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MIEZEN IN STIEFELN (UND MIT HÜTEN UND CAPES UND PERÜCKEN UND KLEINEN RÜSCHENKRAGEN) - PART 1

Die Designs von Cat Prin diktiert der Kosmos

INTERVIEW UND FOTOS: TOMOKAZU KOSUGA

Ihr habt wahrscheinlich schon mal von Cat Prin, der Katzenschneiderei, gehört. Es handelt sich dabei um einen japanischen Webstore, der ganz bezaubernde Katzen-Outfits mit ausgefallenen Namen wie „Frosch-Verwandlungsset“, „Fräuleinbluse“ und „Hasenschal“ verkauft. Auf der Seite sind viele süße Fotos von zwei kleinen schottischen Faltohrkatzen, die allerlei witzige Outfits tragen und dich mit benommenem Blick anstarren. Eine dieser durchgeknallten Websites eben, die man ständig per E-Mail weitergeleitet bekommt, oft mit Betreffzeilen wie: „Oh mein Gott, wie süüüüüüüüüüüüüß!“ Die Redakteurin der Cute Show auf VBS.TV sagt zum Beispiel, dass sie den Link mindestens einmal am Tag geschickt bekommt, noch öfter als den Link zu catswholooklikehitler.com.




Eine Zeit lang hatte jeder eine Cat Prin-Katze mit schrillem Outfit als MySpace-Profilfoto. Sie waren einfach überall und trotzdem war es recht mysteriös, weil es doch eine japanische Seite ist. War das nun ein richtiger Laden? Zumal welcher Wahnsinnige entwirft bitte diesen Kram? Die paar Zeilen englischer Text auf der Seite bringen auch nicht wirklich viel Licht ins Dunkel. Dort liest man Dinge wie: „You need to dress a cat. And you will say to a cat together with a family: ,It has changed just for a moment.‘ You will pass pleasant one time.“ Und: „I am the feeling which became a daughter.“ Hm. Das ist ja alles merkwürdig und poetisch, aber wir haben’s immer noch nicht ganz kapiert. Glücklicherweise ist es unseren Freunden von
Vice Japan gelungen, die einzigartige Katzenschneiderin Takako Iwasa zu kontaktieren und ihr all unsere brennenden Fragen zu ihren entzückenden Katzen-Modekreationen zu stellen.






Vice: Erzähl uns doch mal, wie das alles angefangen hat mit dem weltbesten Klamottenladen für Katzen.

Takako Iwasa:
Im August 2000 erklang aus dem Nichts eine eindringliche Stimme über meinem Kopf, die mir sagte: „Dieses Jahr musst du was tun!“ Ich geriet in Panik, weil ich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte. Ich hörte die Stimme einfach, als ich die Straße entlanglief. „Tu etwas dieses Jahr!“ Ich sah mich um und wollte sehen, wer das zu mir sagte, aber die anderen Leute schienen die Stimme nicht zu hören. Da wurde mir plötzlich klar, dass ich die Einzige war, die sie hören konnte. Sie war ziemlich laut und wirklich genau über meinem Kopf. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber auf einmal begriff ich, dass dies eine Offenbarung von Gott war! Und als solche nahm ich es an. Obwohl ich ein bisschen Schiss hatte, eröffnete ich also am 10. Dezember desselben Jahres den Online-Shop Cat Prin. Ich war ziemlich erleichtert, dass ich Gottes Frist eingehalten hatte.


Das glaub ich dir gern! Gab es denn irgendwelche bestimmten Ereignisse, bevor du die Stimme Gottes mit dem Befehl zur Herstellung von Katzenmode vernommen hast?

Nein, das kam ganz plötzlich. Zu dieser Zeit litt ich seit ungefähr acht Jahren an einer ernsten Krankheit und bekam langsam Angst, dass ich keine Arbeit finden würde, die ich von zu Hause aus erledigen konnte, denn ich konnte nicht länger außer Haus arbeiten. Dann sah ich eines Tages eine Reportage im Fernsehen über ein 16-jähriges japanisches Mädchen vom Land, die ihr eigenes Geschäft aufgemacht hatte. Sie hatte damit begonnen, T-Shirts im Großhandel einzukaufen und sie über das Internet zu verkaufen. Als alle verkauft waren, lieh sie sich etwas Geld von ihrem Vater und eröffnete ihren eigenen kleinen Laden im Dorf. Am Wochenende nahm sie den Nachtbus nach Tokio, um ihre Lagerbestände an Klamotten aufzufüllen und sobald sie die im Laden anbot, rissen sie ihr die Leute aus der Hand. Jetzt ist sie mit gerade mal 16 Jahren schon Chefin ihrer eigenen Firma. Als ich sie sah, fiel innerlich etwas von mir ab und ich erkannte, was für ein wundervolles Land Japan eigentlich ist. Ich meine, es ist ein Land, in dem man ganz einfach ein legitimes Geschäft aufbauen kann, wenn man etwas anbietet, was andere Leute kaufen möchten. Ich surfte also mit meinem Computer—dem Einzigen, was ich mir von meiner Berufsunfähigkeitsrente gekauft hatte—im Internet. Da sah ich, was ich zu tun hatte. Meine Mutter ist eine großartige Schneiderin und hatte schon mal ein Cape für meine Katze Prin genäht. Ein Computer, Klamotten für Katzen und Japan, ein Land, in dem jeder Geschäfte machen kann! Cat Prin ist all das zusammen. Und dieses Konzept passte genau auf das, was mir die Stimme an jenem Tag sagte: „Tu was!“

Das ist eine sehr inspirierende Geschichte. Dachtest du, dass es einen großen Markt für Katzenmode geben würde?

Naja, ich bin mir sicher, dass Leute auch vorher schon Sachen für ihre Katzen genäht haben, aber ich habe damals niemanden gefunden, der sich ausdrücklich als „Katzenschneider“ bezeichnete. Es war vielleicht nicht direkt ein Tabu, aber ich denke, im Allgemeinen haben die Leute schon eher die Stirn gerunzelt, so nach dem Motto: „Mode für Katzen? Lächerlich!” Aber als ich mit dem Online-Shop anfing, merkte ich plötzlich, dass in Wirklichkeit eine große Nachfrage für diese Dinge vorhanden war, und es gab Kunden, die auf mich zukamen und mir sagten: „Ich wollte meiner Katze schon so lange Klamotten anziehen. Bevor Sie mit Ihrer Idee kamen, habe ich sie immer in Hundeleibchen gesteckt.“ Sie warteten schon ewig auf so etwas. Bevor ich das Geschäft begann, war ich überzeugt davon, dass es mindestens fünf Leute in Japan geben musste, die meine Klamotten lieben würden. Auf jeden Fall beschloss ich, mein Bestes zu geben, auch wenn es nur für diese fünf Leute sein würde. Ich hatte mir vorgenommen, wieder aufzuhören, wenn es anderen Leuten nicht gefallen würde, denn das wäre der Beweis dafür gewesen, dass ich nicht im Einklang mit dem Rhythmus des Universums wäre.


Aber wie sich herausgestellt hat, warst du mit dem Universum sehr wohl im Einklang, richtig?

Ja, zu meiner Überraschung habe ich bis jetzt keinerlei Beschwerden gehört, nur glückliche Kunden, die sagten: „Ich habe schon ewig auf einen Shop wie diesen gewartet!“ Vielleicht sind wir relativ erfolgreich, weil es vorher schon ähnliche Läden für Hunde gab. Offensichtlich hatten es diese Hunde-modegeschäfte anfangs sehr schwer. Aber mittlerweile haben sich die Leute damit arrangiert, und ich habe das Gefühl, dass wir in einer Zeit leben, in der man die Wahl hat zwischen „Ich möchte meiner Katze keine Klamotten anziehen“ und „Ich möchte meine Katze richtig aufdonnern“. Anfangs hatte ich eigentlich nur geplant, einfache Accessoires wie Ketten und Hemdkragen zu kreieren und nicht ganze Outfits, aber nach und nach hat sich die Idee weiterentwickelt. Ich sehe meine Produkte immer als Mode an. Sie sind nicht als Kostüme gedacht, um seine Katze in etwas anderes zu verwandeln. Es geht vielmehr um die Ästhetik.

War es schwierig, die ganze Sache zum Laufen zu bringen, nachdem du die Idee ausgearbeitet hattest?

Ja, am Anfang habe ich eine Menge Fehler gemacht. Man kann niemanden um Rat fragen, weil ja noch keiner zuvor so was gemacht hat. Anfänglich wollten ein paar Tierhandlungen meine Produkte vertreiben, aber dann machten sie einen Rückzieher und meinten nur: „Mach doch lieber Hundekostüme, damit verdient man Geld.“ Daraufhin beschloss ich, auf gar niemanden mehr zu hören, außer auf Wahrsager und Leute mit herausragenden spirituellen Fähigkeiten. Diese wiederum sagten mir alle dieselben zwei Dinge voraus, die mich extrem in meinem Tun bestärkten. Na, was denkst du, was sie mir sagten? Das Erste war: „Du wirst erfolgreich sein.“ Und das Zweite: „Du wirst mit deiner Krankheit für immer leben müssen.“ Sie alle sagten, dass dies absolute Wahrheiten seien.



Wow, eine ganze Menge Wahrheiten für den Anfang. Stellst du alle Klamotten in Handarbeit her?

Im Allgemeinen schon, auch wenn ich manchmal einige meiner Nachbarinnen um Hilfe bitten muss. Wenn ich eine Groß-bestellung abzuliefern habe, frage ich bei einer Fabrik an, aber selbst da sind es nur zwei Frauen, die alles selbst per Hand anfertigen. Hunde sind ja relativ groß, also kann man alles in einem Zug per Maschine nähen. Aber für Katzenklamotten verwendet man nur sehr wenig Stoff, sodass diese immer handgefertigt werden müssen. Anfangs konnte ich noch nicht mal nähen und wusste deshalb auch nicht, dass nicht jeder einzelne Stich total perfekt sein muss—vor allem nicht an Stellen, die man später sowieso nicht mehr sieht. Man sagte mir immer wieder, dass ich das mit den Stichen nicht so genau nehmen soll. Im Allgemeinen interessiert es mich nicht sonderlich, ob sich die Teile verkaufen, denn Grundidee war ja ursprünglich nur, meiner eigenen Katze Prin ein paar süße Outfits zu verpassen.


CONTINUED
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