NEWSLETTER



DOS & DON'TS

It's about time the Natural History Museum's tit-makers started taking their cues from back issues of Cheri. That said, let's all pray to God they found a more recent source for the crotches. Comments/Enlarge | See all


It’s Britzkrieg Bob! If those schoolgirls would just mug him for that fanny pack he’d be a picture-perfect aging J-Glam-Punk. Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

„MOONAGE DAYDREAM“
Von Ryan McGinley
WILDWECHSEL
Crystal Antlers hoffen, dass Geweihe nich...
MAILAND TRINKEN
Renata Molho erinnert sich an Italien als...
LES KRIMS
Diese manipulierten Polaroids sind 1975 d...





PINKE INDERINNEN - PART 1

Die Mädels von der Gulabi Gang hassen Männer und das zu Recht

TEXT UND FOTOS: SANJIT DAS

Der Bundelkhand ist eine der ärmsten Gegenden der Region Uttar Pradesh im Norden Indiens. Es ist außerdem eins der am dichtesten besiedelten Gebiete in einem ohnehin schon extrem überbevölkerten Land. Die Einwohner von Bundelkhand sind angesichts des unfruchtbaren Landes, des korrupten Rechtssystems und Indiens erdrückenden und veralteten Kastensystems einem täglichen Kampf ums Überleben ausgesetzt. Ein echtes Zuckerschlecken. Obwohl es euch vielleicht nicht überraschen wird, möchte ich an dieser Stelle unterstreichen, dass Indien nicht gerade ein Hort der Frauenrechte ist. Häusliche Gewalt und eine in jeder Hinsicht zweitrangige Position für Frauen sind hier immer noch Normalität.

Inmitten dieser schwierigen Umstände finden sich ein paar Frauen zu einer Art Bürgerwehr namens Gulabi Gang (gulabi heißt pink) zusammen, die um Gleichberechtigung kämpft—das oft im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gang besteht aus über 10.000 Frauen, welche alle die Uniform der Gulabis tragen, einen pinkfarbenen Sari. Sie haben sich auf lathi, eine traditionelle indische Stockkampfart spezialisiert. Klingt das jetzt alles zu gut, um wahr zu sein? Das dachten wir auch, bis wir hinfuhren und sie selber trafen. Diese tollen Frauen gibt es wirklich und sie könnten dir ohne Scheiß mit einem Schlag ihrer Kampfstöcke die Knie zerschmettern.



Obwohl es die Gang erst seit zwei Jahren gibt, liegen schon unzählige Anklagen gegen sie vor: illegale Versammlungen, Randale, ein Angriff auf einen Regierungsbeamten und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Das 47-jährige Oberhaupt der Gulabi Gang, die energiegeladene Sampat Pal Devi, lässt sich trotz allem nicht von den Anklagen gegen sie und ihre Armee einschüchtern. Die kaum gebildete, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Mutter von fünf Kindern ist in ihrer Heimat zu einer messianischen Figur geworden.

„Das Wort ‚Gang‘ bedeutet ja nicht automatisch, dass wir Kriminelle sind“, sagte sie uns. „Es kann auch so etwas wie Team oder Mannschaft bedeuten. Wir sind eine Gang für die Gerechtigkeit. In Versammlungen und Protesten außerhalb unserer Dörfer, besonders in den übervölkerten Städten, verlieren sich unsere Mitglieder oft im Getümmel aus den Augen. Wir entschieden uns, alle dieselbe Farbe zu tragen, damit wir uns gegenseitig leichter erkennen. Wir haben diese Farbe gewählt, da die anderen Farben alle mit bestimmten politischen oder religiösen Gruppen in Verbindung gebracht werden. Also haben wir uns für pink entschieden, die Farbe des Lebens. Es ist eine gute Farbe. Es schreckt die Behörden ab.“



Das Kastensystem hängt wie eine dunkle Wolke über Indien. Die meisten Gangmitglieder kommen nicht nur aus ärmlichen Verhältnissen, sondern gehören zusätzlich der niedersten Kaste, den dalits (Unberührbaren) an. Vor ein paar Monaten wurde in Uttar Pradesh eine dalit-Frau von einem Mann aus der obersten Kaste vergewaltigt. Der Fall wurde noch nicht mal von der Polizei untersucht. Als die Dorfbewohner protestierten, wurden sie verhaftet und in Gewahrsam genommen. Die Gulabi Gang stürmte, angeführt von Sampat Devi, die Polizeistation und verlangte die Freilassung der verhafteten Dorfbewohner und die Aufnahme eines Verfahrens gegen den Vergewaltiger. Sie griffen einen Polizisten körperlich an, als er sich weigerte ihren Forderungen nachzukommen. Der Fall ist Gegenstand einer noch nicht abgeschlossenen Untersuchung auf höchster Ebene.

Im Juni letzten Jahres erzielten die Gulabis ihren größten Triumph. Nachdem sie Beschwerden über einen der staatlich subventionierten Läden (ähnlich eines Sozialladens) in Attara erhielten, laut denen der Laden seiner Aufgabe, Getreide und andere Nahrungsmittel auszugeben, nicht nachgekommen war, entschlossen sich Sampat Devi und ihre Gang, den Ladenbesitzer heimlich zu überwachen. Die Gang stoppte zwei LKW voll subventioniertem Getreide, das gerade auf dem Weg zum Verkauf auf dem regulären Markt war. Mit diesen Beweisen bewaffnet, übte die Gang Druck auf die lokalen Behörden aus, das Getreide zu beschlagnahmen und den Ladenbesitzer der Polizei zu übergeben, aber es wurde nicht einmal ein Verfahren eingeleitet. Die wütenden Gangmitglieder griffen daraufhin einen der Polizisten an. Obwohl es dennoch nicht zu einer offiziellen Beschwerde kam, gab der Vorfall der Glaubwürdigkeit und dem Ansehen der Gang in der Gegend einen wichtigen Schub.




Ein paar der Leute aus der Gegend vergleichen Sampat Devi mit der legendären Bandit Queen von Jhansi, Laxmibai. Sie zeigen ihre Dankbarkeit, indem sie die Gang unterstützen. Babloo Mishra stellt der Gang seine Räume als Büro zur Verfügung. „Das Beste ist, dass diese Frauen bereit sind, sich für die Sache von jedermann einzusetzen, solange sie überzeugend genug ist, und nicht nur für die ihrer Mit-glieder“, sagte er mir. Obwohl Leute wie Mishra eine große Hilfe sind, benötigt die Gang eine feste Finanzierungsgrundlage, um einen kleinen lokalen Produktionsbetrieb zu schaffen und so den Dorfbewohnern zu einer Anstellung zu verhelfen. Sampat Devi träumt davon, mit den Frauen aus der Gegend eine kleine Textilmanufaktur zu betreiben, aber der Mangel an Geld ist ein großes Hindernis, das sie von der Verwirklichung dieses Traums abhält.

In der Region muss noch viel passieren und Leute wie Sampat Devi leisten einen unschätzbaren Beitrag. Obwohl die Verfahren gegen die Gang auf Fällen beruhen, in denen die Macht der Masse tatsächlich zu illegalen Aktivitäten geführt hat, geht es Sampat Devi und ihren Gangmitgliedern nicht darum, die Regeln zu brechen. Es geht darum, aufzustehen und für die eigenen Rechte zu kämpfen.


CONTINUED
PINKE INDERINNEN | 1 | 2 | 3 |


< Seite Zurück

COMMENTS