NEWSLETTER



DOS & DON'TS

If all the “hot” normal girls knew how little we want to fuck them, they would shit a brick of coke.
Comments/Enlarge | See all


The thing that makes boilersuits such an inviting party uniform is they're the only one that simultaneously says "I am up for whatever the night may bring," and, "I'm not really planning on taking a shit this evening." Comments/Enlarge | See all







Magazin

VICE FASHION - OUT OF THE CLOSET
„Ich habe diese goldenen Stiefel vor ein ...
GLOBAL TREND REPORT '08 - TOKIO
Die Typen hier sind laufende Neonleuchten...
ICH LIEBE MODE
„Du kannst nicht mit den Revolutionen dei...
VICE FASHION - SLUMBER PARTY... ...
FOTOS: ED ZIPCO
STYLING: ANNETTE ...
GLOBAL TREND REPORT '08 - MAILAN...
Die süßen Kunststudentenmädchen sind nach...
GLOBAL TREND REPORT '08 - ANTWER...
Nach wie vor vorherrschend in Belgien: sc...
GLOBAL TREND REPORT '08 - MELBOU...
In Australien hat man Farben für „out“, s...
GLOBAL TREND REPORT 2008 - NEW Y...
Die Mädchen aus New York wollen heutzutag...





MAILAND TRINKEN - PART 2

Renata Molho erinnert sich an Italien als Nabel der Modewelt

INTERVIEW: FEDERICO SARICA

OK, es kam also 1992 in Mailand zu einem ökonomischen Kollaps, aber es ist wohl auch so, dass es die großartigen Persönlichkeiten der Vergangenheit heute nicht mehr gibt. Ich habe den Eindruck, dass viele der Leute in der Modebranche heute ziemlich inkom-petent sind. Sie haben alle einen Abschluss von einem dieser sogenannten Modeinstitute, die in den 80er Jahren meines Wissens noch nicht einmal existierten.

Diese Schulen heute sind ziemlich sinnlos. Sie sind sehr theoretisch. Wer braucht denn Theorie? Keiner. Was man braucht ist Erfahrung. Gelebt zu haben. Dinge gesehen und gemacht zu haben. Ich habe eine Weile unterrichtet und ich habe meinen Studenten immer gesagt: „Ein einziges Bild von Chagall zu sehen, ist viel wichtiger als alle Ausgaben der Vogue, die es je gab, gelesen zu haben.“

Ich bin zu keiner Modeschule gegangen. Ich habe aus eigenem Antrieb gezeichnet und geschrieben und habe mir auf eine sehr zwanglose Weise Zutritt zu dieser Welt verschafft. Und trotzdem war der erste Job, den mir die Agentur anbot ein Straßen-Casting für eine Kampagne von Oliviero Toscani. Verstehen Sie? Ich bin da einfach reinspaziert und die haben mir eine riesige Polaroid-Kamera in die Hand gedrückt, mir auf die Schulter geklopft und sagten: „Auf geht’s!“ Also lief ich durch Mailand und machte Fotos von Leuten. Sie waren so begeistert von meiner Arbeit, dass sie mich zwei Tage später das Styling für ein Shooting von Avi Meroz machen ließen, einen großartigen Fotografen, über den heutzutage leider nicht mehr viel geredet wird. Gemeinsam mit Gastel, Ferry und Co., steckte er hinter allen großen Werbe-kampagnen der 80er Jahre.

Wie war Ihr Verhältnis zu diesen Star-Fotografen? Haben sie ein so unerfahrenes Mädchen nicht mit einer gewissen Herab-lassung behandelt?

Ich kann mich noch an meinen ersten Austausch mit Avi Meroz erinnern. Er sagte mir: „Renata, wir brauchen einen Hut. Hast du einen Hut?“ Ich hatte keinen Hut. Ich verfiel in Panik. Ich flippte aus und suchte wie verrückt nach einem Hut. Dann kam mir der Haar- und Make-up-Typ, Antonio, zur Hilfe. Er wusste, dass es mein erster größerer Job war, also sagte er mir: „Sieh ihm direkt in die Augen und sag ihm, dass es nicht gut aussehen würde.“ Das hab ich dann gemacht. Und Avi hat mir geglaubt. Es gab also eine Hierarchie, aber es gab auch eine gewisse Gleichberechtigung, eine Frische, bei der das Wort jedes Einzelnen Gültigkeit hatte. Ich denke immer noch an Antonio und was er mir damals gesagt hat. Er war ein toller Mann und ein talentierter Künstler. Er starb an AIDS.

Wie viele andere auch.

So viele. Es war ein Massaker. Rückblickend kann man vielleicht sagen, dass das der erste Axthieb war, der uns traf und diese Allmachtsträume zerschlug, die unsere Arbeit vorangetrieben hatten. Es war verrückt. Stellen Sie sich doch nur einmal diesen kons-tanten Strom von Jungs vor, die vom Land nach Mailand kamen. Sie lebten mit ihren Eltern in einem kleinen Haus und waren nur ein paar Wochen später Ehrengäste im Ritz. Sie konnten es gar nicht verstehen. Es war ein Wirbelsturm. Es gab keine Informationen über AIDS und es gab keine Skrupel und keine Grenzen. Es war eine ununterbrochene Party, aus der bald ein Blutbad wurde.

Sind viele Ihrer Freunde AIDS zum Opfer gefallen?

Ich erinnere mich noch an meinen Lieblings-visagisten, Guiseppe Ciulla. Er war so ein lieber Junge. In einer anderen Zeit wäre er vielleicht nach Mailand gekommen, wäre Mechaniker geworden und hätte ein nettes, dickliches Mädchen geheiratet und hätte sich, wie wir alle, mit dem einen oder anderen kleinen Selbstzweifel herum-geschlagen. Aber zu der Zeit liefen die Dinge anders. Er wurde in diese Welt gestoßen und verlor den Verstand. Er war so ein netter, kluger, enthusiastischer, unsicherer Junge. Alle versuchten ihm zu sagen, dass er aufpassen solle. Ich sah, wie er sich von einer Woche zur nächsten veränderte und es war schrecklich. Er starb langsam über drei Jahre. Es war so traurig.

Was mir bei Ihnen besonders auffällt, ist Ihre Geschichte als Freiberuflerin. Sogar als Sie die Vogue Italia herausgaben, blieben Sie nur für kurze Zeit im Büro.

Ich blieb drei Jahre lang bei der Vogue. Dann entschied ich mich zu gehen und von außerhalb mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich habe immer sehr viel Respekt für Franca (Franca Sozzani, die Chefredakteurin bei Condé Nast Italien) empfunden, aber wie ich mich kenne, hätte ich mich permanent mit ihr in die Haaren bekommen. Indem ich stattdessen von außerhalb mit ihr zusammenarbeite, habe ich mir eine ausgezeichnete Beziehung zu ihr erhalten. Um ehrlich zu sein, bin ich kein Schreibtischmensch, meine Unabhängigkeit ist mir wichtig. Wenn mich jemand anrufen und mich bitten würde, mit meinem eigenen Team eine eigene Zeitschrift heraus-zubringen, würde mir das natürlich Spaß machen. Dazu ist es aber nie gekommen. Ich bin immer nur angefragt worden, Zeit-schriften zu leiten, die schon „fertig“ waren. Um ganz ehrlich zu sein, gibt es keine Zeitschrift, mit der ich mich hundert-prozentig identifizieren kann.

Sie haben die einzige existierende Biografie über Armani geschrieben. Wie war das?

Es war eine wunderbare Erfahrung. Abge-sehen davon, dass es Armani war, hat es mir Spaß gemacht, eine Biografie zu schreiben. Umso mehr man über eine interessante Persönlichkeit lernt, desto mehr liebt man ihn oder sie.

War Armani mit dem Projekt einverstanden?

Zunächst nicht. Jeder, der sein hartes, reserviertes Wesen kennt, fragte mich, ob ich keine Angst hätte. In meiner Dreistigkeit blieb ich aber ganz ruhig. Als er dann merkte, dass ich mit der Sache weitermachte, öffnete er mir die Türen zu seinen Archiven, sowohl den fotografischen als auch den Textarchiven. Das waren wunderbare Recherchen. Am Ende war er voller Komplimente und er ist nicht gerade bekannt dafür, mit netten Worten um sich zu schmeißen.

Stimmt. Und wie denken Sie jetzt über ihn? Er hat das Rampenlicht ja immer gescheut.

In seinem Leben gibt es eine aufschlussreiche Episode. Als sein Lebenspartner, Sergio Galeotti, starb, war der Messaggero aus Rom die einzige Tageszeitung, die AIDS erwähnte. Wenig später beendete Armani seinen Werbevertrag mit dieser Zeitung. Das wurde zu einer Art Medienskandal. Nachdem ich mich mit ihm als Person beschäftigt habe, sehe ich das als einen Akt der Liebe, um die Würde dieses Mannes zu bewahren, eher als einen Akt der Vergeltung.

Eine der größten Stärken des Buches ist, wie Sie es schaffen, eine historische Periode anhand einer einzigen Persönlichkeit zu erfassen.

Ja, mit diesem Teil des Buches bin ich sehr zufrieden. Denken Sie zum Beispiel an die Episode, in der es um ein Cover für’s Time geht. Ein amerikanischer Autor entdeckt Armanis Kleider und beschließt, nach Mai-land zu fliegen und ihn zu interviewen. Der Chefredakteur findet die Geschichte toll und bringt sie aufs Cover des Time Magazines. Der Armani-Mythos hatte den Ozean überquert.

Wenn ich Sie fragen würde, ob heutzutage ein neuer Armani geboren werden könnte, was würden Sie sagen?

Meine Antwort wäre sehr einfach. Es wird nicht passieren.


MAILAND TRINKEN | 1 | 2 |


< Seite Zurück

COMMENTS