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POGUE MAHONE HEISST: LECK MICH AM ARSCH - PART 1Ein Interview mit Shane MacGowanINTERVIEW: ANDY CAPPERWir werden hier nicht weiter vertiefen, wer Shane MacGowan ist, denn das solltet ihr bitteschön selber wissen. Er kriegt unsere Stimme als bester Lyriker des 20. Jahrhunderts, und er ist ein Sänger, der erwachsene Männer mit einer einzigen wohlgewählten Formulierung zum Weinen bringen kann. Ist er ein Säufer und gelegentlicher Junkie? Sicher. Aber Fans, die das besonders witzig finden und ihn für eine Art Maskottchen irischen Lotterlebens halten, liegen damit komplett daneben. Diese Art, Shane zu sehen, zeugt nicht gerade von besonderer Intelligenz. So ungefähr hat Walt Disney die Iren wahrscheinlich gesehen. Das Einzige, was wir hier zu seinem Alkoholkonsum sagen wollen, ist, dass es sehr schade ist, weil er dadurch wahrscheinlich früher als nötig sterben wird. Aber wer weiß, vielleicht stirbt er auch genau dann, wenn es Zeit für ihn ist. Es wäre anmaßend von uns, raten zu wollen, wie lange Shane MacGowan leben wird. Er ist in diesem Jahr 51 Jahre alt geworden. Wir hoffen, dass er ewig lebt. Wir führen dieses Interview mit Shane am 1. März in seiner Küche in dem Dubliner Viertel Donnybrook. Donnybrook ist historisch gesehen eine der aufrührerischsten Gegenden Irlands, vor allem dank des Rufs der Donnybrook Fair, eines lokalen Jahrmarkts, der für seine Besäufnisse, Schlägereien und das ohrenbetäubende Geschrei seiner Besucher bekannt war. Er wurde 1855 geschlossen und Donnybrook ist heute einer der respektabelsten Stadtteile, aber die Legende haftet ihm immer noch an. Während unseres Treffens in seiner Küche projizierte Shane Aufnahmen von einer DVD mit traditionellem irischen Folk-Künstlern aus den 60ern und 70ern an seine Wohnzimmerwand und sang die Texte mit. Aus einer Tasse, auf der „Morphine“ stand, trank er Weißwein und Gin und rauchte Joints in Kette. Fast jeder seiner Sätze endete mit einem „you know, whatta mean“, gefolgt von seinem unverwechselbaren Lachen, das man nicht wirklich beschreiben kann und das wohl am ehesten als „Iiiiiii Sch Sch Sch“ transkribiert werden könnte. Eigentlich bringen wir nie „Prominente“ auf unser Cover, aber wir konnten einfach keine „Geschichtsausgabe“ machen, ohne diesen Mann vorne drauf zu haben. Vice: Hi, Shane. Wir sind hier, um ein Foto von dir zu machen und uns vielleicht ein bisschen über Geschichte zu unterhalten. Shane MacGowan: OK, dann setzt euch besser hin. Manche Leute würden wahr-scheinlich sagen, dass diese Kameras schlimmer sind als Gewehre, weil sie einem die Seele stehlen, wenn du weißt, was ich meine. Iiiiiii Sch Sch Sch. Welche historische Persönlichkeit Irlands bewunderst du am meisten? Gerry O’Boyle. Aber das ist dein Freund, also sagen wir mal, jemanden außer Gerry. Eamon de Valera. Er war der irische Premier-minister, Präsident und so ziemlich der wichtigste Autor der irischen Verfassung. Er hatte einen amerikanischen Pass, weil seine Mutter eine Immigrantin war, die nach Amerika gegangen ist, stimmt’s? Sie heiratete einen Amerikaner hispanischer Herkunft. Also kriegten sie amerikanische Pässe und kamen zurück. Er war während der gesamten 60er Jahre Irlands Präsident, richtig? Ja. Er war ein Politiker, aber er war auch eine echte Kanone. Er war arschcool. Er hat es im Bürgerkrieg mit den Briten aufgenommen. Was hatte er noch, das ihn besonders machte? Er hat das Gleiche gemacht wie Stalin, nur ohne die ganzen Leute umzubringen, wenn du weißt, was ich meine. Er war eine wich-tige Galionsfigur für Irland. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, baten ihn die Engländer um Hilfe und er sagte: „Fuck you, Churchill, du Arschloch!“ Fantastisch. Churchill sagte immerzu: „Wir wollen eure Häfen benutzen.“ Aber Valera wies ihn da-rauf hin, dass ihm die wichtigsten Häfen der Welt schon alle gehörten. Iiiiiii Sch Sch Sch. Was hältst du von Churchill? Heutzutage beschweren sich viele über Mad Bomber Harris und was er gemacht hat, aber in Wirklichkeit hat er nur die Befehle von Churchill ausgeführt, der ein durchgeknallter, faschistischer Irrer war. Und die verdammten Amerikaner erst. Sie machten Dresden kom-plett platt und die mussten es dann Stein für Stein 15 oder 20 Jahre lang wieder aufbauen. Die Deutschen lagerten all ihre wichtigsten Schätze unter der Erde, wenn du weißt, was ich meine. Du bist schon dein ganzes Leben ein über-zeugter Verfechter der irischen Unabhängig-keit. Wie haben der Waffenstillstand und der Truppenrückzug aus Nordirland das Land deiner Meinung nach verändert? Nun ja, es gibt da jetzt weniger Bank-überfälle, wenn du weißt, was ich meine. Iiiiiii Sch Sch Sch. Überhaupt gibt es jetzt weniger paramilitärische Aktivität. Aha. Was ist sonst noch anders? Na ja, es gab so ein paar Sachen, ein paar Mädchen, die gekidnappt wurden, und Kinder, die gekidnappt wurden, und Kinder und Mädchen, die umgebracht wurden, und Missbrauch von Mädchen und Jungen, und das hat dazu geführt, dass ein paar Leute aus ihren Jobs im Priesteramt geflogen sind. Iiiiiii Sch Sch Sch. War ’n Witz, war nur ’n Witz. Das hab ich nicht wirklich so gemeint Es ist lustig, weil es wahr ist. Aber was sind die positiven Auswirkungen der Waffenruhe? Nun, erst einmal sind wir die Briten losgeworden, oder? Und jetzt ist Irland eines der Länder mit dem schnellsten Wirtschafts-wachstum der Welt. Irland war wie ein Kind, das in der Schule gehänselt wurde. Und eines Tages hat es dann gesagt: „Schluss damit, verdammt noch mal.“ Oder? Die Wirtschaft in diesem Land wächst jetzt so was wie 3,7% jährlich. Irland liegt, was die Bildung betrifft, an der Weltspitze. Das ist nicht über Nacht passiert, aber es ist passiert und es wächst immer weiter. CONTINUED POGUE MAHONE HEISST: LECK MICH AM ARSCH | 1 | 2 |
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