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PINKE INDERINNEN - PART 3

Die Mädels von der Gulabi Gang hassen Männer und das zu Recht

TEXT UND FOTOS: SANJIT DAS

Chandania Devi, 55

Ich bin ein älteres Mitglied der Gang und kann nicht immer bei allen Aktionen mitmachen, welche die Gang unternimmt. Ich bin vor allem damit beschäftigt, in meinem Dorf ein Bewusstsein für die Emanzipation der Frau, Bildung für Mädchen und Familienfürsorge zu schaffen.

Wir sind ein Unberührbaren-Dorf, also kommen die Leute aus der oberen Kaste nicht her, und es ist offensichtlich, dass es keinen interessiert, ob es hier ein Bildungs-system gibt. Das Einzige, was wir hatten, war eine heruntergekommene Grundschule ohne Lehrer. Seit der Initiative von Sampat Devi haben wir einen Lehrer und die Kinder können wenigstens zur Schule gehen.

Tagsüber gehe ich von Haus zu Haus, um den Leuten klarzumachen, wie wichtig Bildung für Mädchen ist. Da ich eine ältere Frau und außerdem Mitglied der Gulabi Gang bin, hören die Leute mir zu. Meine Familie ist sehr stolz auf mich. Meine Enkel begleiten mich manchmal und es macht mich stolz, dass sie die Veränderungen sehen, die ich in meinem Dorf erreichen will.


Bijrania, 50

Ich bin der Gang beigetreten, weil alle, die ich kannte, das taten. Meine Entscheidung hatte also etwas mit einer Art Herdentrieb zu tun, aber schon eine Woche später merkte ich den Unterschied. Ich war nicht nur irgendein Gangmitglied, sondern übernahm bei den Demonstrationen, die Sampat Devi leitet, eine aktive Rolle ein. Ich war mit dabei, als Sampat Devi ihren bisher größten Triumph erzielte. Wir haben zwei Trucks mit subventioniertem Getreide angehalten, als sie auf dem Weg zum regulären Markt waren. Die Polizei und die örtlichen Behörden versuchten uns einzuschüchtern, aber wir standen fest wie ein Fels in der Brandung. Wir sind ein Team und das ist unsere Stärke. Am Anfang hatte ich Angst, aber jetzt nicht mehr. Ich lebe mit meiner Familie in einer kleinen Hütte. Mein Mann und mein Sohn verdienen als Hilfsarbeiter nur sehr wenig. An manchen Tagen bekommen sie keine Arbeit und wir müssen ohne Essen schlafen gehen. Wenn es der Gulabi Gang gelingt, von den Behörden oder Hilfsorganisationen etwas Geld zu bekommen, können wir ein Zentrum für Textilproduktion aufbauen und ich kann auch zum Einkommen der Familie beitragen.


Punia Devi, 38

Ich bin eine dalit, also aus der Unberührbarenkaste, was wie ein Fluch fürs Leben ist. Ich hoffe, dass ich das im nächsten Leben nicht mehr bin. Ich arbeite als Hilfsarbeiterin auf dem Feld, wann immer es dort Arbeit gibt. Die Leute aus der oberen Kaste beuten uns aus und zahlen uns, was sie wollen. Ich habe das als mein Schicksal angesehen, bis Sampat Devi kam und uns über unsere Rechte informiert hat.

Ich bin der Gulabi Gang sofort beigetreten und habe mir geschworen, den Rest der Bevölkerung über ihre Rechte aufzuklären. Nicht genug, dass es ein Fluch ist, ein dalit zu sein, als Frau hat man es doppelt schwer.

Wir Frauen sind immer das unterste Glied in der Kette der Ausbeutung. Wir werden frühzeitig verheiratet und man sagt uns, dass es unser Schicksal ist, mit einem Mann zusammen zu sein, den wir noch nie zuvor gesehen haben. Unsere Männer beuten uns die ganze Zeit aus und behandeln uns wie Sklaven.

Das muss sich ändern und die Gulabi Gang hat in der Beziehung schon viel erreicht. Wir besuchen örtliche Familien und beraten die Eltern bezüglich der Erziehung ihrer Töchter. Einer der vielen motivierenden Faktoren in der Gang zu sein, ist das Gefühl, einen Unterschied zu machen und der Ausbeutung ein Ende zu setzen. Als ich ein Mitglied wurde, verbrachte ich viel Zeit damit, Sampat Pal auf ihren Besuchen in den Dörfern zu begleiten, wo sie ein Bewusstsein für die Wichtigkeit der Bildung schuf. Kleine Straßenvorführungen sind eine beliebte Methode der Gang, das Thema einem größeren Publikum zu vermitteln.

Unsere Aktionen, um die Bildung für Mädchen zu fördern, sind ein kostenloser Service. Um unsere Sache gut zu machen, brauchen wir ein funktionierendes System, das uns unterstützt. Wir haben keine Fortbewegungsmittel, ich kann es mir noch nicht mal leisten, den Bus zu bezahlen, also laufe ich meist. An den Tagen, an denen ich für die Gulabi Gang arbeite, verdiene ich kein Geld und bin vom Gehalt meines Mannes abhängig (falls er an diesem Tag Arbeit hat). Obwohl unser Leben hart ist, werde ich von meinem Mann und meinen zwei Töchter bei der Arbeit als Mitglied der Gulabi Gang unterstützt.


Savitri Devi, 23

Ich habe Sampat Devi kennen-gelernt, als sie vor fast einem Jahr zum ersten Mal in unser Dorf kam. Ich hatte von anderen Leuten aus dem Dorf schon von der Gang gehört. Wir waren sehr stolz darauf, was Sampat Devi für die lokale Bevölkerung tat. Sie kam ins Dorf uns sprach bei einer öffent-lichen Versammlung über die Rechte der Armen. Ich war über-wältigt davon, eine Frau mit einer derartigen Überzeugung sprechen zu sehen. Wenn sie redete, hörten alle zu. Man hätte eine Nadel fallen hören können. Ich wusste sofort, dass ich ein Mitglied ihrer Gang werden wollte. Ich hatte vor kurzem geheiratet und meine Familie fand, dass das eine völlig absurde Idee sei und war absolut dagegen, dass ich mich aus den Grenzen des Haushalts herausbewegte. Mein Mann hat mich überhaupt nicht unterstützt, aber ich war überzeugt davon, in die Gang eintreten zu wollen und habe es einfach getan. Es hat zwar Monate der Überzeugung gebraucht, aber schließlich stimmte mein Mann zu. Ich beteilige mich aktiv an allen Demonstrationen, Straßenaufführungen und Kampagnen, die die Gulabi Gang initiiert. Die Überzeugung, die Sampat Devi demonstriert, wenn sie für uns kämpft, inspiriert mich. Sie nimmt unglaubliche Schwierigkeiten in Kauf, um uns zu helfen. Ich möchte so sein wie sie und den Mut haben, mich für meine Rechte einzusetzen. Ich begleite sie bei ihren Besuchen in meinem und den benachbarten Dörfern und rede mit den Dorfältesten über ihre Rechte. Ich bin sehr interessiert daran, das Textilzentrum für Frauen mit zu betreiben, für das die Gulabi Gang versucht Geld zu bekommen. Die Gang plant außerdem, ein Rehabilitationszentrum für Alkoholiker einzurichten. Ich bin gebildet und kann einen Beitrag dazu leisten, obwohl ich aus armen dalit-Verhältnissen komme und nicht genug Geld habe. Als Hilfs-arbeiterin arbeite ich auf dem Feld und versuche alles, was ich sparen kann, für Busfahrkarten in benachbarte Dörfer zu nutzen, um dort für die Sache zu werben. Ich trage immer meinen pink-farbenen Sari und habe meine lathi dabei. Jetzt behandeln die Leute mich mit dem Respekt und der Würde, die ich verdiene.




Aarti Devi, 22

Mein Vater, Chandra Bahn, ist ein gebildeter Mann. Obwohl er ein dalit ist, hat er einen zweifachen Magisterabschluss. Er hat immer um seine Rechte und die Würde der Dorfbewohner kämpfen müssen. Vor ungefähr sechs Monaten hat ein Mann aus der oberen Kaste eine dalit-Frau aus dieser Gegend vergewaltigt. Die Polizei weigerte sich ein Verfahren einzuleiten. Als mein Vater dagegen protestierte, wurden er und zwei andere verhaftet. Ich ging zu Sampat Devi und bat sie um Hilfe. Noch am selben Tag trat ich der Gang bei und unter der Führung von Sampat Devi stürmten wir die Polizeiwache und verlangten die Freilassung meines Vaters und der anderen Dorfbewohner. Die Polizei weigerte sich trotzdem noch, ein Verfahren gegen den Vergewaltiger einzuleiten. Am Ende haben wir einen Polizisten grün und blau geschlagen, weil er sich geweigert hatte, das Verfahren einzuleiten. Ich kann solche Ungerechtigkeiten nicht hinnehmen, ohne mich zu wehren. Mein Vater ist eine große Inspiration für mich, er war sehr stolz, als er mich in einem pinkfarbenen Sari demonstrieren und Slogans rufen hörte, Seite an Seite mit Sampat Pal und dem Rest der Gulabi Gang. Sampat Devi hat mir das lathi-Kämpfen beigebracht. Sie hat darauf bestanden, dass wir lernen, wie man sich verteidigt, bevor wir jemanden angreifen. Die Schläger der Regierung und die Behörden haben mich immer wieder bedroht, einmal sogar mit einer gezogenen Pistole, aber ich habe keine Angst vor ihnen. In der Gang zu sein, gibt mir Vertrauen und Selbstbewusstsein. Bei den meisten Aktionen, die wir durchführen, geht es vor allem darum, die Frauen zu stärken, Jobs zu schaffen, Bildung zu fördern und den Armen und Bedürftigen auf diese Weise Kraft zu geben. Wir sind die Zukunft der Gulabi Gang. Wir werden alles tun, damit endlich denen Gleichheit und Recht zukommt, denen dies so lange verweigert worden ist.


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