Vor sechs Jahren kommt die erste europäische Ausgabe von
Vice heraus. Auf dem Cover: Ein Spiegel mit ’ner fetten Line Koks, als „Vice City“-Tag. Immerhin bringt Rockstar Games zur selben Zeit das
GTA Vice City-Game heraus. Damit helfen sie uns sehr, uns in Großbritannien zu etablieren. Obwohl wir prinzipiell keine Reklame auf unserem Cover haben wollen, entscheiden wir uns dafür. An uns sind einfach zu große
Grand Theft Auto-Fans verloren gegangen. Für uns ist das keine Werbemaßnahme, it’s so easy. Immerhin steht es nicht mal zur Diskussion, dass
GTA besser, cleverer und unterhaltsamer ist als 99 Prozent der gesamten Medienscheiße, die sich aus Hollywood oder dem Fernsehen der Jahrtausendwende in unsere Wohnung drückt. Und das ist immer noch so.
Ziemlich bemerkenswert also, dass GTA ungebrochen die Königin der Games ist. Wirklich coole Sachen gehen normalerweise früher oder später in Arsch. Alle stürzen sich drauf, versuchen Geld damit zu machen und zerpflügen das, was daran gut ist. Unge-schützter Sex oder beim Schuss sich Spritzen zu teilen, waren ursprünglich tolle Sachen! Dann kam AIDS und so ist’s mit diesen einfachen Freuden vorbei.
| Das Mädchen hier trägt ein T-Shirt der Burgerkette aus GTA IV. Auf der Rückseite des Shirts steht: „Kill Your Hunger. Bleeding Tasty.“ Foto von Alex Sturrock. |
Mit Video-Game- und Film-Lizenzen verhält es sich ähnlich: Was ist zum Beispiel aus
Star Wars geworden? Kinderkacke. Die arme Lara Croft? Abgeschossen, die haben die Knochen des armen Mädels zu Staub zermahlen und sich zum Geldscheffeln solange durch die Nase gezogen, bis nichts mehr von ihr übrig war. Folge für Folge, Jahr für Jahr, Sprung für Sprung über gleichen aztekischen Gruben. Nach sechs Jahren Missbrauch ist sie ein hohler Scherz. Boom.
Deshalb die respektabelsten Props an unsere Freunde von Rockstar, gerne auch feuchte Küsse von unserem gesamten Team, denn sie haben genau das nicht getan, was jede andere Firma mit einer erfolgreichen Lizenz getan hätte: den Ausverkauf, alles verwässern und langweilig machen. Nein, sie haben stattdessen die neue Version noch ausgefeilter und epischer gemacht. Das Beste dabei ist ein fettes Angebot aus Hollywood, aus
GTA einen Film mitbelieve it or notEminem in der Hauptrolle zu machen. Und Rockstar scheißt drauf. Das ist der Drive, den wir meinen. Stattdessen verbringen sie die Zeit damit, sich die Rechte an seltenen Sheer Terror-Songs für den Soundtrack zu sichern und überlegen sich, wie man es schafft, einen Bullen mit einem Raketenwerfer zu erschießen, während man sich hinter einem Auto versteckt hält.
Das ist Qualität vor Quantität, extra für dich, lieber Spieler, gemacht. Für dich und nicht für die Chefetage. Diese Art Einsatz beweint euer Opa, wenn er an die 60er Jahren denkt. Eine Arbeitsmoral, die heutzutage keiner mehr in den trendigen Büros der Großstädte haben will.
Es ist soweit gekommen: Leute, die ein Spiel machen, in dem es um wahllosen Massenmord und den größtmöglichen Gesetzesbruch geht, werden zum leuchtenden Beispiel des guten Vibes und stellen einen Hort von gesellschaftlichen Werte dar. Naja, so in etwa.
ANDY CAPPER