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MODE- NACHWUCHS - PART 1

Fünf neue Designer, die wir gut finden

INTERVIEWS: VICE STAFF
FOTOS: TOMAS FALMER, ANNA SCHLÄGER,
SERENA PEZZATO, ROMAIN B JAMES



CLAIRE PAIN
Hollywood, Holz und Tea Time mit Camilla Parker-Bowles


Was hat dich an der Mode und speziell an der Juwelierkunst angezogen?

Nachdem ich am Lycee Auguste Renoir grafische Kunst studiert hatte, war es ziemlich selbstverständlich, bei Les Ateliers Fleuri Delaporte mit Mode weiterzumachen. Dort wurde ich als eine der zehn besten französischen Designer ausgewählt, um an einem internationalen Wettbewerb für junge Kunstschaffende, dem Le Gant du Troisieme Millenaire, teilzunehmen. Ich bekam den ersten Preis. Ich liebe Design, ich liebe Objekte—besonders Spielzeug.

Was hat dich motiviert, deine eigene Linie zu kreieren?

Ich habe mehrere Praktika gemacht, zum Beispiel bei Irina Volkonskii. Es machte mir Spaß, schrullige, gravierte Juwelen zu kreieren. Aber nach ein paar Monaten Praktika hatte ich genug davon, für andere zu arbeiten und ging nach London, um eine Pause zu machen. Als ich sah, wie kreativ und dynamisch die Stadt war, hat mich das dazu inspiriert, nach Paris zurückzugehen und damit anzufangen, meine eigenen Arbeiten zu produzieren. Meine erste Kollektion namens „Tea Time with Camilla Parker-Bowles“ wurde dann im Jahr 2006 in einer Suite im Hotel Regina vorgestellt.

Wie ist es, eine moderne, junge Designerin in Frankreich zu sein?

In Frankreich ist es schwer. Wenn du nicht genug Geld oder Beziehungen in der Industrie hast, ist es ein langer Weg zum Erfolg. Aber du darfst dich nicht entmutigen lassen. Du musst einfach darin eintauchen und mit voller Geschwindigkeit nach vorne stürmen. Du musst an alle Türen anklopfen, Unterstützung bekommen, Öffentlichkeitsarbeit machen, in Salons gehen und an Wettbewerben teilnehmen.

Was hat deine letzten Kollektionen inspiriert?

Die Sommerkollektion ist von Hollywood inspiriert. Ich wollte den Stars und Sternchen ihren Tribut zollen, indem ich ihre Gesichter in vergoldete Medaillons einließ. Ich machte Broschen und Ketten mit „Mirror Mirror“-Gravuren auf Plexiglas, um all den Egos zu schmeicheln. Für die Winterkollektion habe ich mich der Natur zugewandt und Holz benutzt, in das ich Wörter eingraviert habe. Ich habe mit Birken-Stücken herumgespielt, in die ich „touch my wood“ hineingraviert habe. Ich habe diese Plexiglas-Tiere erfunden, die sagen: „I’m hungry like a wolf“, Halsbänder, die wie Pinienzapfen geformt sind und Bäume, die mit Ketten behangen werden.
FEBRUARY
Antonionis Filme, Raynauds Kunst und Brian the Brain


Wie habt ihr in der Modebranche angefangen?

Wir sind beide auf eine Modeschule gegangen und nach ein paar Jahren im Mailänder Pret-à-porter wurde uns klar, dass wir etwas machen mussten, was unser Eigenes war. Im Jahr 2003 konnten wir dank einiger japanischer Investoren mit February beginnen.

Durch was wurde eure neue Kollektion inspiriert?

Die Filme von Antonioni, die Kunstinstallationen von Raynaud und auch die interessanten Muster auf den Kacheln in unseren Badezimmern. Wir haben auf eine einfache, saubere Kollektion abgezielt. Man kann sagen, dass es eine sehr grundlegende Kollektion ist. Wenn du dieses Konzept nicht unterstützt, dann kannst du auch deine eigene Arbeit nicht unterstützen.

Ich mag an euren Kollektionen, dass es neben all dem Strengen und Herben auch immer etwas Lustiges und Verspieltes gibt.

Die Tatsache, dass wir grundlegende Formen verwenden, ermöglicht uns viel mehr Freiheit in allen andern Dingen. Grundlegende, einfache Kleidung ist für uns ein Weg, um dein Leben weniger kompliziert zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein Sinn für das Verspielte und Ironische absolut essenziell.

Wer sind eure Lieblingsdesigner?

Wir sind große Fans von dem, was Raf Simons für Jil Sander macht: Wir lieben seine simplen Linien und seine nordische Strenge. Die Nummer eins ist und bleibt Pierre Cardin. Er war der erste Designer, der sich von der klassischen Interpretation von Kleidung losgelöst hat. Wir lieben auch die Tatsache, dass er seinen Markennamen auf absolut alles gedruckt hat: Kleidung, Stifthalter, Flugzeuge, Gabeln … Das ist ein bisschen nuttig, aber kommerziell gesehen, ist es unglaublich inspirierend. Wir schlafen beide auf Pierre Cardin-Matratzen.

Wenn ihr einen fiktiven Charakter anziehen dürftet, wer würde das sein?

Wir wären gerne Kostümdesigner für die Charaktere in Miguel Angel Martins Brian the Brain.

Was würdet ihr als Designer als ein wahres Zeichen von Erfolg bezeichnen?

Gefälschte Versionen von deiner eigenen Kleidung auf den Strassen zu sehen.

Tragt ihr eure eigenen Designs?

Sicher. Wir lieben es, diejenigen zu tragen, die es nie in die Produktion geschafft haben. Sie sind unsere unehelichen Kinder.


KRISTIAN AADNEVIK
Donatella, Fantasy und Four Million Dollar Rock Babes

Wie kam es dazu, dass du jetzt, nachdem du in Bergen, Norwegen, aufgewachsen bist, dein eigenes Label in London und Freunde in guten Positionen in Mailand hast?


Noch bevor ich ein Teenager war, konnte ich schon nähen. Ich habe meine Inspiration noch nie in Bergen gefunden, aber ich war gut damit beraten, eine Schneiderausbildung zu machen, bevor ich von dort wegging. Es hat sich als ein gutes Sprungbrett erwiesen. Als ich 22 war, ging ich auf das Royal College of Art in London und bekam direkt nach meinem Abschluss einen Job als leitender Designer für Harrods International angeboten. Dann ging ich zu Charles Jourdan Paris für Japan. Und währenddessen brachte ich mein eigenes Label heraus.

Also nicht, dass wir ein großes Ding daraus machen wollten, aber wie läuft es mit Donatella Versace?

Donatella wurde mir durch einen „Insider“ vorgestellt und machte mich sofort zu ihrem neuen Protegé. Es war Teil eines Projekts, bei dem etablierte Namen einen neuen und aufstrebenden Designer auswählten, um für sie eine Kollektion zu entwerfen. Ich fühle mich sehr geehrt dadurch, dass sie mich ausgewählt hat. Ich bekomme sehr viel essenzielle Hilfe und Unterstützung von ihr und es wird meiner Marke eine glänzende Zukunft verschaffen.

Was machst du, wenn du morgens ins Büro kommst?

Ich stelle meine Teile nach den Zeichnungen her. Wir machen alle Muster und erste Proben auf den Körpern der Models. Ich benutze nur selten ein Mannequin. Wegen meines Schneiderei-Hintergrunds bin ich sehr involviert in den Prozess des Herstellens der Oberbekleidung. Ich mag es, unterschiedliche Materialien zu mischen, so wie weich vs. hart, maskulin vs. feminin, glänzend vs. matt. Ein typischer Dress von mir würde aus einem Lederbustier mit scharfen Konturen und fließenden Seiden-Chiffon-Falten bestehen.

Hast du eine Muse?

Ja, aber es ist eine Fantasie-Muse. Sie ist eine Modern-Day-Romantik-, Femme-Fatale-Metal-Rock-Füchsin („vixen“). Jede Kollektion ist ein essenzieller Teil der Saga meiner Muse. Und jede Saison fügt sie ihrer Garderobe ein weiteres Element hinzu und erobert neues Territorium. Und immer passt jedes neue Teil perfekt zu den alten.

Hast du viel „Herr der Ringe“ gelesen, oder was?

Manchmal muss ich meiner chaotischen und stressigen Welt entfliehen und meinen Geist in die Fantasiewelt abdriften lassen. In meiner Mode prallen zwei Welten aufeinander. Es ist eine Explosion von Himmel und Hölle, mit spritzendem Blut, und „four million dollar rock babes“, die auf „high society extravagance“ treffen.


CONTINUED
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