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PINKE INDERINNEN - PART 2

Die Mädels von der Gulabi Gang hassen Männer und das zu Recht

TEXT UND FOTOS: SANJIT DAS



Sampat Pal Devi, 47

Ich bin die Anführerin der Gulabi Gang. Ich gründete die Vereinigung in den 90ern, aber gab ihr erst vor zwei Jahren den Namen Gulabi Gang. Wir wollen Frauen stärken, die Bildungschancen für Kinder und insbesondere Mädchen erhöhen und Korruption und häusliche Gewalt stoppen. Ich besuche Tag für Tag viele verschiedene Dörfer und treffe mich mit den Mitgliedern der Gang. Wir haben Gangmeetings, bei denen wir uns für bestimmte Vorgehensweisen entscheiden, wenn wir von irgendwelchen Vorkommnissen hören, die wir inakzeptabel finden. Als Erstes gehen wir zur Polizei und verlangen, dass sie etwas unternehmen. Aber da die Behörden sich immer gegen die Rechte der Ärmsten in unserer Bevölkerung stellen, müssen wir die Dinge oft selbst in die Hand nehmen. Wir reden dann erst mit dem Mann, der seine Frau schlägt. Wenn er es nicht versteht, fordern wir seine Frau auf mitzumachen, während wir ihn mit unseren lathis verprügeln. Unsere Missionen haben eine Erfolgsrate von 100 Prozent. Wir haben es bisher immer geschafft, bei häuslichen Problemen Gerechtigkeit herzustellen. Mit den Behörden umzugehen, kann schwieriger sein, da wir das Gesetz nicht immer in die eigenen Hände nehmen können, besonders bei derart korrupten Gesetzgebern. Wir haben zwar ein paar dieser korrupten Beamten verprügelt, aber am Ende sind wir machtlos. Die Schläger dieser Beamten und der Parteien bedrohen mich permanent. Einmal kamen ein Paar von diesen Schlägern und drohten mich zu erschießen, aber die Frauen kamen mir zur Hilfe und bewarfen sie mit Steinen, bis sie wegliefen. Seitdem sind sie noch nicht wieder hier gewesen. Obwohl ich zumeist alleine reise, habe ich keine Angst vor irgendwem. Meine Frauen stehen hinter mir und geben mir Kraft. Meine Familie hat anfangs nicht hinter dem gestanden, was ich tue, aber als ich mich widersetzte und es meinem Mann erklärte, verstand er es und seitdem unterstützt er mich. Es ist nicht leicht, das zu machen, was ich mache. Ich habe kein Geld. Ich fahre überall auf einem alten Fahrrad hin. Ein paar unserer Unterstützer helfen uns mit kleinen Spenden und materieller Hilfe. Ich möchte, dass es mit dieser Bewegung weitergeht und hätte gerne Unterstützung von inter-nationalen und lokalen Einrichtungen. Ich arbeite direkt an der Basis und möchte für die mittellosen Dorfbewohner, mit denen ich arbeite, ein kleines Gewerbe aufbauen. Hier gibt es sehr talentierte junge Männer und Frauen, die Biodünger, Kerzen, ayurvedische Medikamente oder eingelegtes Gemüse herstellen können. Damit würden sie ein angemessenes Gehalt verdienen. Wenn ich finanzielle Unterstützung bekäme, könnte ich eine Schneiderei für die Frauen eröffnen, die so ihre Familien ernähren würden. Die Gulabi Gang sieht einer großen Zukunft entgegen. Es ist eine Bürgerbewegung, die immer weiter wachsen wird, vorausgesetzt wir bekommen die Unterstützung der lokalen Behörden.


Banhari Devi, 42

Ich habe kein Geld und bin abhängig davon, dass mein Sohn mir jeden Abend etwas mitbringt, damit wir unser tägliches Essen kochen können. Sampat Devi ist wie ein Messias und kümmert sich immer um die Armen. Sie hat für mich gekämpft und mir die Rote Karte besorgt, die Karte berechtigt mich zum Erhalt von billigem Reis und Weizen von der staatlichen Verteilungsstelle. Seitdem ich in der Gang bin, habe ich mehr Selbstbewusstsein und fühle mich stärker. Es ist ein paarmal passiert, dass wir mit der Gulabi Gang in einer bestimmten Mission unterwegs waren und die Behörden uns bedroht haben, aber in einer Gruppe zu sein, gibt uns den Mut, die Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Als ich der Gang beitrat, gab uns Sampat Pal eine Einführung in die Motive der Gang und wir wurden im Kampf mit den lathi trainiert. Der Grundgedanke dieser Kampfart ist eher, sich zu verteidigen als anzugreifen. Wir sind an sich nicht gewalttätig, aber wenn man uns angreift, werden wir böse. Wir nutzen zuerst friedliche Mittel. Wenn das nicht funktioniert, bleibt uns immer noch der lathi-Kampf. In der Gang zu sein, hat mein Leben verändert. Ich habe vor, dabei zu bleiben, bis ich sterbe.


Kamat Devi, 48

Ich bin jetzt seit zwei Jahren Mitglied der Gang und war bei fast allen Kampagnen dabei, die die Gang in der letzten Zeit geführt hat. Obwohl ich in der Gang keine bestimmte Rolle zugeteilt bekam, bin ich meistens diejenige, die häusliche Auseinandersetzungen schlichtet oder versucht zwischen Nachbarn im Dorf zu vermitteln. Wenn wir über ein Zerwürfnis zwischen Nachbarn hören, arrangieren wir ein paar Treffen mit Sampat Devi und versuchen zu einer friedlichen Lösung zu kommen. Es ist nicht immer leicht, aber die Leute respektieren die Gulabi Gang, da wir immer neutral bleiben. Ich versuche Gewalt immer zu vermeiden. Für das Erlernen des lathi-Kämpfens habe ich mich entschieden, nur um mich zu verteidigen, nicht um anzugreifen. Obwohl meine Ansichten ein wenig anders sind als die der meisten, beeinflusst das meine Arbeit als Gangmitglied in keiner Weise. Die anderen Mitglieder respektieren meine Position und ich kann so arbeiten, wie ich es will, solange ich meinen Auftrag erfülle. Mein Mann hat ein kleines Stück Land und ich helfe ihm auf dem Feld. Das Land wirft nicht genug ab und manchmal versucht er, in der Stadt Arbeit als Tagelöhner zu finden, was ihm aber nicht immer gelingt. Ich schaffte es, die Rote Karte zu bekommen und jetzt habe ich wenigstens ein Anrecht auf subventionierten Reis und Weizen. Oft frage ich aber, was aus uns geworden wäre, wenn wir nicht in der Gulabi Gang wären.




Bhagwati Devi, 45

Was Sampat Devi für uns getan hat, hat mich inspiriert. Sie kam regelmäßig zu uns ins Dorf und hat sich nach unserem Wohlergehen erkundigt. Ich bin in die Gang eingetreten, um sie bei ihrem Bestreben, uns ein besseres Leben zu ermöglichen, zu unterstützen. In unserer Gang gibt es keine Hierarchie. Wir werden alle gleich behandelt und wir arbeiten für ein gemeinsames Ziel, nämlich die Korruption aus den Wurzeln der Gesellschaft zu entfernen und den Frauen Gerechtigkeit zu bringen. Wenn die Gang von Gräueltaten gegen Frauen erfährt, halten wir ein Gangmeeting ab und diskutieren, welche Strategie wir in diesem speziellen Fall wählen wollen und handeln entsprechend. Meistens versuchen wir erst die Sache friedlich zu lösen, aber wenn das nicht funktioniert, wenden wir Gewalt an. Für die Leute ist es erniedrigend, von uns geschlagen zu werden.

Mein Mann hat mich für ein besseres Leben mit einer anderen Frau verlassen, aber es ist mir egal. Ich habe mein eigenes Leben und bin zufrieden damit. Die Idee einer Gang ist in dieser Region etwas ganz Neues. Genauer genommen ist die Gulabi Gang die einzige Gang, die es gibt. Die Leute müssen lernen zu verstehen, dass eine Gang nicht aus der Art antisozialer Elemente bestehen muss, die viele andere sogenannten Gangs ausmachen. Was wir haben, ist ein Team. Ein Team von Frauen in Pink. Wir werden jeden Tag mehr und die Bemühungen von Sampat Devi haben hier eine Welle der Veränderung eingeleitet. Frauen kommen mit ihren Problemen von weit her und wollen der Gulabi Gang beitreten.


CONTINUED
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