ALOHA
Light Works PicEP
Mi Amante/Cargo
Eine dieser Bands, die mit viel Anspruch und Beach Boys-Zitaten versuchen, ein Emo-Trauma aufzuarbeiten und regelmäßig von der Vergangenheit eingeholt werden. Himmel, der Sänger lispelt sogar wie Davey von Bohlen! Insgesamt ist das alles mehr Promise Ring als The Shins. Was doch aber auch nicht schlimm ist. Andere Leute halten sich für Ted Bundy oder Peter Alexander. Die hätten so eine Platte nie im Leben aufgenommen.
F 44.8 |
 |
MOUNT LOGAN
s/t LP
Vendetta
Mit viel Wut eine Saite anschlagen, Mikro dran halten, Aufnahme drücken. Dann das Ganze noch mal. Auf Platte pressen. Fotoapparat bei Nacht aus dem Fenster halten, abdrücken: Cover-Artwork fertig. Wenn das hier kein Inferno zwischen Earth und Sunn O))) wäre, das von Acme-Röcheln zersägt wird, sondern, sagen wir mal, ein Jamba-Klingelton, dann könnte man an dieser Stelle zu höchster Produktionseffizienz gratulieren. Der Unterschied, für alle, die es nicht wissen: JambaProduktion: billig, Profit: enorm. Doom/Drone-LPsProduktion: Privat- und Fremdvermögen, Profit: Hahaha.
HERR KAISER
|
 |
FETISCH & ME
Black Palms/ Diskotecktonic
Gigolo
Es gab mal so eine Phase, da waren Gigolo-Releases das Praktischste auf der Welt, wenn man als DJ für die Weihnachtsfeier der ansässigen Kreissparkasse oder in irgendein Altersheim gebucht wurde, oder wenn man im Sommer auf die Schnelle das Frisbee nicht finden konnte. Fetisch & Me läuten eine Ära ein, in der einem die Druckwelle der Bassdrum die Frisur richtet, die Körperhaltung begradigt und eine Bügelfalte in die Hose zementiert. Vielleicht klingt das etwas übertrieben, die A-Seite ist trotzdem die stilsicherste Peaktime-Schönheit, die dir diese Saison begegnen wird.
BRUCE FAREWELL |
 |
HOT CHIP
Ready for the Floor 2x12"
EMI
Hot Chips erste Single aus dem neuen Albumim Original eine süße Dancefloor-Versuchung. Die Soulwax-Bearbeitung ist eine absehbare Rave-Übertreibung, der Jesse Rose-Mix klingt, als würde jemand hinter den Beats von „People are People“ ein Blitzlicht aufladen und Diplos Neufassung von „Shake a Fist“ ist nur für diejenigen interessant, die gestern zum ersten Mal das Wort „Favela“ gehört haben. Zwei von vieren ist ein annehmbarer Schnitt und ohne das Füllmaterial wäre die Verpackung auch kein Gatefold. Das sollte man nicht unterschlagen.
KATE VOLT |
HERRENMAGAZIN
#1 7"
Motor
Man hört ja immer wieder von diesem Argument, die Krise der Tonträgerindustrie würde dazu führen, dass den kleinen Bands die Chancen genommen werden. Dass nur noch die Big Player ihre Pfründe sichern und ansonsten nur diejenigen musizieren, die in sich eine Dringlichkeit spüren, aber keinen Erfolgsdruck. Man könnte denken, wenn auch noch die dreitausendste deutsche Band mit einem Bein im Hanse-Punk, dem anderen im 90er Ami-Geschrammel, mit Ironie-Meterware in den Texten und dämlichem Namen gesignt wird, dann kann das alles gar nicht so schlimm sein.
MR. BOOMBASTIC |
|
TREMBLING BLUE STARS
Beautiful Blank/ Say Goodbye to the Sea II 7"
Elefant Records
Im November 2007 haben Trembling Blue Stars die Rücktrittserklärung von Martina Hingis auf ihrem MySpace-Profil veröffentlicht. Hingis ist die profilloseste und uncharis-matischste Tennisspielerin aller Zeiten. Sie ist auch nicht gerade hübsch. Niemand hat sich je für sie interessiert. Außer diese verträumte Twee-Pop-Band aus London. Dieser Sachverhalt ist überraschender als jeder Song, den T.B.S. je aufgenommen haben. Diese beiden inbegriffen.
MARIO WIDMER |
|
TELEVISION PERSONALITIES
The Good Anarchist 7"
Elefant Records
Ist Dan Treacy von den Television Personalities nebenberuflich Ghostwriter bei den Arctic Monkeys? Wüsste so jemand wie Pete Doherty überhaupt, wie man eine Crackpfeife bedient, wenn Treacy der Selbstzerstörung nicht ein neues Gesicht gegeben hätte? Kriegt man eigentlich eine Magenverstimmung, wenn man gleichzeitig ein Spice Girl und ein Sugababe leckt? Alles Fragen, die völlig sinnlos und uninteressant sind. Aber irgendwas muss ja hier stehen, wenn die neuen T.P.-Songs nicht erwähnenswert sind.
MATTI FLECK |
|
CORRECTO
Joni/Wasting Time 7"
Domino
Es trafen sich Leute von Franz Ferdinand und The Royal We in einem Pub. Je später es wurde, desto ausgelassener wurde die Stimmung. Am Ende lallten sie nur noch etwas von „neue Band“, „ganz locker“, „verdammte Hitmaschine“ und „Jahahahahaaaa“ durcheinander, und als sich der Wirt mit dem Tablett näherte, das sie schließlich ins Delirium katapultieren sollte, riefen sie im Chor: „Correcto!“ Eine Geschichte, die sie noch ihren Enkeln erzählen werden. Und wenn sie ihnen dann noch diese Songs vorspielen, müssen sie sich noch nicht mal schämen.
EDWIN LOWE |