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MIEZEN IN STIEFELN (UND MIT HÜTEN UND CAPES UND PERÜCKEN UND KLEINEN RÜSCHENKRAGEN) - PART 2

Die Designs von Cat Prin diktiert der Kosmos

INTERVIEW UND FOTOS: TOMOKAZU KOSUGA


Prin ist die weiße schottische Faltohrkatze, die Modell für einige der Kostüme steht, richtig?

Ja. Ich wollte damals unbedingt eine komplett weiße schottische Faltohrkatze haben, was zu der Zeit noch sehr selten war. Als ich dann eines Tages durch ein Magazin blätterte, las ich die Überschrift: „Die weißen Engel sind geboren.“ Und bevor ich mich versah, rief ich auch schon die Nummer des Züchters an und ging hin, um mir die Katzenbabys anzusehen. Gesund-heitlich war ich gerade in einem furchtbaren Zustand und eigentlich kann ich bis heute nicht glauben, dass ich wirklich hingegangen bin. Als ich da ankam, sah ich, dass es insgesamt sieben kleine Kätzchen gab. Sie wuselten alle durcheinander und spielten zusammen. Ich schaute ihnen ungefähr zwei Stunden lang wie gebannt zu, konnte aber keines ihrer Gesichter richtig erkennen. Außerdem war ich krank und wusste nicht so recht, was ich tun sollte. Am Ende kam auf einmal dieses eine Kätzchen mit seiner leuchtenden roten Nase auf mich zugestolpert, sodass ich mich entschloss, sie mitzunehmen und auf Prin zu taufen. Wenn ich heute zurückschaue, habe ich das Gefühl, dass sie es war, die mich ausgesucht hat—so, als ob wir füreinander bestimmt waren. Im März wird sie neun. Sie ist eine sehr seltsame Katze. Als ich krank war, weckte sie mich nie auf, um ihr Frühstück zu erbetteln, und wenn ich irgendwann von selbst aufwachte, lag eine Spielzeugmaus neben meinem Kissen. Sie nahm viel Rücksicht auf mich und spielte nur in Sichtweite, wenn ich im Bett lag. Auch jetzt weckt sie mich nie auf, egal wie hungrig sie ist.


Sie ist so süß und wirkt so freundlich. Meine Katze würde nie zulassen, dass ich ihr all diese Hüte und Umhänge anziehe.

Ja, ich kann meine Kreationen auch nur für Katzen empfehlen, die zumindest kein Problem damit haben, ein Halsband zu tragen. Wenn sie das schon nicht können, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass sie meine Kleider tragen werden. Dasselbe gilt für eher nicht so zahme Katzen. Viele Leute denken: „Oh, meine Katze könnte das vielleicht auch tragen“, wenn sie Prin in den Sachen sehen, aber so einfach ist das leider nicht. Zum Beispiel bei helmförmigen Kopfteilen: Den meisten Katzen gefällt es nämlich gar nicht, wenn man ihre Ohren umlegt. Deshalb unterscheide ich bei meinen Produkten zwischen drei Kategorien: Fortgeschritten, Mittel und Anfänger. Die Anfängerprodukte sind meist Dinge, die um den Hals gebunden werden. Ich verwende Klettverschlüsse für die meisten Sachen, sodass sie einfach anzulegen sind. Ich empfehle diese Produkte für Katzen, die keine Probleme mit Halsbändern haben. Mittelschwere Produkte sind Sachen, bei denen längere Teile vom Hals hängen. Katzen scheinen das wirklich zu hassen. Viele Katzen können zum Beispiel die Schuluniform im Matrosenlook nicht tragen, wegen des hängenden Goldstücks an der Vorderseite. Hüte und Capes sind Produkte für fort-geschrittene Stubentiger. Außerdem gibt es noch die Kategorie „naturell“ für Katzen, die gar nichts tragen können. Das heißt dann soviel wie: „Du musst ja nix anziehen, klick dich einfach ein bisschen durch die Seite und genieß die Fotos!“

Witzig. Wer sind deine Kunden?

Die meisten sind ganz normale Leute. Es gibt einige wenige, sehr leidenschaftliche Kunden, die immer meine neuesten Kostüme kaufen. Zurzeit habe ich rund 1.500 Kunden.

Hattest du schon mal irgendwelche komischen Anfragen?

Ja, meistens von Männern. Oft so was wie: „Ich möchte meine Katze wie ein Häschen verkleiden und hätte auch gern selber Hasenohren. Können Sie ein Outfit im Partnerlook für uns machen?“ Daraufhin sag ich dann: „Tut mir leid, aber ich mache keine Kostüme für Menschen.“ Mehrere Männer haben mich mittlerweile schon gefragt, ob ich Kostüme im Partnerlook für sie und ihre Katzen machen kann, aber bisher noch keine einzige Frau. Das ist sehr interessant.


Hast du vielleicht irgendwelche Ratschläge, wie man eine Katze am besten dazu kriegt, Klamotten zu tragen?

Zuerst muss man sich immer die Persönlichkeit der Katze anschauen und sie nicht einfach in irgendwelche Kostüme reinzwängen. Man sollte es antesten, wenn die Katze gerade gute Laune hat und ihr ein paar ermutigende Worte ins Ohr flüstern. Katzen lieben es, Komplimente zu bekommen. Da darf man natürlich auch nicht so halbherzig rangehen. Man muss so was sagen wie: „OH MEIN GOTT, du bist so SÜSS, du bist die beste Katze auf der GANZEN WELT!!!“, und sie werden es spüren und sich tatsächlich besser dabei fühlen, die Sachen zu tragen. Mach deiner Katze Komplimente und sie wird definitiv weniger Probleme damit haben, Klamotten zu tragen.

Welches ist dein Lieblings-Katzenoutfit?

Ich liebe sie alle. Sie sind wie meine Kinder. Aber ich glaube ich finde die Versailles-Reihe besonders interessant. Ich war hin und weg, als ich das Material für die blonde Perücke in dieser Serie entdeckt habe. Als ich eines Tages ein Diadem bei einem Großhändler mit einer Riesenauswahl an Spangen und anderen Accessoires für die Haare kaufen wollte, habe ich dort diese Perücken gefunden. Die Hüte sehen so viel besser aus mit den Haaren! Prin sieht mit den blonden Haaren auch einfach umwerfend aus. Ich bin selbst überrascht, wie ausgefeilt die Kostüme mittlerweile sind.

Du hast sogar ein offizielles Hello Kitty-Kostüm für Katzen gemacht.

Ja, das erste Hello Kitty-Kopfteil überhaupt. Meine Kostüme sind normalerweise nur zweiseitig, aber dieses ist komplett dreidimensional. Es war sehr interessant zu sehen, wie man flache Objekte so umarbeiten kann, dass sie dann drei-dimensional sind. Zu dieser Zeit entdeckte ich auch meine Liebe für diese ganze Kunsthandwerksgeschichte. Es dauerte sechs Monate und brauchte 22 Prototypen, bis endlich alles so saß, wie wir es wollten. Ich war den Tränen nahe. Die Leute von Sanrio mussten jedes einzelne Namensschild überprüfen und sortierten alle aus, die nicht gut genug waren. Die gestickten Hello Kitty-Markenzeichen mussten ebenfalls eins nach dem anderen überprüft werden und es hieß immer wieder: „Diese Nase ist nicht richtig, jene Augen sind falsch“, und so weiter und so fort. Es gab viele Komplikationen und ich war kurz davor aufzugeben! Das auf diesem Kostüm aufgestickte Hello Kitty-Symbol trägt eine Bluse und ist ein originales Cat Prin/Sanrio-Markenzeichen, das nirgendwo anders zu finden ist. Deshalb ist es auch ziemlich wertvoll. Hinsichtlich der Formgebung war die größte Herausforderung, die runden Formen von Hello Kitty an einen Katzenkopf anzupassen, der ja eher oval ist.



Welches ist dein ultimatives Traumoutfit?

Zurzeit interessiert mich vor allem die Mode des alten Englands, also die Kleider, welche die britischen Ladies und Gentlemen vor 200 oder 300 Jahren trugen. Westen, Krawatten und Hüte wie die von Peter Rabbit, lange fließende Röcke, all diese Dinge eben. Bis jetzt habe ich so um die 150 Kostüme entworfen. Ich dachte immer, dass ich eines Tages keine neuen Ideen mehr hätte, weil ich eigentlich nicht so wirklich der Designer-Typ bin, aber ich finde immer wieder neue Inspirationen. Es gibt eigentlich nie eine Zeit, wo ich mal keine neue Kostümidee in meinem Kopf habe. Ich glaube, dass ich durch das Entwerfen selbst immer wieder neue Inspirationen bekomme. Neben dieser Tatsache sind auch neue Materialien eine ständige Inspi-rationsquelle.

Erzähl uns ein bisschen was über deine Zukunftspläne.

Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass ich nur für Cat Prin geboren wurde. Ich glaube, ich bin immer noch in dem Prozess, mein wahres Schicksal zu entdecken. Mein ultimativer Traum ist es eigentlich, eine Fantasy-Schriftstellerin zu werden. Ich bin eine schlechte Autorin, aber ich habe das Gefühl, dass ich gut über Sachen schreiben kann, die außerhalb dieser Welt passieren. Es ist schon eine ganze Weile her, aber so vor zwei Jahren schoss mir auf einmal dieser Buchtitel durch den Kopf: Christinas Kinder. Es ist eine dreiteilige Reihe und ich habe schon eine ziemlich genaue Idee von der ganzen Geschichte. Es sieht aber so aus, als ob ich in den nächsten ein oder zwei Jahren nicht daran arbeiten werde, weil ich einfach noch zu beschäftigt mit anderen Sachen bin. Es wird aber auf jeden Fall sehr interessant werden, wenn ich das wirklich hinkriegen sollte und vielleicht gibt es ja sogar eine Hollywood-Verfilmung. Falls das nicht klappt, wäre es auch OK. Realistischer wäre wahr-scheinlich, eine japanische Fernsehserie auf Basis des Buchs zu machen. Mit meinen Freunden spreche ich oft darüber, mit welchen Schauspielern die einzelnen Charaktere besetzt werden sollten. Ich glaube, das sind meine glücklichsten Momente.


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