Während einer besoffenen Festivalnacht beim Osloer Inferno 2003 treffe ich Metalion. Seine Freundlichkeit und seine einzigartige Kenntnis des extremen Metals beeindrucken mich sehr. Über die folgenden Jahre bleiben wir also in Kontakt und fachsimpeln gelegentlich über Kameras und Platten. Auch mein Kumpel, Johan Kugelberg, die redaktionelle Hauptantriebskraft hinter meinem neuen Buch mit Fotos der Black-Metal-Szene (True Norwegian Black Metal, erschienen bei Vice Books), kennt Metalion und schlägt vor, ihn für die Zusammenstellung des Buchs zurate zu ziehen.
1985 gründet Metalion Slayer, das zum wichtigsten und einflussreichsten Metal-Fanzine Norwegens wird. Der Typ ist so eine Art Vergil des Black Metal. Er ist bei allen notorischen Ereignissen persönlich dabei gewesen und reflektiert diese hautnahe Perspektive in seinem fantastischen Zine. Es gibt keine bessere Autorität für dieses oft missverstandene und missrepräsentierte Genre.
Im Folgenden seht ihr Metalions Kostprobe der unheiligen Geschichte des norwegischen Black Metal.
PETER BESTE
Das ist eine Liste meiner Erlebnisse während der prägenden Jahre des Black Metal Norwegens. Natürlich ist sie nicht vollständig, sondern stellt lediglich einen Überblick über ein paar der wichtigsten Elemente und Eindrücke der gesamten Szene dar. Vermutlich denken die meisten bei norwegischem Black Metal an Mord und Kirchenbrände, aber ich will mich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Musik. Black Metal ist übrigens kein rein norwegisches Phänomen. Die Welt wurde erst auf den norwegischen Black Metal aufmerksam, als das britische Magazin Kerrang! 1992 einen Artikel druckte, der die Bands Mayhem, Emperor und Burzum vorstellt. Seitdem breitet sich unser Kult aus dem Underground in die ganze Welt aus und wächst immer weiter. Abgesehen davon, dass die Musik echt gut ist. Möge die Dunkelheit herrschen!
METALION
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| VENOM |
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HELLHAMMER |
Kaum beginne ich mit Meta-lion, rügt mich das schlechte Gewissen, Venom noch nicht genannt zu haben. Venom bringt nämlich den Black Metal mit ihrem zweiten Album, Black Metal, erst ins Rollen. Das ist zwar noch nicht der Black Metal, wie er heute klingt, aber trotzdem: Das hier ist Black Metal und alle anderen nur schlechte Fakies! Ihr Debütalbum von 1981, Welcome to Hell, ist genauso wichtig, da es das Feuer entfacht. OK, sie sind eigentlich aus Newcastle in Groß-britannien und müssten genau genommen am Ende auf der Liste nicht-norwegischer Brüder stehen, aber scheiß drauf: Sie sind Venom! |
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Und nochmal, scheiß drauf! Aus dem schönen Nürens-dorf (in der Schweiz) kommen dann nämlich Hellhammer. Die bringen 1983 eine Trilogie von Demos heraus: Death Fiend, Triumph of Death, und Satanic Rites. Ich erinnere mich, dass ich 16 war, als diese herauskommen, und ich noch nie so etwas gehört hatte. Direkt von der Band besorge ich mir das Demo Satanic Rites. Meiner Meinung nach ist es nach wie vor die wichtigste Veröffent-lichung, was extremen Metal betrifft. Schon lustig, das jetzt in „normalen“ Läden zu sehen, wenn man bedenkt, wie durchgeknallt wir damals galten. |

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| BATHORY |
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CELTIC FROST |
Es bedarf einer Band wie Bathory, um die Grenzen des Bösen im Metal zu erweitern. Mit ihrem Debüt 1984, zweier Tracks auf der Scandinavian Metal Attack-Compliation, klingen sie tausend Mal finsterer als Venom. Ihr zweites Album, The Return …, von 1985 ist hingegen ein übler Brocken destruktiven Metals.
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Mit der Mit der Veröf-fentlichung des Mini-albums Morbid Tales steuern sie 1984 einen etwas anderen, avantgardistischen Einfluss zum Sound bei. Für mich ist die LP-Ausgabe von To Mega Therion ein Jahr später ihre beste Veröffentlichung. Bei jüngeren Metal-bands höre ich den Einfluss von Celtic Frost und Bathory deutlich heraus. Celtic Frost sind noch aktiv und ihre Comeback-Veröffent-lichung, Monotheist, ist echt gut, obwohl ich nicht sicher bin, ob mir die Puristen da zustimmen. |

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| MAYHEM |
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MORBID |
Nach mehr-fachen Problemen mit ihrer Bandbesetzung stößt 1988 Dead zu Mayhem und wird wenig später von Hellhammer an den Drums gefolgt. Dead entscheidet sich 1991, sein Leben zu beenden. Mayhem machen trotz-dem weiter. Sie nehmen das legendäre Album De Mysteriis Dom Sathanas auf. Das wird veröffent-licht, nachdem Christian „Varg“ Vikernes von der Band Burzum seinen früheren Freund, den Mayhem-Gitarristen Euronymous, ermordet hat. Diese Platte ist immer noch ein zeitloser Klassiker. Es ist wahrscheinlich die wichtigste Veröffent-lichung der zweiten Generation des Black Metal. |
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Die haben Dead bereits an den Vocals, bevor er von Schweden nach Norwegen zieht, um zu Mayhem zu wechseln. Morbid setzen mit der 87er Demo December Moon ein Zeichen. Dead nahm es übrigens mit dem Konzept, was Black Metal sein soll, sehr ernst. Seine Leichen-bemalung war ein Markenzeichensowohl Morbids, als auch Mayhems. Seine starke Persönlichkeit wird schnell zum Vorbild vieler aufstrebender Black-Metal-Sänger.
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| BURZUM |
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DARKTHRONE |
Christian „Varg“ Vikerness betritt 1991von seiner wohlmeinenden Mutter großzügig mit Geld ausgestattetunsere Szene. Seine Ein-Mann-Band Burzum wird rasch von Euronymous’ Deathlike Silence Label unter Vertrag genommen. Das Debütalbum kommt 1992 heraus und macht mit den kreischenden Vocals und den primitiven Black-Metal-Sounds Furore. Das ist sein bestes Album. Aber irgendwie sind die Leute bei Burzum mehr an Kirchenbränden und Morden interessiert als an seiner Musik. |
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Darkthrone haben eine lange Vorge-schichte. Unter dem Spitznamen Black Death beginnen sie zunächst ein paar Demos und Probebänder herauszubringen, die sich ganz gut im Untergrund verbreiten. 1990 bringen sie das Album Soulside Journey heraus. Ihre musikalischen Vorstel-lungen ändern sich mit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums von 1991, A Blaze in the Northern Sky, das zu einem Black-Metal-Klassiker wird. Ich bekomme davon eine Advance Copy in die Hände, die mich absolut umhaut. Weil es auf einem großen britischen Label herauskommt, gilt dieses Album als ein Durchbruch für die zweite Generation des Black Metal. |

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| EMPEROR |
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GORGOROTH |
Emperor bringen 1992 ihr Demo Wrath of the Tyrant heraus, deren extremer Stil mich sofort anzieht. Jahre später bringe ich dieses Demo mit Vergnügen auf meinem eigenen Label, Head not Found, auf Vinyl heraus. Emperor werden rasch vom Candlelight Label unter Vertrag genommen und 1993 kommt ihre erste Mini-LP auf den Markt. Auf dieser Platte vermischen sie ihren rohen Black Metal mit einem symphonischeren Sound, der im weiteren Schaffen der Band prägender wird. |
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Meines Erachtens haben Gorgoroth kein einziges schlechtes Album gemacht. Die drei ersten Alben, Pentagram (1994), Antichrist (1996) und Under the Sign of Hell (1997) sind unangefochtene Klassiker. Das 93er Demo, Sorcery Written in Blood, soll natürlich auch erwähnt werden. Gorgoroth liefern kompromisslosen Black Metal der norwegischen Schule. |
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BLACK METAL MEDIEN
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SLAYER MAGAZIN
Slayer ist mein Fanzine. Die erste Ausgabe kommt Anfang 1985 heraus und ist nur ein kleines fotokopiertes Zine. Aber je mehr sich die Dinge entwickeln, desto professioneller wird es. Die Ausgabe 3/4 (1986) ist das erste Blatt, in dem Mayhem vorgestellt werden. Als 1995 die zehnte Ausgabe erscheint, sind alle richtigen Black Metal Bands vertreten. Das Interesse ist riesig und bis heute ist das die Ausgabe, die sich am besten verkauft hat. 2003 gibt es für Slayer eine kleine Verschnaufpause, aber das Biest soll irgendwann 2008 noch einmal geweckt werden.
Als ich mit dem Heft anfange, sind Fanzines die Lebensader des Undergrounds. Die Medien ignorieren weitestgehend unsere Musik und somit sind unseres Zines die einzige Möglichkeit, Nachrichten großflächig zu verbreiten. Kids, vergesst nicht, dass es die Zeiten vor dem Internet sindwir schreiben noch Briefe und handeln mit Tapes, um am Ball zu bleiben. Viele Leute versuchen sich an Fanzines und viele scheitern. Euronymous von Mayhem zum Beispiel. Harmony Dies soll komplett per Hand geschrieben werden, aber kommt nie zustande. Bård Faust (von Thorns und Emperor) bringt ein sehr gutes Fanzine namens Orcustus heraus, das aber nur von 1990 bis 1992 sein kurzes Dasein fristet.
Ausnahmslos unabhängige Verleger bringen unsere Fanzines heraus, sodass wir nicht von den Plattenlabels kontrolliert werden. Zugegebenermaßen ist die journalistische Qualität nicht immer allzu beeindruckend, aber der Enthusiasmus hinter dem Geschriebenen spricht für sich. Die Bedeutung der Fanzines soll bitte nie vergessen werden.
DEMOBÄNDER
Keine Anfangszeiten des Black Metal ohne Demobänder. So viele Namen verbreiten sich ausschließlich durch die Zirkulation innerhalb des Kassettenhandels. Viele von ihnen geraten über die Jahre in Vergessenheit. So viele legendäre Demos von norwegischen Bands gibt es zwar nicht, aber Schweden hat eine Menge guter Beispiele. Obscurity bringen zwei legendäre Demobänder, Ovations to Death (1985) und Damnation’s Pride, heraus. Es ist wahrscheinlich nicht mehr so leicht da ranzukommen, aber den Versuch wäre es wert.
Eine weitere wichtige Triebkraft sind Mefisto aus der Stockholmer Gegend. Sie bringen nur zwei Demos heraus: Megalomania (1986) und The Puzzle… (1986/87). Das Interessante an dieser Band ist die extrem virtuose Gitarrenarbeit und ein paar kleine, eigene klassische Stücke.
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NICHTNORWEGISCHE METAL-BRÜDER
| SARCOFAGO |
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SODOM |
Die kommen aus Brasilien. 1987 bringen sie ihr Debütalbum I.N.R.I. heraus. Mehrere brasilianische Bands greifen frühe, extreme Bands aus Europa auf, wie Sodom und Hellhammer. Das Problem bei denen: Sie klingen immer irgendwie schlechter als ihre europäischen Gegenstücke. Damit meine ich die sehr rohe und primitive Produktion, aber das prägt natürlich auch die Atmosphäre. Sarcofago haben einen blasphemischen Ruf und tragen außerdem Leichenbemalung. I.N.R.I. feiert in der norwegischen Black-Metal-Gemeinde einen Riesenerfolg. Eine andere, ebenso gute Band sind Vulcanoebenfalls aus Brasilienmit ihren 86er Album Bloody Vengeance. Es ist mittlerweile komisch, sich vorzustellen, dass Sepultura einmal Teil dieser Szene waren. |
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Die deutschen Meister der Blasphemie muss ich einfach erwähnen. Sodom gaben ihr Debüt auf Vinyl mit der EP In the Sign of Evil von 1984, auf das 1986 die LP Obsessed by Cruelty folgte. Ihre Musik ist primitiv, roh und zieht daher den harten Kern der Metalfreaks an. Auf Obsessed by Cruelty gibt es einen Song mit dem Titel „Deathlike Silence“den Euronymous von Mayhem dann als Namen für sein Label wählt.
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| MERCYFUL FATE |
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SLAYER |
Ebenfalls eine der ersten Black-Metal-Bands, diesmal aus Dänemark. Und ja, ich nenne sie Black Metal! Mercyful Fates Verständnis von Black Metal ist musikalisch anders und hat mehr mit Michael Schenker oder UFO gemeinsam als mit Venom. Sie sind eher eine traditionelle Metalband mit den üblichen satanischen Texten. Der Sänger, King Diamond, singt mit einer Falsettstimme. Das unterscheidet sie von anderen Bands. Ihre Version des Metals hat etwas Gespenstisches. Die wichtigsten Alben sind Melissa von 1983 und Don’t Break the Oath von 1984, eins meiner persönlichen Lieblingsalben.
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Wenn man wissen will, welche amerikanischen Bands zur Glanzzeit des Black Metal Norwegern wichtig waren, dann muss Slayer unbedingt erwähnt werden. Natürlich sind sie keine traditionelle Black-Metal-Band, aber sie haben ein paar satanische Seiten. Die meisten werden Reign in Blood (1986) als ihr wichtigstes Opus nennen, aber ich finde Hell Awaits (1985) und die EP Haunting the Chapel (1984) interessanter. Possessed, mit ihrem übertrieben satanischen Image und ihrem fantastischen Album Seven Churches (1985), darf ich hier ebenso wenig vergessen. In diesen Jahren, als der Rest der Metalwelt Iron Maiden und Judas Priest hört, beginne ich zu merken, dass ich nichts mehr mit dem normalen Metal gemein habe. |
JON „METALION“ KRISTIANSEN
Eine brandneue Ausgabe des Slayer Magazins ist gerade in Arbeit.
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