten Zombiehütten zusammen. Mit seinen Büchern Wie die Iren die Zivilisation retteten und den bisher nur auf englisch erschienenen Sailing the Wine—Dark Seas und Myteries of the Middle Ages schreibt der Historiker selbst Geschichte. Er revolutioniert deren Zugang, indem er sich den Persönlichkeiten und den Details des täglichen Lebens mit großer Aufmerksamkeit und Sorgfalt nähert. Es ist seine Mission, das schlimmste Verbrechen der akademischen Welt wieder zu beenden: Die besten Geschichten der Welt dürfen nicht mehr langweilig sein. Scheiß auf die Schule. Scheiß auf die Univer-sitäten. Lest stattdessen lieber Thomas Cahill.


Vice: Das Mittelalter, besonders die Anfangs-jahre, haben einen ziemlich üblen Ruf. Nicht umsonst wird es als das „dunkle Zeitalter“ bezeichnet. Alle denken an düstere, von Krankheit und Brutalität geprägte Zeiten. Aber nach ihrem Buch habe ich den Ein-druck, dass das so nicht stimmt.

Thomas Cahill:
Ein großer Teil der Vorstellungen, die wir über das Mittelalter haben, stammt in Wirklichkeit aus der Renaissance. Es ist nämlich so, dass die Leute während der Renaissance all unsere Begriffe prägen konnten. Sie nannten sich selbst Hu-manisten, aber genau genommen waren sie eigentlich Philologen. Sie hatten Griechisch gelernt, das im früheren Mittelalter nur weni-gen Leuten geläufig war, und begannen direkt von den griechischen Texten zu übersetzen, die hier und da erhalten waren, zum Teil von irischen Schreibern, aber größtenteils von isla-mischen Gelehrten.

Welche griechischen Texte waren ihnen wichtig?

Plato war ein Grieche, den sie alle kannten. Im frühen Mittelalter war der wichtigste Philo-soph, Augustinus, ein Platoniker. Plato hatte jedoch ein sehr, sehr düsteres Weltbild. Ich meine, er glaubte, dass die Menschheit in einer Höhle lebt und das nichts, was wir sehen, real wäre—wir sähen nur Schatten an der Wand.

Warum erfreute sich dann Plato solch anhaltender Beliebtheit?

Nun ja, im Grunde war die Welt der Antike—unserer Antike, also der Griechen und Römer—extrem pessimistisch. Das än-derte sich erst nach der Einführung des judeo-christlichen Optimismus, der davon ausging, dass die Dinge sich am Ende zum Guten wandeln werden. Die Menschen in der Antike dachten hingegen, dass die Dinge sehr, sehr schlecht enden würden. Die meisten Griechen fanden, es wäre das Beste, seinen eigenen Körper so schnell wie mög-lich loszuwerden. Sie glaubten, dass wir als Funken des Geistes in der Materie gefangen waren und dass wir, sobald wir uns all dessen irgendwie entledigen könnten, gerettet wären—zu dem Einen zurück-kehren, was auch immer sie damit meinten! Im frühen Mittelalter dachten die Leute: „Nun, wenn die Griechen ‚der Eine‘ sagen, meinen sie Gott.“ Aber in Wirklichkeit meinten sie sehr viel mehr.

Das ist eine sehr fernöstliche Sichtweise.

Ja, das ist es. Ich bin sicher, dass die Ideen von Pythagoras, der in Wahrheit der große Vorläufer Platos ist, derselben Linie wie der Buddhismus entstammen. Aber diese Linie ist nicht mehr auffindbar. Sie ist verloren.

Glauben Sie, dass so jemand wie Pythagoras und die Buddhisten einen gemeinsamen Vor-gänger haben?

Absolut. Sie sind sich viel zu ähnlich und sie haben genau genommen nicht nur dieselben Vorstellungen von Materie und Geist, sie haben beide auch dieses Ding mit den Zahlen und der Mathematik. Das kann kein Zufall sein. Es gab damals zwei große Zivili-sationen—Griechenland und Indien. Sie trie-ben natürlich Handel miteinander.

Na jedenfalls waren Aristoteles’ Ansichten in Griechenland die einer Minderheit. Er war derjenige, der sagte, dass Plato einen Haufen Scheiß erzähle: „Ich war Platos Student und Plato kann sehr clever sein, aber er liegt falsch. Der menschliche Geist ist völlig in Ordnung. Unsere Sinne sind völlig in Ord-nung. Wir sehen, was wirklich da ist. Wir hören, was wirklich da ist. Ja, wir irren uns manchmal, aber wir leben nicht in der Dun-kelheit einer Höhle. Wir erleben die tat-sächliche Wirklichkeit!“ Aristoteles hat sich sehr für die Vorstellung eingesetzt, dass die Augen sehen und die Ohren hören.

Und damit kommen die Wurzeln des wissen-schaftlichen Denkens sozusagen von ihm.

Sie hatten noch keine Wissenschaft im Sinne von Experimenten. Aber sie haben beob-achtet.

Und was ist mit Augustinus, dem ersten großen Philosophen des Mittelalters?

Der war durch und durch Platoniker. Er war zwar Christ, aber er war ein Platoniker.

Ist das ein Gegensatz?

Das sollte man meinen. Obwohl die Welt, in die das Christentum geboren wurde, eben eine griechische war. Das neue Testament wurde in Griechisch geschrieben. Latein kam erst später. Die Sprache des ersten Jahrhunderts war Griechisch. Der kleine Mann, der an der Ecke Obst verkaufte, musste ein paar Brocken Griechisch kennen, um überleben zu können. Alle sprachen es. Man kann keiner Minderheit in einer dominanten Zivilisation angehören, ohne deren Ideen anzunehmen. Man kann sich dem nicht komplett verschließen. Das ist es, was die militanten Muslime und andere militante, religiöse Strömungen heute so wütend macht. Es trifft auch auf die militanten Juden in Israel zu. Und für militante Christen in den USA. Es macht sie alle verrückt, dass ihre Kinder die Ideen aufsaugen, die überall in der Luft schweben.

Und so hat Augustinus, da er selbst zu seiner Zeit von griechischer Kultur durchtränkt war, etwas vom Ethos Platos in seine Philo-sophie übernommen.

Genau. Bei Augustinus findet man eine sehr düstere Art des Christentums. Es ist sehr anti-sexuell. Es ist einfach sehr traurig. In vielerlei Hinsicht liebe ich Augustinus. Er schreibt wunderwunderschönes Latein. Es ist schwer, ihn zu hassen. Aber ich mag weder Plato, noch den Platonismus.

Wer kam nach Aristoteles?

Im 12. Jahrhundert gab es Abelard. Er hatte einen unangenehmen Charakter, war extrem selbstsicher und arrogant. Aber er war der erste Philosoph des Mittelalters, der sagte, dass Aristoteles recht habe. Aquino, der eine sehr viel friedlichere Persönlichkeit hatte, legte im 13. Jahrhundert richtig los. Zu dem Zeit-punkt war der komplette Aristoteles ins Lateinische übersetzt worden. Damit bekam nicht nur die Philosophie, sondern auch die Wissenschaft Auftrieb. Viel von dem, was Aristoteles geschrieben hatte, war Wissen-schaft, aber auch Geschichte. Er ist derjenige, der Dinge wie die Metaphysik erschuf. Der Begriff kommt von ihm. Die Praxis der Unter-teilung des Wissens in Disziplinen kommt ebenfalls von Aristoteles. Er gab uns das Ord-nungssystem der westlichen Welt.


CONTINUED
THOMAS CAHILL RETTET DIE ZIVILISATION | 1 | 2 |


< Seite Zurück

COMMENTS