NEWSLETTER



DOS & DON'TS

Oh, now look what you’ve gone and done. You’ve made me put you in the DOs for pissing up against a dumpster like a little stray cat. You’re in biiiiig trouble, young lady. Comments/Enlarge | See all


If anything’s going to cut through all the divisive bullshit surrounding immigration and bring us all together it’s not going be some corny political slogan or a song or even a chain of restaurants. It’s got to be something profound and universal. Like embarrassing dads. Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

DISNEY IMITAT
Der Großteil der Hauptattraktionen des Pe...
PRO PAIN
Thunderheist wissen, wie wahre Kunst gema...
DIESE ARSCHLÖCHER KÖNN...
Vierundzwanzig Stunden Live-Übertrag...
ELFRIEDE BRÜNING
Elfriede Brüning ist eine lebende Legende...





ELECTRIC INDEPENDENCE


Bogdan Raczynski kämpft unerschütterlich im Namen des Rave. Foto von Wim Van Wambeke
Haswell & Hecker bei Cerith Wyn Evans Show im White Cube. Foto von Theydon Boix

Letztes Jahr im Oktober stürzte Bogdan Raczynski aus einem Hotelfenster in Graz und landete mit zwei gebrochenen Fersen im Krankenhaus. FERSEN—autsch. Der wohlerzogene Rave-Schwergewichtler war vor ein paar Jahren von der Bildfläche verschwunden, liefert aber jetzt mit seinem neuen Album Alright! ein beeindruckendes Comeback. An den Unfall, der ihn für ein paar Monate an den Rollstuhl fesselt, kann er sich nach eigenen Angaben kaum erinnern.

„Die Details sind verschwommen und es schmerzt, darüber nachzudenken“, berichtet Raczynski aus seiner kanadischen Heimat. „Um es kurz zu machen: Ich habe eine Riesenscheiße gebaut und meine arme Frau muss den Großteil der Last tragen. Ich darf nicht laufen, weil das meine Fersen zu stark belastet, also fahre ich mit dem Rollstuhl oder rutsche auf meinem Hintern durch die Gegend. Das Ganze fühlt sich an, als ob ich einen extrem hartnäckigen Kater hätte. Jeder Tag erinnert mich an meine eigene Endlichkeit und meine äußerst leichtsinnige Dummheit.“

„Um ehrlich zu sein“, fügt er hinzu, „ich glaube, ich stand unter Drogen, aber ich fühle mich sehr glücklich und gesegnet, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“

Unter Drogen? Warum würde jemand Raczynski unter Drogen setzen? Höchstens, um mit ihm Sex zu haben oder um seinen Talisman zu klauen. Vielleicht hat er einen präparierten Drink runtergekippt, der für jemand anderen bestimmt war? Ehrlich gesagt, vermuten wir, dass er genau weiß, was an jenem Abend passiert ist, aber aus Anstand keine weiteren Details preisgeben will. Was auch immer geschah, sollte nicht überschatten, dass Raczynskis neueste Hardcore-Scheibe, die sich bemerkenswerterweise in keiner einzigen „Die besten Alben von 2007“-Liste wiederfand, in der obersten Liga mitspielt. Auf Alright!, seiner siebten Veröffentlichung bei Rephlex, perfektioniert Raczynski die Fusion von frühem holländischen 90er-Jahre-Techno und der verspielten Erhabenheit eines Chopin. Das Resultat sind neoklassische Gonzo-Rave-Hymnen, wie „08“, der achte und letzte Track der Platte, bei dem es sich im Grunde um eine umwerfende Karikatur dessen handelt, was sich ein siebenjähriger Junge unter einer „neoklassischen Gonzo-Rave-Hymne“ vorstellen würde.

„Ja! Der Track geht gut nach vorne“, bemerkt Raczynski. „Gegen Ende kommt so ein harter Drop. Ich kriege da einen richtigen Anti-Blackout. Der Track ist schnell, hart, melodisch, motivierend, wohltuend und witzig. Mein Hirn macht Luftsprünge, wenn ich ihn höre.“

Wenn wir ein Album benennen sollten, das uns durch die kühlen Sommerabende von 2007 und die eiskalten Winternächte von 2008 gerettet hat, würde die Wahl ohne zu zögern auf Haswell & Heckers majestätisches und zutiefst befremdliches Blackest Ever Black fallen. Das Album, im Juni bei Warner Classics erschienen und damals auch bei Vice besprochen, dokumentiert die Experimente der Sound-künstler Russell Haswell und Florian Hecker mit Iannis Xenakis UPIC-Computer-Komponier-System. Wer auf der Suche nach mehr Stoff aus diesem Projekt ist, sollte sich mal die zweite Ladung dieses Duos reinziehen, die EP „UPIC Warp Tracks“, die nächsten Monat bei Warp erscheint.

Im Dezember kamen wir in den Genuss, ihrer 14. „UPIC Diffusion Session“ in der White Cube Gallery am Hoxton Square beizuwohnen, als Teil einer Kooperation mit Cerith Wyn Evans. Wir haben über die letzten Jahre einige dieser Sessions gesehen—man wäre auch bescheuert, sie zu verpassen—und was diese Shows so großartig macht, ist, dass die Zuschauer sich frei im Raum bewegen können, während Haswell und Hecker in der Mitte stehen und die Verteilung des Sounds im 360-Grad-Radius steuern. Den bleibendsten Eindruck hinterließ die „al fresco“-Session bei Faster Than Sound in Suffolk, sowie ein grandioser Auftritt in der Conway Hall in London, wo zusätzlich ein atemberaubendes Lichtspektakel die Menge in ein orientierungsloses Delirium versetzte. Headliner Pan Sonic wirkte recht blass dagegen. Im Vergleich zu diesen Auftritten war ihre Performance im White Cube, die durch zwei Wyn Evans-Arbeiten in gleißendes weißes Licht getaucht war, eine eher entspannte Angelegenheit, eher wie eine Dinner Party in THX 1138.

Irgendwann im letzten Jahr erwähnte Florian Hecker, dass er ein neues Album fertiggestellt hätte und beschrieb es als „ultra-minimal“. Was wiederum implizierte, dass er damit allen sogenannten Minimal-Techno-Produzenten zeigen würde, was „minimal“ eigentlich bedeutet.

Mit Hecker, Höller, Tracks, seiner neuen Doppel-LP auf Semisphere, tut er genau das. Hecker erkundet die halluzinatorischen Qualitäten des Prinzips der Wiederholung, und wenn man laut genug aufdreht und genau hinhört, scheinen die Clicks und Ticks von den Wänden zurückzuprallen. Oder, um es anders zu beschreiben: Als wir uns den ersten Track in voller Lautstärke anhörten, dachte mein Mitbewohner, dass die Alarmanlage im Nachbarhaus losgegangen wäre, und schloss das Fenster, weil er seine Ruhe haben wollte.

PIERS MARTIN


< Seite Zurück

COMMENTS