NEWSLETTER



DOS & DON'TS

Waiting out your girlfriend’s straight-edge phase is so nerve-racking it’s like trying to get to sleep the night before Sexmas. Comments/Enlarge | See all


Wired Magazine can write a 25 page prayer to the CEO of Google but if they interviewed Haiko The Hentai Master they'd learn a lot more about the ins and outs of the internet than they'd ever dreamed. Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

CROSS THE BORDER, CLOSE THE GAP
Moss sind frei in ihren Grenzen
GELIEBTES MONSTER - PART 2
Die seltsame Odyssee des Alfred Chester
HEADBANGING BEI DEN ABORIGINES -...
Wadeye ist das größte Metal-Mekka auf der...
VICE FASHION - SKATER DATER
FOTOS: ANGELA BOATWRIGHT, STYLING: ANN...





Foto von AP

ICH HASSE MODE

„Ich vertraue keinen Leuten, die mir mit leermagigem Atem erzählen wollen, was Geschmack ist.“

VON TRACIE EGAN

Wenn ihr nur meine Füße sehen könntet: Eine mit Blasen überzogene, vernarbte Masse meterdicker Hornhaut. Ihr würdet euch fragen, was zum Teufel mit dem Hirn des Mädchens los ist, das sich freiwillig der Couture-Tortur eines Paars 12 cm hoher Absätze unterzieht—ebenso teuer wie unbequem. Aber es ist echt nicht meine Schuld. Nicht das Fashion-Victim, sondern Fashion itself ist schuld daran! Versteht mich nicht falsch. Ich liebe Schuhe. Ich liebe Klamotten. Ich liebe Accessoires. Was ich hasse, ist die Mode. Das klingt vielleicht wie ein Widerspruch, aber glaubt mir, das ist es nicht. Weil „Mode“ eine Szene und ein Geschäft ist, geht es dabei am allerwenigsten um Klamotten, Schuhe und Accessoires. Fragt ruhig jede x-beliebige Person, die mit dieser Branche zu tun hat, sie wird euch (hochtrabend) erklären, dass es in der Mode um „Ausdruck“ und ein „Gefühl“ geht.

Sie haben nicht ganz Unrecht. Denn die Modemagazine—in denen völlig überteuerte Bekleidungsstücke von stockdürren, tittenlosen Models mit knabenhaften Figuren zur Schau gestellt werden, die den Job einzig und allein aus dem Grund bekommen haben, weil sie das äs-thetische Empfinden irgendeines schwulen Mannes ansprechen, der für Frauen keine andere körperliche Verwendung hat, als sie als wandelnde Kleiderständer zu benutzen—haben für mich ausgedrückt, dass ich weder dünn noch reich genug bin, um diesen hohen Maßstäben zu genügen, was mich ungefähr genauso geschunden und unglücklich fühlen lässt, wie es meine Füße sind. Die damit implizierte Message, dass die Menge an Geld, die auf mein Girokonto fließt, oder die Menge an Essen, die in meinen Mund wandert, etwas damit zu tun hat, was ich wert bin, finde ich ehrlich gesagt absolut zum Kotzen.

Dabei werfe ich gar nicht so sehr den Designern vor, dass sie mir irgendein Ideal vorschreiben würden. Es sind eher die anderen Arschlöcher auf dem Totempfahl, der diese Industrie aufrecht erhält: die Herausgeber, die Stylisten, die PR-Abteilungen, Posh Spice—die ja alle selbst nur unter ihrer eigenen Form von Statusangst leiden. Dies sind die Leute, die die erhabenen Ideen und theoretischen Fantasien der Mode in eine riesige, albtraumhafte Realität verwandeln. Ich habe mit diesen Runterziehern schon oft genug selbst zu tun gehabt.

Einmal arbeitete ich zum Beispiel (nur ganz kurz) als Trendberaterin für eine große Modefirma. Ich ließ es zu, dass ein sadistischer schwuler Mann, der in ärmellosen Maschenhemden ins Büro kam (und außerdem ein Schwarzlichttattoo auf dem Arm hatte), mich zum Heulen brachte. Er ließ wiederholt Bemerkungen fallen, dass meine Arme etwas Tuning vertragen könnten, und dass ich ja vielleicht mal die Kisten mit den archivierten Magazinen neu sortieren könnte. Er machte auch ständig Bemerkungen über Frauen im Fernsehen oder in Zeitschriften, die er zu „fett“ fand, was natürlich hieß, dass sie eine „gigantische“ Größe 40 trugen.

Er fragte die Leute jeden Tag, wenn sie reinkamen und sich an ihren Schreibtisch setzten, „wen“ sie denn heute tragen würden, als wäre er Joan Rivers oder so was. Obwohl wir alle gut verdienten, waren alle, die in unserem Büro arbeiteten, permanent pleite und lebten von der Hand in den Mund, weil wir unter einem derartigen Druck standen, uns morgens aufzutakeln. Der Tag, als er mich zum Heulen brachte, war der Geburtstag eines Mädchens aus dem Büro. Wir sangen „Happy Birthday“ und Mr. Schwarzlicht-Tattoo brachte Tiramisu. Ich bin kein großer Fan von Tiramisu, also lehnte ich höflich ab, als ich ein Stück angeboten bekam. Er erwiderte: „Oh, JETZT bist du plötzlich auf Diät?“, und dann heulte ich los. Dieser Arsch. Seinen Namen habe ich vergessen.

Ein anderes Mal, als der New Yorker Club Happy Valley gerade wieder aufgemacht hatte, nachdem er von Jeremy Scott renoviert worden war, stand ich einen Abend auf der Gästeliste. Ich arbeitete zu der Zeit für das Bust-Magazin. Ich ging also zum Einlass und da stand dieses Wesen mit einem Clipboard in der Hand. Ich konnte es ehrlich gesagt wirklich nicht erkennen, aber ich glaube, es war eine Frau, die versuchte, wie eine Dragqueen auszusehen und nicht an-dersherum. Sie arbeitete da jedenfalls zusammen mit diesem anderen Typen und ich sagte meinen Namen und von wem ich kam, und diese Frau schüttelte verneinend den Kopf und ließ die Leute, die hinter mir anstanden, vor mir rein. Der andere Typ sagte so was wie: „Aber sie steht auf der Liste!“ Die Dragqueen musterte mich von oben bis unten und sagte: „Aber sie ist ein Nobody!“—und nicht gerade leise. Egal, vielleicht bin ich ein Nobody, aber der Laden war nicht gerade das Studio 54 und diese Frau trug noch nicht mal Hosen, sondern einen Turnanzug mit Strumpfhosen drunter. An irgendeinem Punkt muss ihr ursprünglicher Traum davon, was Mode ist, verdorrt und verdorben sein und sich in den Traum, Leute sich scheiße fühlen zu lassen, verwandelt haben.

Letzten Endes operiert die Mode-industrie auf der Grundlage von Meinungen, die das Ergebnis der Un-sicherheit von Leuten sind, von denen man weiß, dass sie keine drei vollen Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen. Und ehrlich gesagt, vertraue ich keinen Leuten, die mir mit leermagigem Atem erzählen wollen, was Geschmack ist.

Das Ding ist nämlich: Geschmack ist subjektiv. Und deshalb gibt es auch niemals eine richtige Antwort, ob etwas geschmackvoll ist und was man konsumieren sollte, egal ob wir von Waren oder Mahlzeiten reden. Was ich an der Mode hasse? Dass zu viel Nachdruck auf dem Was platziert wird, und zu wenig auf dem Warum. Ich habe erkannt, dass es nicht darum geht, was ich mag, sondern warum.

Und auf diese Weise habe ich mich auch entschlossen, weiterhin masochistisch diese schmerzhaften hohen Absätze zu tragen. Nicht, weil es teure Schuhe von einem von allen bewunderten Designer sind. Sondern weil mein Arsch toll aussieht, wenn ich sie anhabe.

Tracie Egan ist die Herausgeberin von Jezebel.com, einem fiesen, witzigen Blog, der sich über Mode und berühmte Leute lustig macht.
< Seite Zurück

COMMENTS