NEWSLETTER



DOS & DON'TS

Whoa whoa whoa whoa whoa, whoa. Not trying to tell you what you can and can’t do with that face, but maybe you should leave the tricycling through the Red Light district in a raincoat to someone a shade less skeezy. Right now you’re making my ass clench so hard I’m worried my next dump will be glass. Comments/Enlarge | See all


The problem with today's queers is they all refuse to think big. When's the last time you heard one say, "Fuck it, I think tonight I'm just going to go as Earth." Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

PUTTING A DONK ON IT
Nicht alle Engländer wissen, wie man Metr...
EPICLY LATER’D
Von Patrick O’Dell
WATERBOARDING IS FOR PUSSIES
Ein repräsentativer Querschnitt durch die...
WILLKOMMEN IN BRASILIEN
Rio hat mich angeschissen





I WANT MY DVDS


TAKASHI MIIKE BOX-SET: AUDITION—VISITOR Q—IZO
Rapid Eye Movies

Die meisten Menschen verwechseln kranke Gedanken mit fehlender Moral. Nur weil sich jemand hundert Arten, ein Model zu missbrauchen, vorstellen kann, heißt das nicht, er hätte keine Moral. Perversion und Ethik schließen sich gegenseitig nicht aus, aber es erfordert schon eine spezielle Art des Denkens, um sie zusammenzubringen und aus etwas Krankem eine moralische Stellungnahme zur modernen Bourgeoisie zu machen—einen Verstand, der verschiedene Sphären unserer Wahrnehmung miteinander verschmilzt. Takashi Miike hat so einen perversen Verstand. Er sieht einen komplexen und schönen Akt darin, wenn jemand einem Mann in seinem eigenen Wohnzimmer mit einer Pianoseite einen Fuß abschneidet. Außerdem schafft er es, dass du es dir auch ansehen kannst. Das ist der Mann, der American Psycho hätte machen sollen! Bateman in Tokio—ein Klassiker, der auf seinen Beginn wartet.

Dieses neue Box-Set beinhaltet drei von Miikes größten Kinoleistungen, welche das alte, mittlere und neue Miike-Œuvre repräsentieren. Obwohl sie doch alle innerhalb von sechs Jahren entstanden sind. Warum? Weil Miike seine gesamte Karriere in 17 Jahren durchlebt hat. 1991 fing er an, nun arbeitet er an seinem 76. Projekt. Jedenfalls zeigt seine Sammlung seine große Freude an Genre-Wechseln und an technischen Spielereien. Sogar seine eigentlich üblichen Themen—extreme Gewalt und Vergewaltigungen, zum Beispiel—kommen in jedem Film ganz anders rüber.

Von diesen drei ist Audition der Film, der am besten in ein bestimmtes Genre passt—Psycho Horror—und deshalb wohl auch das breiteste Publikum erreichte. Jeder Folter-Porno-Fan hat diesen Film in seinem spermabefleckten Schlafzimmer stehen. Gleichzeitig hat der Film aber auch genug Atmosphäre und stilisierte Kinematographie, um den ach so diskriminierten Kinoliebhaber ehrfürchtig auf die Knie zu zwingen. Es ist, als hätte Michael Haneke Eli Roth nach Rat gefragt. Miike wäre übrigens nicht beleidigt, wenn man ihn mit dem Folter-Porno-Spezialisten vergleichen würde. Sie sind wie beste Freunde und er hat in Hostel mitgewirkt. Der Film basiert auf einer Novelle von Ryu Murakami und handelt von einem verwitweten Geschäftsmann, der sich verschiedene Frauen vorführen lässt. Er verliebt sich in eine schüchterne, ehemalige Ballett-Tänzerin, die als Kind missbraucht worden ist. Bei ihren zahlreichen Restaurant-Dates, ist er ziemlich bemüht, nett und romantisch zu wirken—sie demütig und dankbar. Doch das ändert sich, als sie danach zu ihm gehen. Plötzlich ist sie nämlich nicht mehr so schüchtern. Das ist der Moment, in dem sie ihre speziellen Paralyse-Drogen auspackt. Dieser Film stößt wirklich bis in das Herz des Psycho-Horrors vor: Das wäre in Fatal Attraction passiert, falls Hollywood Eier in den Hosen hätte, anstatt nur aus Schlappschwänzen in Champagnerbädern zu bestehen. Durch viele verstörende Techniken, wie Haustiermorde und abgetrennte Zungen, die sich auf dem Boden winden, sowie Rückblenden alter Kindesmissbrauchserinnerungen erzeugt Audition eine beängstigende Kälte. Dies geschieht auch durch die veränderte Rhythmik des Films. Nach einer langsamen Eröffnung mit Comic-Einleitungen und einem dinosaurierbegeisterten Teenager, beschleunigt der Film, während du dem Helden dabei zusiehst, wie er den Kampf gegen seine lüsternen Dämonen verliert.

Visitor Q erscheint in jeder stilistischen Hinsicht wie eine direkte Reaktion auf Audition. Audition ist vergiftet, mysteriös und baut langsam diese unterschwellige Spannung auf. Visitor Q ist eine, mit wackeliger Videokamera gefilmte Slapstick-Farce. Sie eröffnet mit ein paar zusammenhangslosen Comic-Sketchen, aber die Dinge, über die du lachen sollst, sind wirklich schrecklich. Wenn du denkst, dass dieser Film ein Comic-Meisterwerk ist, schau ihn dir alleine an. Sieh ihn dir nicht mit deiner neuen Freundin an, während du, jedes Mal wenn der Teenager-Junge seine heroinabhängige Mutter schlägt, Bier durch die Nase ausprustest. Sonst wird dir diese Nacht sicher nicht mehr dein Schwanz gelutscht.

Der Hauptcharakter dieses Films ist der Vater dieser abgefuckten Familie, der eine Dokumentation über die Gewalttätigkeit junger Leute macht. Weil er seinen ganzen Stolz verloren hat (er veröffentlichte Material, in dem ihm ein paar Kinder ein Mikrofon in seinen Hintern stecken), hat er auch kein Problem damit, seinen Sohn zu filmen, wie er in der Öffentlichkeit vollgepisst und zusammengeschlagen wird. Glücklicherweise vereint der gewalttätige Visitor Q die Familie wieder, indem er der Mutter einen Milcheinschuss verursacht und der prostituierten Tochter mit einem Stein auf den Kopf schlägt, bis sie ihre Fehler erkennt und nach Hause kommt. Ihren Vater findet sie in einem Plastikzelt innerhalb eines Gewächshauses, in dem er gerade eine Leiche vergewaltigt hat und an den Brüsten seiner Frau saugt. Egal, die Tochter ist einfach nur froh, wieder da zu sein.

Der mythologischste Trip dieses verrückten Trios ist Izo, der echte Dämonen bekämpfen muss. Er ist selbst einer von ihnen, und wie das mit denen so ist, können sie sich gegenseitig nicht sonderlich leiden. Ring frei: alle gegen Izo. Zudem scheint er auch noch alle anderen auf der Welt zu hassen, kann aber als Dämon nicht getötet werden. Ein gnadenloser Gott verflucht ihn dazu—nachdem er es als Sterblicher nicht weit bringt—für den Rest der Ewigkeit durch Raum und Zeit zu rasen und die Leute übel niederzumetzeln. Der Film gibt einen guten Teil dramatischer Spannung auf, indem der Hauptcharakter unsterblich ist und den ganzen Film über kämpft. Kill Bill ohne Bill. Es ist ein Gemetzel für den Eigenzweck—wie Stock-Car-Rennen nur mit vielen, dicken Schwertern und mehr symbolischen Figuren. Aber der Punkt, dass es keinen Punkt gibt, ist der Punkt. Wer ist Izo?—Jeder hat eine Antwort. Er ist die Verkörperung des Irrationalen. „Es gibt einen Izo in jedem System“, sagt einer der Charaktere—er ist der Staub, die Dürre. Es ist eine der wenigen Darstellungen des Antichristen, oder des Todes, oder eine Verkörperung des Chaos, oder welche symbolhafte Figur du auch immer bevorzugst. Es gibt auch eine psychologische Entwicklung, oder eine psychologische Degeneration. Gegen Ende hat Izo den Meister, der ihm am Anfang seinen sterblichen Körper genommen hat, getötet und ist somit völlig von seiner eigenen menschlichen Geschichte entrückt. Er wird reduziert auf ein blutendes, schreiendes Tier. Aber wie bei allen Allegorien gibt es eine Botschaft: Wenn du dir deines eigenen Mangels an Bewusstsein nicht bewusst bist, wird Izo dich töten. Ich habe es euch doch gesagt, sie müssen diesen Typen dazu bringen, American Psycho zu machen. Bateman in Tokio—ein Meisterwerk, das darauf wartet, erschaffen zu werden.

BEN KNIGHT


< Seite Zurück

COMMENTS